Teil 2: „Über den Tellerrand blicken“

Wie beurteilen Sie die steigenden IT-Risiken in unserer Gesellschaft?
Luscher:
Viele haben noch nicht verstanden, was ein digitales Geschäftsmodell überhaupt bedeutet. Nehmen Sie die zeitliche Komponente: Die neuen Technologien bieten immer und überall sofortige Handlungsmöglichkeiten. Die Angriffsflächen sind dadurch größer und weniger kontrollierbar geworden. Neue Reaktionsstrukturen sind notwendig, eine solide Planung und ein gut vorbereiteter Notfallplan sind ein absolutes Muss.   

Brauchen wir mehr digitale Bildung?
Luscher:
Die Digitalisierung muss Einzug in die Schulen und Universitäten halten. Das fängt bei der alten Schultafel an, die zumindest bei meiner Tochter in der ersten Klasse noch ausschließlich verwendet wird. Aber auch an der Universität steckt man oftmals noch in den Kinderschuhen. Um wirklich voranzuschreiten, muss EDV/IT oder Digitalisierung quasi Hauptfach in der Bildung werden. Gleichzeitig muss aber auch der nachhaltige Umgang mit den Medien und der Technik geschult werden. Nur wer sich auskennt und über den Tellerrand blicken kann, ist wirklich mündig und kann an der neuen digitalen Gesellschaft teilnehmen. Ich habe in meiner universitären Laufbahn sowohl an der Fachhochschule als auch an einer privaten Universität eigentlich keinen Gründergeist erleben können. Nichtsdestotrotz ist das Bildungsniveau in Deutschland sehr hoch und bietet eine hervorragende Basis für zukünftigen Erfolg. Vielleicht sollten Business Plan Studies im Rahmen von Studiengängen noch mehr Gewicht bekommen, auch außerhalb der klassischen BWL-Studiengänge.

Welche digitale Innovation wird Ihr Unternehmen am stärksten verändern und welche nicht?
Luscher:
Transformation der Hotelmanager von Property-Management-Spezialisten in lokale Gastgeber, die im echten Leben und digital den Unterschied gegenüber den Gästen machen können.

Welches sind die größten Widerstände gegen den Wandel in Ihrem Unternehmen?
Luscher: Adaptionen in Arbeitsprozessen sind immer mit der Angst vor Veränderungen verbunden. Selbst hoch motivierte Mitarbeiter wollen keine Fehler machen, vertrauen natürlich auch stark auf derzeit gut funktionierende Prozesse. Egal ob eine technische Innovation, ein neues Produkt innerhalb der Hotels oder ein anderes Thema als Neuigkeit vorangebracht wird, wir versuchen stets die Unendlichkeit der Themen zu dosieren, zu filtern und letztendlich fließend einzuführen. Auch die Möglichkeit neue und alte Prozesse für eine Übergangszeit parallel laufen zu lassen, ist hier bei der Anpassung sicherlich notwendig.

Wie begegnet Ihr Unternehmen zweifelnden Mitarbeitern, um diese für die Digitalisierung zu befähigen und zu motivieren?
Luscher:
Eine gesunde Fehlerkultur ist der Schlüssel zum Erfolg. Themen müssen diskutiert werden können. Ebenso sind erfahrene Partner wichtig. Da nicht jeder in jedem Fachgebiet ein Experte ist, sollte das von vornherein eine der Grundsäulen sein.

Teil 1: Moment der Wahrheit

Teil 2: „Über den Tellerrand blicken“

Teil 3: „Action This Day”

 

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