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Teil 2: "Innovationszyklen oft schneller als Ausbildungszyklen"

Martina Koederitz ist seit rund 30 Jahren bei IBM tätig

Glauben Sie, dass unsere Politiker die Herausforderungen der Zukunft richtig einschätzen und beispielsweise die richtigen Reformen auf den Weg bringen?

Koederitz: Die Herausforderungen der Digitalisierung sind mittlerweile bekannt. Ich würde mir also eine schnellere praktische Umsetzung der Erkenntnisse wünschen, damit uns die Chancen nicht davon laufen. Wir brauchen dringend den digitalen Binnenmarkt in Europa, um einen einheitlichen Markt für digitale Güter zu schaffen. Wir müssen einen sicheren Datenaustausch mit unseren außereuropäischen Nachbarn garantieren können und es muss Politik und IT-Anbietern gleichermaßen gelingen, gerade den so starken deutschen Mittelstand für digitale Geschäftsmodelle zu begeistern. Fakt ist: Innovationszyklen sind häufig schneller als unsere Ausbildungszyklen! Und so sehe ich die dringende Notwendigkeit, unser Schul- und Bildungsystem zu reformieren. Digitale Kompetenz zu vermitteln erschöpft sich nicht darin, an Laptops zu unterrichten oder alles multimedial zu gestalten. Vielmehr geht es darum, dass Schulen im Sinne ihres Kernauftrages die Schüler zu einem selbstbestimmten digitalen Leben befähigen und darauf vorbereiten, dass sich die Welt heute täglich ändert oder weiterentwickelt.

Welche Innovation gilt als größte in Ihrem Unternehmen?

Koederitz: In den letzten fünf Jahren ganz klar unsere kognitiven Lösungen rund um IBM Watson. Watson versteht Sprache, registriert Nuancen in der menschlichen Semantik, lernt den Menschen mit seinen Intentionen und Wünschen zu verstehen und handelt in einer Weise, die menschlichem Denken sehr ähnelt. Mit dem einzigen Ziel: uns fähiger, wissender und intelligenter zu machen. So unterstützt Watson beispielsweise Ärzte bei der Diagnose, indem er die Fachliteratur nach den Symptomen durchforstet und Vorschläge zur Behandlung des Patienten macht. Ein Arzt müsste 28 Stunden am Tag lesen, um die relevante Fachliteratur zu kennen, Watson schafft das in Minuten.

Was tun Sie in Ihrem Unternehmen, um das Innovationsklima zu fördern?

Koederitz: Ein Unternehmen, das sich seit 105 Jahren am Markt behauptet und 21 Jahre in Folge Patentweltmeister ist, lebt und atmet Innovation – wir investieren jährlich rund sechs Milliarden US-Dollar in unsere Forschung und Entwicklung – und in ihm herrscht auch das richtige Innovationsklima. Es begeistert unsere Mitarbeiter, weil es ihnen Freiraum gibt und sie mobil und agil arbeiten können. Die Basis dafür sind kontinuierliche Weiterbildungsmöglichkeiten, zu denen auch Corporate Social Responsibility Projekte oder bereichsübergreifende Programme zählen.

Wie reagieren Sie, wenn Innovationen stocken?

Koederitz: Innovation und Fortschritt gehen zwangsläufig mit Fehlern einher. Noch keine Erfindung hat vom ersten Tag an fehlerlos funktioniert, insbesondere in der IT. Wir lernen und verbessern unsere Lösungen permanent weiter, was auch an unserer bewussten Fehlerkultur liegt.

MEIN TIPP: Alles Neue, jeder Wandel kostet Kraft, Energie und ist nur mit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sowie der Überzeugung zu bewältigen, dass neue Chancen entstehen.

Teil 1: Die Zukunft gestalten
Teil 2: "Innovationszyklen oft schneller als Ausbildungszyklen"
Teil 3: "Kein Mut zum Träumen bedeutet keine Kraft zum Kämpfen"

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