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Teil 2: "Der Kunde allein muss Herr seiner Daten sein"
Dr. Jens Baas ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (Foto: PR)

Welcher Player reitet aus Ihrer Sicht am perfektesten auf der Digitalisierungswelle?

Baas: In meinen Augen ist das Alphabet. Alphabet hat sein Geschäftsmodell ganz konsequent am Thema Daten ausgerichtet – und dies immer facettenreicher. Hier beeindruckt mich unter anderem der Wille, auch mal verrückte Dinge auszuprobieren, das Risiko des Scheiterns inklusive.

Welche Innovation gilt als die größte in Ihrem Unternehmen?

Baas: Die Antwort liegt schon in der Frage: dass wir uns eben klar als ein Unternehmen sehen und nicht das Selbstverständnis einer durch Regulierung geschützten Körperschaft öffentlichen Rechts haben. Das ist längst nicht bei jeder Krankenkasse so. Unsere Versicherten sind unsere Kunden, an deren Bedürfnissen wir uns ausrichten und die zu recht eine exzellente Dienstleistung erwarten. Die Innovation der Zukunft wird in einem völlig veränderten Umgang mit Daten bestehen. Und weil es sich bei Gesundheitsdaten um äußerst sensible Daten handelt, ist dabei zweierlei besonders wichtig: Erstens muss sich alles im Wirkungskreis des deutschen Datenschutzes abspielen, und zweitens muss der Kunde allein Herr seiner Daten sein.

Was meinen Sie damit?

Baas: Niemand, weder der Arzt, noch der Staat noch wir als Krankenkasse, sollte ohne Erlaubnis des Versicherten beziehungsweise Patienten auf seine Daten zugreifen können. Als Krankenkasse haben wir viel Erfahrung mit Daten und ihrem Schutz, und an dieser Stelle ist die Regulierung auch mal ein Vorteil. Insofern sind wir sicher ganz besonders geeignet, die Entwicklung einer elektronischen Patientenakte voranzutreiben, zu gestalten und den Kunden dann auch anzubieten.

Was tun Sie in Ihrem Unternehmen, um das Innovationsklima zu fördern?

Baas: Wir bilden uns nicht ein, ein Start-up zu sein - schon unser Unternehmenszweck und unsere Größe sprechen dagegen. Aber wir müssen anschlussfähig sein für Start-ups, und ich glaube, wir können uns in verschiedenen Bereichen durchaus Start-up-Qualitäten aneignen. Dabei setzen wir zum Beispiel auf neue Organisationsformen und dort, wo es sich anbietet, auch auf agiles Arbeiten. Denn anders als man früher dachte, braucht auch in einem großen Unternehmen mit über 13.000 Mitarbeitern und 30 Milliarden Euro Umsatz längst nicht alles langwierige Projektpläne und zeitraubende Abstimmungen. Die Erfahrungen, die wir bislang gemacht haben, bestärken uns darin, diesen Weg weiterzugehen.

Was muss sich in Ihrem Unternehmen ändern, um dem Wandel begegnen zu können? Braucht es eine neue Fehlerkultur?

Baas: In der Tat brauchen wir eine andere Einstellung zu der Möglichkeit, mit einem Vorhaben auch mal zu scheitern, es nicht zum Erfolg zu bringen. Eine Kultur des Versuchs und Irrtums führt uns weiter als die Fixierung auf mögliche Fehler - wobei der Begriff "Fehler" allein ja schon negativ konnotiert ist. Das englische Wort "mistake" enthält zumindest eine aktive Komponente. Und es ist doch zutiefst menschlich, dass jemand lieber sagt "Ich hab's probiert, aber es hat nicht geklappt" als "Ich habe einen Fehler gemacht." In der Tat ist auch das eine Kulturfrage, an der wir arbeiten.

War for (digital) talents: Was tun Sie, um die besten Mitarbeiter für Ihr Unternehmen zu rekrutieren?
Baas:

Bei aller Digitalisierung: Menschen bleiben Menschen und möchten sich auch für etwas begeistern. Niemand möchte an Dingen arbeiten, die er als sinnentleert oder gleichgültig empfindet. Daher versuchen wir, gerade auch junge Menschen, die wir für uns gewinnen möchten, ganz persönlich für die Tätigkeit bei uns zu begeistern. Wir wollen ihnen vermitteln, dass das Gesundheitswesen eine spannende und überaus dynamische Branche ist und dass die Arbeit hier wirklich sinnstiftend ist: Das Thema Gesundheit geht jeden an. Eine Krankenkasse hilft dabei, gesund zu bleiben, gesund zu werden und, wenn das nicht möglich ist, so gut wie möglich mit der Krankheit zu leben. Ich erlebe immer wieder, dass Mitarbeiter, wenn sie einmal bei uns sind, überrascht sind, wie vielfältig die Arbeit bei uns ist. Und natürlich freuen wir uns, wenn sie das auch im Freundes- und Bekanntenkreis erzählen. Das ist die beste Werbung.

Teil 1: Den Menschen mitnehmen
Teil 2: "Der Kunde allein muss Herr seiner Daten sein"
Teil 3: "Sich verändern dürfen"

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