Teil 4: „Ich glaube an ein Health-Ökosystem”

Welche Bereiche gehen Sie strategisch wie an?
Vullinghs:
Bei Philips verzetteln wir uns in Sachen künstlicher Intelligenz nicht in x Dingen, sondern besetzen ausgesuchte Felder – diese „bespielen“ wir dann allerdings sehr professionell. Zu unseren Fokuspunkten gehören die Pflege, Bildverarbeitung aus MRT und CT sowie die Onkologie. Letzteres erläutere ich gern mal: Digitalisierung vernetzt – endlich. Heute lagern die Daten, beispielsweise eines Prostata-Krebs-Patienten, an unterschiedlichen Orten – beim Onkologen, Urologen, Radiologen. Nun kommunizieren in dem System Krankenhaus leider die behandelnden Ärzte und Mitarbeiter nicht zwingend miteinander. Fakt aber ist: wenn allen alle Patientendaten vorliegen würden, fielen Diagnose und Therapie im Zweifel oft anders aus. Wir haben das im Rahmen einiger Projekte in Leiden in den Niederlanden erforscht. Unter der Prämisse des Zugriffs auf die gesamten Daten, hätten die befragten Ärzte in knapp 20 Prozent der Fälle eine andere Therapie empfohlen. Wissen zu connecten – das ist Digitalisierung. Natürlich gibt es heutzutage schon entsprechende Anwendungen, aber leider lange noch nicht flächendeckend. Vieles ist noch Theorie.

Gibt es Praxisbeispiele?
Vullinghs:
In unserem Projekt HerzEffekt MV in Mecklenburg-Vorpommern begleiten wir Hochrisiko-Patienten mit Herzinsuffizienz, die nach einem Krankheitsfall wieder zuhause leben und von einem Expertenteam im Krankenhaus telemedizinisch versorgt werden – mit gesonderter Betreuung und individualisierten Care-Plänen. Soft-und Hardware kommt dabei von Philips. Das ist ein praktisches Beispiel von „value based healthcare“. Darin sehen wir unsere Zukunft: wir begleiten Patienten mit digitalisierten Lösungen und dem Ziel, dafür zu sorgen, dass diese gar nicht erst krank werden und länger zuhause in Ruhe leben können. Das ist für mich „Healthcare“ – Sorge zu tragen, dass Menschen gesund bleiben und gesund leben. Heute wird mir noch zu viel „Sickcare“ betrieben – wir reagieren immer erst, wenn jemand krank ist!  

Es gibt viel Kritik an Insellösungen. Wie agieren Sie?
Vullinghs:
Wir entwickeln unsere Digitalisierungs-Lösungen nicht isoliert. Wir haben die „Health Suite Digital Plattform“, zusammen mit Partnern wie beispielsweise Salesforce und Amazon realisiert – das ist in sich schon ein Ökosystem. Der Hintergrundgedanke dabei: Ein Thema wie beispielsweise die elektronische Gesundheitsakte kann kein Unternehmen allein vorantreiben. Wenn jeder an seiner eigenen Lösung schraubt, entsteht ein großes Chaos. Daher sind unsere Lösungen inter-operabel. Zudem ist unsere Plattform nicht nur ausschließlich für Philips-Lösungen nutzbar, sondern ein offenes System. Aber diese Maßgabe muss dann auch für die anderen Player gelten. Wir können nicht abhängig von einem Unternehmen sein – auch nicht von Philips. Ich glaube an ein Health-Ökosystem in Deutschland und wir wollen ein Teil davon sein.

Teil 1: „Müssen uns verändern”

Teil 2: „Über 30 Prozent heute gestellter Diagnosen sind falsch”

Teil 3: „Healthcare vs. Sickckare”

Teil 4: „Ich glaube an ein Health-Ökosystem”

Teil 5: „Connected Care”

 

 

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