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Angreifer? Impulsgeber!

Matthias Müller, Vorstandschef der Volkswagen AG, über disruptive Angreifer, die Stärke deutscher Kernkompetenzen und den Mut der chinesischen Firmen.

BUDD-e: Die Volkswagen-Studie holt das Internet der Dinge an Bord des Elektro-Bullis (Bild: Niklas Hughes)

Volkswagen hat in den vergangenen Monaten viele Schlagzeilen produziert. Darunter viele negative. Doch in Wolfsburg will man nach vorn, nicht zurück schauen. Mit der „Strategie 2025“ stellt der Konzern Elektrofahrzeuge und Dienste wie Carsharing oder selbstfahrende Taxis ins Zentrum der Geschäfte. CEO Matthias Müller zeichnet sein Bild der Zukunft von Wirtschaft und Mobilität.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Wird autonomes Fahren das Leben verändern wie das Smartphone?

Matthias Müller: Inzwischen habe ich keinen Zweifel daran, dass sich diese revolutionäre Technologie etablieren wird. Das autonome Fahren wird die Lebensqualität unserer Kunden stark erhöhen. Das Smartphone bleibt dabei nicht außen vor, sondern wird ein wichtiger Teil des Fahrerlebnisses.

Wie erzeugen Sie ein Innovationsklima bei VW?

Müller: Der Volkswagen Konzern ist ein sehr innovatives Unternehmen. Aber wir sind immer noch recht traditionell aufgestellt. In der neuen Mobilitätswelt braucht es mehr Offenheit, Eigenverantwortung und Kreativität. Das fängt mit der Gestaltung der Büros an, ist aber vor allem eine Frage der Haltung. Die in einem großen Konzern zu verändern braucht Geduld. Aber es ist schon vieles in Bewegung gekommen. Wir öffnen uns für neue Partnerschaften, etwa mit dem Fahrdienstvermittler GETT. Interdisziplinäre Teams und hie­rarchiearme Strukturen gewinnen bei uns an Bedeutung. Das zeigt sich auch in unseren neuen Group Future Centern in Deutschland, Kalifornien und China, wo Designer und Digitalisierungsexperten Hand in Hand am Auto der Zukunft arbeiten.

Angreifer mit disruptiven Geschäftsmodellen verändern die Autobranche. Wie reagieren Sie?

Müller: Wir müssen diesen revolutionären Technologien mehr Bedeutung schenken als bisher. Für immer mehr Kunden wird es in Zukunft nicht mehr darum gehen, Fahrzeuge zu besitzen. Sie wollen flexible, kostengünstige, sichere und nachhaltige Mobilität. Ein Unternehmen, das „nur“ Autos herstellt, wird nicht bestehen können. Wir müssen gleichzeitig zu Software- und Serviceunternehmen werden. Die traditionellen Kernkompetenzen bleiben dabei unverzichtbar. Es gilt, das Beste beider Welten zu verbinden. Insofern: Nein, ich habe keine Angst vor den neuen „Angreifern“. Ich sehe sie vielmehr als Impulsgeber für den Wandel.

Digitalisierung und Transformation – auch der Gesellschaft: Was wird unsere größte Herausforderung für die nächsten Jahre sein? Erwarten Sie, dass auf uns soziale und politische Herausforderungen zukommen etwa in Sachen frappierend steigender Arbeitslosigkeit oder radikaler gesellschaftlicher Umbrüche?

Müller: Das Tempo, in dem sich Gesellschaft und Wirtschaft verändern, wird weiter wachsen. Was die Digitalisierung und Nutzung von Daten angeht, wird es unerlässlich sein, die richtige Balance zu finden zwischen Freiheit und Sicherheit. In der Arbeitswelt wird es zu Umwälzungen kommen, auf die Wirtschaft und Politik Antworten finden müssen. Produktivitätssteigerungen werden damit einhergehen, dass wir in bestimmten Bereichen weniger Beschäftigte benötigen. Auf der anderen Seite entstehen aber auch neue Berufsbilder und Geschäftsmodelle: darauf müssen wir die Menschen vorbereiten. Tiefgreifende Veränderungen brauchen Zeit und sie sind erklärungsbedürftig. Man muss die Menschen mitnehmen, auch um Ängsten entgegenzutreten Das erleben wir auch gerade bei Volkswagen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das gemeinsam schaffen.

Teil 1: Angreifer? Impulsgeber!
Teil 2: "Bei Volkswagen hat die Krise auch Türen geöffnet"
Teil 3: "Change is everywhere"

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