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Teil 2: "Produktion wird zunehmend zur Dienstleistung"
Dr. Till Reuter ist seit 2009 Vorstandsvorsitzender der KUKA AG (Foto: PR)

Die Politik setzt den Rahmen für die Zukunft. Glauben Sie, dass unsere Politiker die Herausforderungen der Zukunft richtig einschätzen und beispielsweise die richtigen Reformen auf den Weg bringen?

Reuter: Die Politik in Berlin und Brüssel hat die Bedeutung von Industrie 4.0 für den Wirtschaftsstandort Deutschland erkannt und bereits darauf reagiert. Allerdings gibt es hier noch viel zu tun, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft müssen hier Hand in Hand arbeiten. Zu den vorrangigen Aufgaben der Politik zählen Investitionen in Forschung und Innovation, der Aufbau von Förderstrukturen, beispielsweise für Start-Ups, ein Ausbildungssystem, das auf die Anforderungen von Industrie 4.0 vorbereitet und der Ausbau der digitalen Infrastruktur.

Welche Innovation gilt als größte in Ihrem Unternehmen?

Reuter: Mit dem Leichtbauroboter LBR iiwa hat KUKA den Industrieroboter aus dem Schutzkäfig entlassen und ihn in Arbeitsprozesse integriert. Er ist flexibel einsetzbar, ist mobil und sensitiv und arbeitet mit dem Menschen eng zusammen. Wir haben damit den ersten serienmäßigen sensitiven Industrieroboter geschaffen. Für die Zukunft beschäftigen wir uns damit, für unsere Kunden ganz neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die erst jetzt durch die Digitalisierung möglich geworden sind. Beispielsweise können wir uns vorstellen, unseren Kunden Produkte und Dienstleistung auf digitalen Plattformen anzubieten.

Wie fördern Sie Wandel und Innovationsklima?

Reuter: Um weiter als Vorreiter in der Industrie 4.0 zu agieren, ist es wichtig, neue Wege zu beschreiten und neuen Impulsen gegenüber offen zu sein. Wir haben zum Beispiel ein Industrie-4.0-Team aufgebaut, das übergreifend die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle vorantreibt und erste Industrie- 4.0-Lösungen für KUKA aufsetzt. Zudem investieren wir extern in Start-ups und schließen strategische Partnerschaften. Unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung haben wir durch internationale Standorte erweitert, etwa im texanischen Austin.

Was muss sich in Ihrem Unternehmen ändern, um dem Wandel begegnen zu können? Braucht es eine neue Fehlerkultur?

Reuter: Um weiter Vorreiter in der Industrie 4.0 zu sein, ist es wichtig, neue Wege zu beschreiten und neuen Impulsen gegenüber offen zu sein. Die Mitarbeiter bei KUKA sind darin ziemlich gut. Wir haben flache Strukturen, die es zulassen, dass Mitarbeiter Ideen haben und diese auch vertreten können.

Ausblick 2020: Welche Chancen und Risiken erwarten Sie für Ihre Branche? Glauben Sie, dass ein Angreifer mit einem disruptiven Geschäftsmodell Ihre Branche durcheinander wirbeln wird?

Reuter: Wir haben früher vor allem Roboter für die Autoindustrie gebaut, heute haben wir 50 Prozent in der Autoindustrie und 50 Prozent in der General Industry. Das wird sich weiter verschieben. Die Roboter werden kleiner und leichter und können mit dem Menschen zusammenarbeiten, so wie unser LBR iiwa. Das bietet Möglichkeiten für Wachstum in neuen Branchen. Zudem werden die Roboter intelligenter und vernetzen sich. Hier sehen wir große Wachstumschancen. Das gleiche gilt für Wachstum in Ländern wie China, wo der Automatisierungsgrad derzeit noch gering ist. Auch das Thema Cloud-basierte Services und Pay-per-Use wird in Zukunft eine größere Rolle spielen. Produktion wird zunehmend zur Dienstleistung, Prozesse werden per Mausklick bestellt und nur die Leistung der Maschine gekauft, nicht mehr die ganze Anlage. Interview mit Till Reuter, KUKA Teil 1

Teil 1: Als Vorreiter agieren
Teil 2: "Produktion wird zunehmend zur Dienstleistung"
Teil 3: "Jede nicht getroffene Entscheidung wird irgendwann zum Fehler"

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