Teil 2: Keine Wagenburgmentalität

Jörg Utecht, CEO Interhyp (Foto: PR)

Wo sehen Sie Einsatzmöglichkeiten KI-basierter Systeme und Anwendungen in Ihrem Haus?
Utecht:
Es ist noch schwer abzusehen, in welcher Breite und Geschwindigkeit sich KI-Anwendungen durchsetzen. Für uns sehe ich aus heutiger Sicht vor allem die enorme Chance, die Beratung verbessern zu können. Der Zugriff auf und die intelligente Analyse von einer Fülle bereits abgeschlossener Fälle wird die Beratung noch einmal deutlich verbessern – ohne den Spezialisten zu ersetzen. Wir tun das übrigens bereits, wenn wir aus unseren Daten herauslesen, zu welcher Bank eine bestimmte Finanzierung passen dürfte. 

Inwieweit bringen Hochschulen im deutschsprachigem Raum in ausreichendem Maß Top-Nachwuchskräfte hervor (bzw. arbeiten eng genug verknüpft mit der Wirtschaft zusammen), um die Transformation von Unternehmen vorantreiben oder über Start-ups Impulse setzen zu können?
Utecht: Auch wenn sich einiges hierzulande bewegt, ist die Ausbildung an den führenden US-Hochschulen noch immer besser. Insbesondere im IT-Bereich gelingt es vor allem den Universitäten dort, noch mehr Talente hervorzubringen. Gleichzeitig sollten wir nicht vergessen: Deutschland bildet seit Jahrzehnten exzellente Ingenieure aus und im Rahmen der Exzellenzinitiative bringen deutsche Unis unter anderem vermehrt sehr gut ausgebildete Informatiker hervor.

In den USA UND Asien werden ohne viele Einschränkungen  Benutzerdaten gesammelt und verwertet, in Europa gibt es die „Charta der digitalen Grundrechte" für Datenschutz und Privatsphäre sowie schon bald eine EU-weite, vergleichsweise strikte Gesetzgebung. Beschreiten wir mit dem europäischen Datenschutz in digitalen Zeiten einen Holz- oder den Königsweg?
Utecht: Ich finde es gut und richtig, dass wir in Europa dem gefühlt uneingeschränkten Datensammeln etwas entgegensetzen. Dabei müssen wir natürlich aufpassen, dass das nicht zu einer Wagenburgmentalität führt, die zum Holzweg wird.

Die Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz machen derzeit gewaltige Fortschritte. Experten glauben, dass KI das Zeug dazu hat, die nächste technische Revolution auszulösen und dass die nächsten zehn Jahre mehr Veränderung mit sich bringen werden als die letzten 30 Jahre. Teilen Sie die Einschätzung? Wo Sie sehen zukünftige Einsatzmöglichkeiten solcher KI-basierten Systeme und Anwendungen in Ihrem Haus? Wie weit kann beispielsweise computerbasierte Beratung mit intelligenten/lernenden Systemen gehen?
Utecht: Ich bin fest davon überzeugt, dass KI die nächste große digitale Revolution ist. Allerdings ist es noch schwer abzusehen, in welcher Breite und in welcher Geschwindigkeit sich KI-Anwendungen durchsetzen. Für uns sehe ich aus heutiger Sicht vor allem die enorme Chance, die Beratung verbessern zu können. Der Zugriff auf und die intelligente Analyse von einer Fülle bereits abgeschlossener Fälle wird die Beratung noch einmal deutlich verbessern – ohne den Spezialisten zu ersetzen. In noch bescheidenem Umfang tun wir das übrigens bereits, wenn wir aus unseren Daten herauslesen, zu welcher Bank eine bestimmte Finanzierung am besten passen dürfte. 

Inwieweit setzen Sie auf Collaboration?
Utecht:
Wir werden ja von Medien immer wieder als Ur-Fintech bezeichnet. Das heißt aber nicht, dass wir nicht von deutlich jüngeren Unternehmen lernen könnten. Genau diesen Austausch suchen zum Beispiel unsere Kollegen in der Zukunftswerkstatt. In unserem Kerngeschäft ist es aber ganz klar unser Anspruch, selbst Innovations- und Technologieführer zu sein.

Teil 1: Rollen werden wechseln

Teil 2: Keine Wagenburgmentalität

Teil 3: Immobilienbewertung per App

 

 

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