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Wir müssen uns mehr trauen

Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, über die Zukunft des Individualverkehrs und die absolute Kundenorientierung im Silicon Valley.

DB-Navigator: Vorzeigeprojekt und meistgenutzte Reise-App Europas (Bild: Niklas Hughes)

Das erste vollautomatische Personentransport­system Deutschlands ging 1994 in Betrieb – die Hochbahn Skyline am Flughafen Frankfurt am Main. Auch in der Urheimat des Bahnverkehrs, in Nürnberg, fährt die Linie 3 der U-Bahn seit 2008 führerlos. Doch was bisher nur in Pilotprojekten realisiert wurde, könnte bald zum Normalzustand auf Deutschlands Schienen werden. Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG (DB), erklärt, wohin die Reise in Sachen Verkehr und Digitalisierung geht.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Welches ist Ihr ­Zukunftszenario für die Mobilität im digitalen ­Zeitalter?

Rüdiger Grube: Das autonome Fahren wird die Mobilität gravierend verändern. Motorisierter Individualverkehr und öffentlicher Verkehr werden zum IÖV, zum Individuellen Öffentlichen Verkehr, verschmelzen. Autonome Fahrzeuge werden bedarfsorientiert bestellt und ohne feste Fahrpläne und Routen fahren. Der IÖV muss dazu intelligent und einfach organisiert sein: Information, Buchung, Disposition und Abrechnung werden aus einer Hand erfolgen. Auch das vollautomatische Fahren auf der Schiene ist nur noch eine Frage der Zeit. Wir testen bereits die erforderlichen Scanner, Sensoren, Kamera- und Steuerungssysteme, zum Beispiel bei der Erzgebirgsbahn in Sachsen.

Was hat das Silicon Valley der deutschen Wirtschaft voraus?

Grube: Als ich kürzlich mit Kollegen in Kalifornien bei Google war, hat mich deren absolute Customer-Centricity beindruckt. Buchungsvorgänge werden mit der Stoppuhr gemessen. Wenn sie länger als zehn Sekunden dauern, muss nachgebessert werden. Und User-Experience ist dort Chefsache.

Digitalisierung und Transformation – auch der Gesellschaft: Was wird unsere größte Herausforderung für die nächsten Jahre sein? Erwarten Sie, dass auf uns soziale und politische Herausforderungen zukommen etwa in Sachen frappierend steigender Arbeitslosigkeit oder radikaler gesellschaftlicher Umbrüche?

Grube: So wie man den Heizer auf der Dampflok nicht mehr brauchte, wird sich zum Beispiel durch Fortschritte beim automatisierten Fahren auch das Berufsbild des Lokführers wandeln. Es ist in der deutschen Wirtschaft und natürlich auch bei der Deutschen Bahn gute Tradition, solche Entwicklungen vorauszudenken und sozial abzufedern. Wenn wir weiterhin die Menschen mitnehmen, habe ich keine Sorge vor gesellschaftlichen Verwerfungen. Ganz im Gegenteil: Die Digitalisierung lässt schon heute viele neue Geschäftsmodelle und Jobs entstehen.

Teil 1: Wir müssen uns mehr trauen
Teil 2: "Größe allein schützt nicht"
Teil 3: "Unter 1.000 Kilometer Entfernung sitzt man am besten im Zug"

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