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Teil 3: Immobilienbewertung per App

Sie verantworten als Vorsitzender im Vorstand der Interhyp unter anderem die komplette Systementwicklung - sprich die Ressorts Strategy and Corporate Development, Data & Analytics und Information Technology. Welche Schwerpunkte setzen Sie hier, wohin soll der digitale Weg der Interhyp führen und wie fällt Ihr Zwischenfazit nach sechs Monaten Amtszeit aus?
Utecht: Wir haben ja nicht bei Null begonnen, als ich im April als CEO übernommen habe. Interhyp hat starke digitale Wurzeln und die will ich weiter stärken. Mit dem Ausbau der Zukunftswerkstatt und der Schaffung des Interhyp-Campus setzen wir noch konsequenter darauf, technologische Möglichkeiten zu analysieren, zu testen und, wo sinnvoll, für uns zu nutzen.

Eine Immobilienfinanzierung ist immer noch mit viel Papier, Administrativem und Zeitaufwand verbunden. Wird sie irgendwann so simpel wie Online-Banking?
Utecht:
Prozessual lässt sich die private Baufinanzierung sicher noch deutlich verschlanken. Daran arbeiten wir sehr intensiv für unsere Kunden. Dennoch wird sich die Baufinanzierung auch in Zukunft deutlich von der Online-Überweisung oder dem Kauf eines ETF unterscheiden. Denn für den Immobilienkauf muss nicht nur die Bonität geprüft werden, sondern zudem die Werthaltigkeit des Objekts. Dafür brauchen die Banken Daten und Informationen, und das macht es komplexer.

Die Digitalisierung hat neue Finanzierungsformen wie Crowdfunding oder -lending mit sich gebracht. Wie und wo reagieren Sie auf den Wandel der Branche?
Utecht:
Ich denke, wir sind seit unserer Gründung ein Agent of Change in der privaten Baufinanzierung. Wenn man sich überlegt, wie starr der Markt im Jahr 2000 war, sind wir doch schon ein gutes Stück weit gekommen, wenn es um Flexibilität, Preisattraktivität und vor allem Transparenz geht. Da werden wir auch in Zukunft nicht nachlassen und mögliche Innovationen vorantreiben. Das heute bekannte Crowdlending wird in unseren Augen aber nicht zu einem Schlüssel für die Zukunft in der Baufinanzierung. Spannender finde ich dagegen die Frage, wie man auch mithilfe von Technologie institutionelle Investoren auf dem Kapitalmarkt direkter mit dem Kunden verbinden kann.

Wie sieht Immobilienfinanzierung im Jahr 2030 aus?
Utecht:
Digitale Anwendungen und Plattformen werden zunehmend wichtiger. Eine Immobilie kann mittels einer App bewertet werden. Grundlage dafür werden datenbasierte Modelle sein, und die Bonität der Kunden wird man aus ihrem Kontoverhalten lesen können. Nur um ein paar Beispiele zu nennen. All das erleichtert den Prozess, macht ihn schlanker, und der Kunde nimmt eine aktivere Rolle ein. Trotzdem unterstellen wir, dass sich die Menschen auch 2030 bei dieser weitreichenden Entscheidung einen Berater an ihrer Seite wünschen.

Ihr Blick in die Zukunft - wie sieht die Immobilienfinanzierung im Jahr 2030 aus?
Utecht: Die Rolle der Banken wird sich deutlich verändern, denn sie werden sich immer mehr auf ihre Kernkompetenz, die ‚Produktion‘ von Finanzprodukten, konzentrieren – während zunehmend andere Anbieter die Kundenbeziehung steuern. Und natürlich spielen digitale Anwendungen und Plattformen eine noch wichtigere Rolle: Kunden werden selbst noch aktiver sein und mehr Transparenz über den gesamten Prozess haben wollen. 

Wie wichtig ist Ihnen agiles Arbeiten?
Utecht:
Ich halte nichts von agilem Arbeiten um seiner selbst willen. Im Mittelpunkt stehen die Kunden, für die wir die besten digitalen Produkte in der kürzestmöglichen Zeit entwickeln wollen. Und dafür sind agile Strukturen besser geeignet, bieten sie doch die Möglichkeit, schnell zu reagieren. Vor allem gehen mit der Implementierung agiler Strukturen eine Veränderung im Denken und deutlich mehr Transparenz einher, was zum Beispiel auch das Zusammenspiel von Mensch und Technik verbessert.

MEIN CREDO: Um den digitalen Wandel voranzutreiben, braucht es Durchhaltevermögen und Investitionswillen.

Wie halten Sie sich persönlich digital fit?
Utecht:
Eine sehr wichtige Informations- und Inspirationsquelle sind unsere interdisziplinären Teams im Campus wie auch unsere Zukunftswerkstatt. Und natürlich suche ich den Austausch mit anderen Unternehmern – etwa im individuellen Dialog innerhalb unserer oder anderen Industrien.

Teil 1: Rollen werden wechseln

Teil 2: Keine Wagenburgmentalität

Teil 3: Immobilienbewertung per App

 

 

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