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Teil 2: "Pioniergeist und Vollkasko-Mentalität passen nicht zusammen"
Dieter Zetsche ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Daimler AG (Foto: PR)

Brauchen wir hierzulande eine neue Fehlerkultur?

Zetsche: Das Streben nach Perfektion ist Teil unserer DNA bei Daimler. Und das ist gut so – wir können und werden keine Beta-Versionen auf die Straße bringen. Gleichzeitig ist klar: Pioniergeist und Vollkasko-Mentalität passen nicht zusammen. Auch deshalb läuft bei Daimler derzeit die Initiative „Leadership 2020“. Es geht dabei um die Entwicklung einer neuen Führungskultur. Unser Hierarchieverständnis, die Leistungsbewertung, die Fehlerkultur – alles kommt auf den Prüfstand. Die einzige Vorgabe dazu: Es gibt keine Vorgabe. Und das führt zu fantastischen Ergebnissen. Über 150 Ideen kamen zusammen. 80 Prozent davon haben sofort grünes Licht bekommen. Jetzt geht es an die Umsetzung.

Die Politik setzt den Rahmen für die Zukunft. Glauben Sie, dass unsere Politiker die Herausforderungen der Zukunft richtig einschätzen und beispielsweise die richtigen Reformen auf den Weg bringen?

Zetsche: Natürlich bin ich nicht immer einer Meinung mit unseren politischen Entscheidern – insbesondere was das Tempo und auch den Mut bei manchen Reformen betrifft. Aber wer sich in der Welt umsieht, der erkennt schnell: Deutschland steht gut da und die Politik ist sich ihrer Verantwortung für den Standort bewusst.

Welche Innovation gilt als größte in Ihrem Unternehmen?

Zetsche: Keine Frage: Das Automobil. Die Idee von Carl Benz und Gottlieb Daimler – eine Kutsche ohne Pferd – hat die ganze Welt verändert. Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck daran, dass „Kutschen“ ohne Emissionen und bei Bedarf auch ohne Kutscher einen ähnlichen Siegeszug antreten.

Erwarten Sie im Zuge der Digitalisierung und Transformation auch gesellschaftliche Umbrüche?

Zetsche: Ein Blick in die Geschichte zeigt: Technologische Umbrüche haben vieles verändert, aber in Summe nicht zum Schlechteren. Das war schon bei der Erfindung der Dampfmaschine so und wird auch bei der digitalen Revolution so sein. Die größte Herausforderung ist die Angst vor Veränderung.

MEIN TIPP: Wer aufhört, sich zu verändern, sollte anfangen, sich Sorgen zu machen.

Teil 1: Niemals stehen bleiben
Teil 2: "Pioniergeist und Vollkasko-Mentalität passen nicht zusammen"
Teil 3: "Den Status Quo kontinuierlich hinterfragen"

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