Datentreibstoff für mehr Intelligenz

Für Markus Noga von SAP liegt der Schlüssel zum Erfolg in einem offenen Daten-Ökosystem.

Markus Noga, KI-Experte und Vice President von SAP (Foto: PR)

Markus Noga, KI-Experte und Vice President von SAP, ist überzeugt: Maschinelles Lernen generiert Wachstum und macht Prozesse effizienter. Er fordert, dass die notwendigen Daten dafür frei zugänglich sein müssen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Welches Business-Potenzial steckt in Künstlicher Intelligenz?
Markus Noga:
Bei SAP beschäftigen wir uns primär mit maschinellem Lernen – einem wichtigen Teilgebiet der KI. Maschinelles Lernen bietet die Möglichkeit, auf völlig neue Art und Weise mit unstrukturierten Daten umzugehen, mit geschriebenem und gesprochenem Wort, Videos oder Sensordaten. Diese Datenformen machen über 95 Prozent des digitalen Universums aus. Maschinelles Lernen hat das Potenzial, wichtige unternehmerische und soziale Herausforderungen zu adressieren, beispielsweise im Gesundheitssektor, im Transportwesen oder dem Bildungsbereich.

Zwei US-Forscher prognostizieren, dass Computer 50 Prozent der Jobs in den USA übernehmen können. Inwieweit kann KI die Arbeitswelt verändern und menschliche Arbeitskraft überflüssig machen?
Noga:
Aus unserer Sicht wird maschinelles Lernen keine Jobs komplett ersetzen, sondern Aspekte einzelner Tätigkeiten erleichtern, indem beispielsweise monotone, wiederkehrende Aufgaben automatisiert werden. Das bietet Arbeitnehmern die Möglichkeit, sich auf die zentralen Verantwortlichkeiten und die komplexen Herausforderungen ihrer Jobs zu konzentrieren. Maschinelles Lernen wird Arbeitnehmern bei ihren Aufgaben hilfreich zur Seite stehen und somit den Gesamtprozess produktiver und effektiver machen.

Bringt uns KI neue Jobs und mehr Wohlstand?
Noga:
Laut einer Accenture-Studie dürfen wir davon ausgehen, dass die deutsche Wirtschaft dank neuer Technologien im Jahr 2035 doppelt so schnell wächst, wie es ohne diese Entwicklungen der Fall wäre. Wenn Routinetätigkeiten durch Maschinen und Software übernommen werden, liegt der Fokus zwangsläufig auf einer höheren Wertschöpfung.

Brauchen wir bald eine Robotersteuer oder ein bedingungsloses Grundeinkommen?
Noga:
Es muss einen gesellschaftlichen Diskurs geben, wie der Staat den technischen Fortschritt begleiten kann. Hier sind vor allem Wissenschaft, Unternehmen, Juristen, Politiker und viele weitere Experten in der Pflicht, sich zu beteiligen.

KI-Katalysator

Wo kommt bei SAP KI zum Einsatz?
Noga:
Wir treiben derzeit vier Anwendungsfälle voran, unter anderem die cloudbasierte SAP Cash Application. Damit können automatisch offene Rechnungen zu eingegangenen Banküberweisungen zugeordnet werden. Ziel ist es, alle SAP-Lösungen intelligent zu machen – das gilt auch für die Anwendungen, die wir innerhalb des Unternehmens nutzen.   

KI braucht Algorithmen, Rechnerkapazitäten und riesige Datenmengen. Wie geht SAP damit um?
Noga:
Daten sind der Treibstoff für maschinelles Lernen, das moderne Anwendungen wortwörtlich intelligenter macht. Rund 76 Prozent aller globalen Geschäftstransaktionsumsätze berühren SAP-Systeme. Darüber hinaus setzen wir auf starke Partner wie Nvidia oder Google, mit denen wir maschinelles Lernen in Unternehmensanwendungen vorantreiben. Ein offenes Ökosystem ist der Schlüssel zum Erfolg. 

Brauchen wir künftig Digital-Minister in den Regierungen, die den Wandel der Wirtschaft und Gesellschaft mit Sachverstand, Sensibilität für diese Themen und deren Auswirkungen steuern?
Noga:
Für mich ist der zentrale Punkt, dass die Digitalisierung endlich ins Blickfeld der Politik gerückt ist. Alle Beteiligten sind sich den Herausforderungen, die diese in sich birgt, bewusst. Dazu gibt es in der Bundesregierung zu begrüßende Ansätze, etwa in Form der Digitalen Agenda.

Laut der Unternehmensberatung Forrester sind viele Unternehmen von KI-Anwendungen überfordert. Sie wissen schlichtweg nicht, welches Problem sie mithilfe Künstlicher Intelligenz lösen sollen. Trifft das auch auf Ihr Unternehmen zu?
Noga:
Nein, denn wir als SAP sind ein Software-Anbieter, der Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen erstellt und einsetzt, um Kunden anwendungsbereite Lösungen für betriebliche Herausforderungen zu liefern. SAP hat sich zum Ziel gesetzt, alle Produkte intelligent zu machen und maschinelles Lernen in bestehende Anwendungen zu integrieren. Darüber hinaus ermöglichen wir es unseren Kunden und Partnern, durch maschinelles Lernen zusätzliches Geschäft zu generieren – auf Basis von Szenarien, die in der Vergangenheit schlicht nicht möglich waren. Wir sehen uns daher als Katalysator für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen und möchten unseren Kunden helfen, die Digitalisierung voranzutreiben.

Angriffe in Echtzeit identifizieren

Wie qualifizieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Noga:
Wir praktizieren den Ansatz „lebenslanges Lernen“ und sorgen dafür, dass SAP-Mitarbeiter – insbesondere im Entwicklungsbereich – die Fähigkeiten haben, maschinelles Lernen in Anwendungen zu integrieren. Dafür schulen wir über Online-Kurse, interne Plattformen oder Events. 

Verfügen Sie über ausreichend qualifiziertes Personal, um intern entsprechende Prozesse und Schnittstellen abbilden zu können?
Noga:
Wir suchen natürlich immer gute Leute, profitieren aber natürlich davon, ein hochattraktiver Arbeitgeber zu sein. Maschinelles Lernen ist ein relativ junges Feld und gerade in der universitären Bildungslandschaft noch nicht flächendeckend etabliert. Hochqualifizierte Experten zu rekrutieren, ist eines unserer zentralen Ziele bei SAP. Bis zum Ende dieses Jahres werden wir unser Team deutlich vergrößern, um noch besser für die kommenden Herausforderungen aufgestellt zu sein.

Gerade den Deutschen wird nachgesagt, sie hätten große Angst vor dem Missbrauch ihrer Daten. Für KI ist jedoch eine breite Datenbasis nötig. Wie begegnen Sie der Angst vor Datenmissbrauch? Wie sichern Sie Ihr Unternehmen gegen Hacker ab?
Noga:
Wie erwähnt: Über drei Viertel aller Geschäftsumsätze weltweit durchlaufen bereits jetzt SAP-Systeme. Wir sind seit Jahrzehnten geschätzter Partner von mehr als 350.000 Unternehmen weltweit. Das gelingt nur, wenn Sicherheit und Datenschutz oberste Priorität genießen. SAP verfügt über eine umfassende Produktsicherheitsstrategie, basierend auf den drei Säulen Prevent – Detect – React. Wichtiger Bestandteil dieser Strategie ist der Secure Software Development Lifecycle (S²DL): ein umfassendes Gerüst an Prozessen, Vorgaben, Werkzeugen und Mitarbeiterschulungen. Damit ist Softwaresicherheit von Anfang an ein integraler Bestandteil. Hinzu kommt Enterprise Threat Detection (ETD): diese Sicherheits-Lösung identifiziert Angriffe in Echtzeit. ETD können auch unsere Kunden nutzen, um ihre SAP-Systeme zu schützen. Für die Einbindung von Netzwerken Dritter, zum Beispiel von Partnern, nutzen wir separate Schutzsysteme. Und nicht zuletzt haben wir eine langjährige SAP-Sicherheitskultur mit der sogenannten Human Firewall. Unsere Mitarbeiter selbst durchlaufen regelmäßige Sicherheitstrainings, um etwa Manipulationsversuchen vorzubeugen.

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