Verstand entscheidet

Künstliche Intelligenz, so KUKA-CEO Dr. Till Reuter, optimiert die Produktivität und Automatisierungslösungen. Profitieren können auch kleinere und mittlere Unternehmen.


Till Reuter, CEO von KUKA (Foto: PR)

Der Umgang mit Robotern wird viel intuitiver und einfacher werden. Künstliche Intelligenz (KI) hilft dabei. Davon ist Dr. Till Reuter überzeugt. Für den Vorstandsvorsitzenden der KUKA AG liegt der Schlüssel zum Erfolg von Industrie 4.0 in der Kombination von KI und Automatisierung.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Viele Experten glauben, KI löse die nächste technische Revolution aus. Wie schätzen Sie das Potenzial von KI ein?
Till Reuter:
In vielen Bereichen des täglichen Lebens hat KI bereits Erfolge bei Problemen erzielt, die mit konventionellen Ansätzen nur schwer bis gar nicht lösbar waren. Dazu zählen die Bild- und Spracherkennung, Service-Hotlines oder sicheres Bezahlen mit Kreditkarten durch automatisches Sperren bei ungewöhnlichen Transaktionen. Auch in der Robotik ist absehbar, dass sich mithilfe von KI neue Aufgabenstellungen automatisieren lassen, ohne dass sie explizit Schritt für Schritt programmiert werden müssen. Wunder sollte man allerdings nicht erwarten. Aber durch weniger Programmieraufwand werden neue Anwendungsfelder entstehen. KI und Automatisierung alleine werden immer an Grenzen stoßen – die Kombination aus beidem hat großes Potenzial.

US-Forscher prognostizieren, dass Computer 50 Prozent der Jobs in den USA übernehmen können. Inwieweit kann KI die Arbeitswelt verändern und menschliche Arbeitskraft überflüssig machen?
Reuter:
In erster Linie kann KI den Menschen in vielen Bereichen unterstützen, um schneller bessere Ergebnisse zu erzielen. Wenn ein Rechtsanwalt beispielsweise ein Präzedenzurteil für einen aktuellen Fall suchen muss, sind Algorithmen von großem Vorteil. Sie können weltweit alle Datenbanken seit Beginn der Aufzeichnung nach Gerichtsurteilen durchsuchen. Ähnliches gilt für die Diagnose und Behandlung seltener Krankheiten. Die Relevanz eines solchen Treffers zu beurteilen ist aber Sache des Arztes oder des Anwalts, ebenso wie das weitere Vorgehen. Hier ist Menschenverstand, Kreativität und Erfahrung gefragt.

MEIN TIPP: Man muss sich seine Neugier bewahren und immer wieder gerne Neues lernen.

Werden ganz neue Jobs entstehen und alle von der technologischen Entwicklung profitieren?
Reuter:
Jede industrielle Revolution hat für gesellschaftliche Debatten gesorgt. Wohlstand und Arbeitsschutz sind in Deutschland auf sehr hohem Niveau, dazu haben die drei industriellen Revolutionen – Dampfmaschine, Elektrifizierung/Fließband und IT – wesentlich beigetragen. Auch Industrie 4.0 und KI werden dazu beitragen. Zwar werden wie bei vergangenen Entwicklungen auch bestimmte Berufsbilder verschwinden, aber dafür werden neue entstehen, gerade an der Schnittstelle zwischen IT und Maschinenbau. Wichtig ist, dass Universitäten und andere Aus- und Weiterbildungsinstitutionen darauf vorbereitet sind. KUKA bringt sich in verschiedenen Gremien ein, um die Arbeitswelt Industrie 4.0 mitzugestalten. Über die Plattform Industrie 4.0 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Bundesministeriums für Bildung zum Beispiel engagieren wir uns Seite an Seite mit Gewerkschaftsvertretern.

Teil 1: Verstand entscheidet

Teil 2: Intuitiver Umgang mit Robotern

 

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