„Müssen uns verändern“

Wir stehen für Innovation – seit 126 Jahren“, sagt Peter Vullinghs, CEO für die DACH-Region bei Philips. Heute setzt der wandlungsfähige Konzern auf „Health-Tech“. Der Niederländer legt den Finger in offene Wunden und hält ein leidenschaftliches Plädoyer für einen digitalen Gesundheitssektor.


Peter Vullinghs, CEO DACH-Region Philips (Foto: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Ist Deutschlands Digitalisierungstempo im Wettbewerb hoch genug?
Peter Vullinghs:
Es war und ist eine echte Stärke der deutschen Wirtschaft, sich peu à peu zu verbessern. Das funktioniert wie eine geölte Maschine – selbst in Krisensituationen. Ich, als vor allem in Deutschland arbeitender Niederländer, bin da gleichzeitig ein wenig stolz und neidisch. Im Zuge des digitalen Wandels aber ist Geschwindigkeit ein entscheidender Faktor. Und das stellt für die deutsche Wirtschaft eine Herausforderung dar. Denn disruptiv zu sein ist sicher nicht unsere Stärke. Allerdings ist heute mehr Handlungsschnelligkeit nötig. Ein warnendes Beispiel ist die Automobilindustrie. Ich liebe deutsche Autos, fahre selbst eines. Aber ich kann nicht behaupten, dass sie in Bezug auf elektrisches Fahren Vorläufer sind. Andererseits sehe ich aber auch sehr gute Ansätze, beispielsweise Berlin oder auch Hamburg. Berlin ist die Hauptstadt der Start-ups – und zwar für ganz Europa. Und ein gutes Beispiel für ein funktionierendes Ökosystem inklusive Wirtschaft und Politik. In Hamburg haben wir gerade den Health Innovation Port auf unserem Gelände eröffnet – neben vielen Co-Working-Spaces in der Hansestadt der erste, der sich auf Gesundheit fokussiert.   

Ist deutscher Datenschutz ein Vor- oder Nachteil?
Vullinghs:
Ohne Daten sind uns in der Digitalisierung die Hände gebunden. Fakt ist aber: Wir verlieren den Anschluss, weil andere viel lockerer mit ihren Daten umgehen. Diese Art von Qualitätsweg und die Tatsache, dass dieses Thema hier so groß ist wie in keinem anderen europäischen Land, ist schon schwierig. Fakt ist aber natürlich auch: Datenschutz ist extrem wichtig. Die Lösung ist, diesen Schutz gut und richtig zu arrangieren – und das ist in der digitalen Welt möglich. Und zwar ohne die amerikanische Praxis zu übernehmen. Eine Herausforderung ist, dass Datenschutz immer ein ganzes Ökosystem betrifft. Im Medizinsektor zum Beispiel haben Verbände, Kassen, Hausärzte und viele unterschiedliche Parteien ihre ganz eigene Agenda in dieser Sache. Dabei beschleicht mich manchmal das Gefühl, dass Datenschutz als Alibi verwendet wird, um Dinge nicht vorantreiben und verändern zu wollen. Wir müssen darauf achten, das Thema hierzulande nicht größer zu machen, als es die Menschen brauchen. Im Health-Sektor muss gelten: Jeder ist Herr über die eigenen Daten. Ich selbst entscheide, was mit Ihnen geschieht. Das lässt sich alles entsprechend gestalten und dann in der digitalen Welt viel besser steuern als in der analogen. Und der positive Nebeneffekt? Wenn Daten anonymisiert verarbeitet werden dürfen und können – Stichwort Big Data – helfen sie allen. 

Teil 1: „Müssen uns verändern”

Teil 2: „Über 30 Prozent heute gestellter Diagnosen sind falsch”

Teil 3: „Healthcare vs. Sickckare”

Teil 4: „Ich glaube an ein Health-Ökosystem”

Teil 5: „Connected Care”

 

 

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