Teil 2: „grün, dezentral, digital“

Mit welchen Wegen und Strategien kann die gesamte Gesellschaft oder zumindest das Gros an den Vorteilen der Digitalisierung partizipieren?
Teyssen:
Digitalisierung bietet Chancen, kann aber auch zu einer großen Spaltung am Arbeitsmarkt führen. Durch neue Technologien wird ja nicht nur die Industrie 4.0, sondern beispielsweise auch eine modernisierte Verwaltung ermöglicht – mit großem Nutzen für die Bürger, aber auch Gefährdungen für Arbeitsplätze. Wir müssen deshalb künftig Wachstum nicht nur nachhaltig, sondern auch ganzheitlich mit Blick auf die Arbeitnehmer denken. Darauf hat Kanzlerin Merkel beim G20-Gipfel hingewiesen, und ich schließe mich diesem Gedanken an. Wir müssen vor allem weiterhin konsequent auf Qualifizierung setzen. Eine gute Aus- und stetige Weiterbildung ist nach wie vor die beste Garantie für Teilhabe an neuen, auch disruptiven Entwicklungen.

Inwieweit bringen deutsche Hochschulen in ausreichendem Maß Top-Nachwuchskräfte hervor?
Teyssen:
Die Hochschulen hierzulande sind mittlerweile sehr stark. Nehmen Sie zum Beispiel die RWTH Aachen, an der wir das E.ON Research Center – kurz ERC – unterstützen. Das ERC bringt kontinuierlich eine Menge an Innovationen und Impulsen hervor, beispielsweise in der Gebäude- oder Batterietechnik. Die deutschen Hochschulen insgesamt müssen sich im internationalen Vergleich wirklich nicht verstecken.

Welche digitale Innovation wird Ihr Unternehmen am stärksten verändern?
Teyssen:
Eine digitale Innovation allein – so fantastisch sie auch sein mag – verändert noch gar nichts. Erst wenn die Kunden sich danach „verzehren“, beginnt die Veränderung. Wir haben zum Beispiel früh erkannt, dass unsere Kunden in Energiefragen unabhängiger werden wollen. Gemeinsam mit Google haben wir daraufhin Sunroof entwickelt. Sie geben nur Ihren Straßennamen ein und bekommen umgehend eine komplette Wirtschaftlichkeitsberechnung für eine eigene solare Stromproduktion mit den Bausteinen Photovoltaik, Aura-Speicher und E.ON SolarCloud.

Welches sind die größten Widerstände gegen die Transformation in Ihrem Unternehmen?
Teyssen: Mit Ihrer Frage unterstellen Sie, dass es große Widerstände gegen diese Veränderungen gibt. Anfangs mag der eine oder andere im Unternehmen tatsächlich noch etwas skeptisch gewesen sein, ob E.ON allein in der neuen Energiewelt Fuß fassen kann. Diese Skepsis hat sich inzwischen aber aufgelöst. Wir konzentrieren uns voll auf die neue Energiewelt. Sie ist grün, dezentral und digital. Inzwischen spüre ich nicht nur keinen Widerstand, sondern wachsende Begeisterung dafür in unserer Belegschaft. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen und werden dazu beitragen, dass wir unseren Kunden die besten Lösungen anbieten.

MEIN TIPP: Veränderung ist immer zuerst eine Chance. Dabei blende ich Risiken nicht aus, sondern ich minimiere sie, indem ich die Chancen möglichst gut wahrnehme.

Wie motivieren Sie Mitarbeiter für den Wandlungsprozess?
Teyssen:
Wir laden alle Mitarbeiter ein, den Wandel mitzugestalten. Es entstehen neue Bereiche, neue Stellen und neue Möglichkeiten. Oder noch besser: Wer eine Idee für ein eigenes, neues Geschäftsmodell hat, bekommt den Freiraum, die Idee in unserem Start-up-Programm „agile“ zu entwickeln und zu verwirklichen.

Teil 1: „Wir sind nicht wehrlos“

Teil 2: „grün, dezentral, digital“

Teil 3: Gesamtperspektive

 

 

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