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Teil 2: "Bei Volkswagen hat die Krise auch Türen geöffnet"

Matthias Müller ist seit 2015 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG (Foto: PR)

Die Politik setzt den Rahmen für die Zukunft. Glauben Sie, dass unsere Politiker die Herausforderungen der Zukunft richtig einschätzen und beispielsweise die richtigen Reformen auf den Weg bringen?

Müller: Ich glaube schon, dass das Bewusstsein in Politik und Wirtschaft für die Größe der vor uns liegenden Transformation vorhanden ist. Wir haben kein Analyseproblem. Aber es braucht noch mehr Konsequenz und Schnelligkeit. Ein Beispiel ist der Plan zur Förderung der Elektromobilität, auf den sich Bundesregierung und die deutsche Autoindustrie verständigt haben. Damit die Kunden auf das E-Auto umsteigen, braucht es ein stimmiges Gesamtkonzept. Dazu gehört neben überzeugenden Fahrzeugen mit großer Reichweite und geringer Ladezeit vor allem eine flächendeckende, alltagstaugliche und sichtbare Infrastruktur. In Kombination mit konkreten Kaufanreizen für die Kunden sind nun wesentliche Voraussetzungen erfüllt, damit Deutschland bei der E-Mobilität Fahrt aufnehmen kann.

Welche Innovation gilt als größte in Ihrem Unternehmen?

Müller: Mit solchen Superlativen tue ich mich schwer. Wir melden jährlich um die 6.000 Patente an. Vor allem in den Bereichen alternative Antriebe, Fahrassistenzsysteme und Leichtbau gab es in jüngster Vergangenheit Erfindungen, die mich begeistern. Diese Innovationskraft müssen wir stärken, insbesondere an der Schnittstelle zwischen Hard- und Software.

Was muss sich bei VW ändern, um dem Wandel begegnen zu können?

Müller: Bei Volkswagen hat die Krise auch Türen geöffnet. Sie hat uns darin bestärkt, notwendige Veränderungen zu beschleunigen und Prioritäten neu zu setzen. Zu glauben, man könne einen Weltkonzern wie unseren in all seinen Verästelungen von der niedersächsischen Ebene aus lenken, ist eine Illusion. Es geht vielmehr um die richtige Balance zwischen mehr Eigenständigkeit auf der einen und den Synergien unseres Markenverbundes auf der anderen Seite.

War for (digital) talents: Was tun Sie, um die besten Mitarbeiter für Ihr Unternehmen zu rekrutieren?

Müller: Zunächst mal erhalten wir in diesen Wochen zahlreiche Initiativ-Bewerbungen von Top-Leuten auch aus den Bereichen Digitalisierung und New Mobility. Man traut uns also zu, dass wir unsere Neuausrichtung ernst meinen. Aber wir müssen Volkswagen auch als Arbeitgeber modernisieren: Dazu führen wir neue Führungs- und Anreizsysteme ein, die partnerschaftliches Arbeiten über Hierarchien und Funktionen hinweg fördern. Zudem werden wir die Vielfalt unserer Belegschaft gezielt ausbauen. Im „War for Talent“ müssen wir internationaler werden. Wir müssen andere Kulturkreise ins Management führen. Wir müssen die weiblichen Talente und Stärken promoten und für das Unternehmen nutzen. Und wir brauchen auch mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten und neue, zeitgemäße Arbeitsmodelle. Erst vor wenigen Wochen haben wir eine Vereinbarung auf den Weg gebracht, die unseren Mitarbeitern mobiles Arbeiten erleichtert.

Welche Innovation beeindruckt Sie persönlich bis heute am meisten?

Müller: Raten Sie mal! Das Auto natürlich ...

Teil 1: Angreifer? Impulsgeber!
Teil 2: "Bei Volkswagen hat die Krise auch Türen geöffnet"
Teil 3: "Change is everywhere"

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