Teil 2: „Über 30 Prozent heute gestellter Diagnosen sind falsch”

 

Wie digital ist der Sektor und was muss sich noch tun?
Vullinghs:
Unser Gesundheitssystem steht vor enormen Herausforderungen. Von daher müssen wir die digitalen Möglichkeiten intensiv vorantreiben. Ein Beispiel ist die Pflege und Versorgung im ländlichen Raum: Schon heute gibt es zu wenige Fachkräfte. Und die Babyboomer kommen als potenziell zu Betreuende in den nächsten drei bis fünf Jahren erst noch hinzu. Auch Ärzte in ländlichen Regionen werden immer rarer, die Wege von Mensch zu Arzt weiter. Digitale Lösungen, die beispielsweise eine Nachsorge zu Hause gewährleisten und damit Wege, Zeit, Kosten und Nerven sparen, gibt es bereits; sie werden die Zukunft sein und das System entlasten. Das wird jedoch noch viel zu wenig diskutiert. Noch ein Beispiel: Über 30 Prozent heute gestellter Diagnosen sind falsch. Ärzte kommunizieren kaum miteinander. Das wissen viele nicht. Digitalisierung bietet hier Möglichkeiten. Das heißt nicht, dass künftig nur noch Computer eine Diagnose stellen, sondern dass Analyse mithilfe Künstlicher Intelligenz mit der fachärztlichen Expertise zusammenkommt. KI wird so zum Sparringspartner und verbessert gesundheitsentscheidend die Qualität. Vollends ersetzen werden Computer den Menschen aber nicht.

Doch Experten warnen vor dem Wegfall vieler Jobs ...
Vullinghs:
... sicher fallen bisher traditionelle Jobs weg – beispielsweise am Bankschalter durch das Online-Banking. Aber das muss nicht heißen, dass wir weniger Menschen für künftig anfallende Tätigkeiten brauchen, wie im Beispiel Pflege. Wir benötigen jedoch andere Fähigkeiten und Umschulungen. Wir dürfen nicht die Augen vor den digitalen Möglichkeiten verschließen, sondern müssen uns alle selbst verändern. Denn Transformation braucht Unterstützung durch uns Menschen – die Digitalisierung fällt uns nicht einfach so zu. Wenn unsere Wirtschaft weiter wachsen und international wettbewerbsfähig bleiben soll, müssen wir den Wandel jetzt umarmen. Ansonsten haben wir vielleicht irgendwann sogar zu wenige Mitarbeiter – vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.

MEIN MOTTO: There is always a way to make life better.

Inwieweit hat sich die Philips-Produktwelt gewandelt?
Vullinghs:
Wir sprechen nicht mehr nur über Produkte, sondern auch über Lösungen – und dies übergreifend im Konsumenten- und Health-Bereich. Denn auch in der Medizin ist die Zukunft vernetzt. Wir nennen das „Health-Tech“. Unsere Strategie dahinter orientiert sich am „Health Continuum“: Sie beginnt beim gesunden Leben und der Prävention, geht dann zu Diagnose und Behandlung und schließlich zur Regeneration zu Hause. Die Klammer heißt digitale Vernetzung.

Teil 1: „Müssen uns verändern”

Teil 2: „Über 30 Prozent heute gestellter Diagnosen sind falsch”

Teil 3: „Healthcare vs. Sickckare”

Teil 4: „Ich glaube an ein Health-Ökosystem”

Teil 5: „Connected Care”

 

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