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Als Vorreiter agieren

Till Reuter, Vorsitzender des Vorstands der KUKA AG, über das Erdenken neuer Geschäftsmodelle, klare Entscheidungen und die kommende „Generation R“.

KUKA-Roboter: Berührungsängste werden weiter schwinden (Bild: Niklas Hughes)

Roboter werden intelligenter, vernetzen sich und können mit dem Menschen zusammenarbeiten. Das, prognostiziert KUKA-Chef Dr. Till Reuter, bietet Möglichkeiten für Wachstum in neuen Branchen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was wird unser Leben ebenso stark beeinflussen wie das Smartphone?

Till Reuter: Es ist ja nicht nur das Smartphone, sondern die Digitalisierung und die damit einher­gehenden Möglichkeiten, die unser Leben verändern. Auch die Robotik wandelt sich mit der Entwicklung. Sensitive mobile Systeme werden zu Assistenten für den Menschen und – da bin ich sicher – mehr und mehr Bestandteil unseres Alltags. Im Moment wächst die „Generation R“ heran. Für sie wird der Umgang mit Robotern einmal so selbstverständlich sein wie für die jungen Leute heute Smartphone und Internet. Sie werden keinerlei Berührungsängste haben.

Alphabet/Google, Apple, Amazon, Facebook: Vergleichsweise junge, amerikanische IT-Unternehmen geben weltweit Takt und Ton an, sind an der Börse mehr wert als die DAX-Unternehmen zusammen. Warum schaffen wir es nicht, in diese Liga vorzustoßen?

Reuter: Die Entwicklung in der IT-Welt geht mit unglaublicher Geschwindigkeit voran. Im Büro geben die IT-Giganten bereits den Ton an, in der Produktion wollen und können wir zum Vorreiter werden. Dafür müssen wir in Deutschland mit den Daten in Zukunft mehr machen. Die USA sind uns da voraus, weil sie damit auch früher angefangen haben. Wir müssen also Fahrt aufnehmen. So müssen wir zum Beispiel Standards bestimmen und die Schnittstelle zu den Kunden behaupten. Das ist Aufgabe der Unternehmen. Wir bei Kuka arbeiten an Standards, aber wir brauchen dazu Mitspieler aus dem Mittelstand. Die Politik sowohl in Berlin als auch in Brüssel können dafür die Rahmenbedingungen vorgeben.

Welche Unternehmen oder Geschäftsmodelle beeindrucken Sie?

Reuter: Mich beeindrucken Start-ups, die agil und mutig neue Impulse setzen. Die prominenten Beispiele kennt man. Aber nehmen wir beispielsweise Nebbiolo Technologies – ein Unternehmen, an dem wir beteiligt sind und das sich mit Fog-Computing beschäftigt. Oder Roboception in München, die sich mit Vision-Technologien befassen.

Digitalisierung und Transformation – auch der Gesellschaft: Was wird unsere größte Herausforderung für die nächsten Jahre sein? Erwarten Sie, dass auf uns soziale und politische Herausforderungen zukommen etwa in Sachen frappierend steigender Arbeitslosigkeit oder radikaler gesellschaftlicher Umbrüche?

Reuter: Zu den größten Herausforderungen der Industrienationen zählt sicherlich der demografische Wandel, der sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird. Unsere Gesellschaft wird immer älter, die Generation der Babyboomer geht in Rente. Der Fachkräftemangel, den wir heute schon spüren, wird sich weiter verschärfen. Digitalisierung und Automatisierung helfen uns dabei, die Folgen des demografischen Wandels aufzufangen. Sie steigern zudem die Produktivität und sichern so Arbeitsplätze in Hochlohnländern wie Deutschland. Die große Herausforderung wird eher darin liegen, geschulte Mitarbeiter für neue Jobs in der Schnittstelle Hardware und IT zu finden. Weiterbildungen und Lehrpläne müssen deshalb an die veränderten Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 angepasst und weiterentwickelt werden.

Teil 1: Als Vorreiter agieren
Teil 2: "Produktion wird zunehmend zur Dienstleistung"
Teil 3: "Jede nicht getroffene Entscheidung wird irgendwann zum Fehler"

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