Teil 4: „Der Herzschlag unseres Unternehmens”

Im August hat Intel das israelische Unternehmen für Fahrassistenzsysteme Mobileye übernommen. Wie stehen Sie zu Akquisitionen von Start-ups?
Lamprechter:
Intel ist seit über 35 Jahren in der Automobilbranche tätig. Neu ist, dass sich die ganze PC-Plattform zu einer Multimediaplattform entwickelt hat. Die Disruption zum autonomen Fahren rückt näher. Das stellt noch einmal ganz spezielle Anforderungen an Hersteller und Zulieferer. Wir haben 2012 den Standort Karlsruhe eröffnet, an dem wir uns über Infotainment, Software-Defined-Cockpit und autonomes Fahren Gedanken machen. Dann haben wir in Gesprächen mit BMW und Mobileye festgestellt, dass das autonome Fahren niemand im Alleingang schaffen kann. Das geht nur, wenn Partner mit unterschiedlichen Kenntnisständen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen. BMW ist stark im Bereich Automobilfertigung, -design und -vermarktung. Mobileye punktet im Bereich sensorischer Systeme für Fahrzeuge. Intel im Bereich Computerrechenleistung, drahtlose Verbindung, und Rechenzentrumsleistung.

Dazu kommt, dass eine Plattform für das autonome Fahrzeug offen für die Industrie sein muss. BMW will basierend auf dieser Technologie bis 2021 ein Serienfahrzeug auf den Markt bringen. In den letzten Monaten haben wir Delphi, Continental, Magna und FIAT Chrysler dazu geholt. Das ist bestimmt noch nicht das Ende, aber es werden auch nicht mehr allzu viele Unternehmen dazu kommen. In diesem Kontext sehen wir drei Cs: Car – Connectivity – Cloud. Wir wollen die besten Plattformen im Bereich des autonomen Autos etablieren. Dabei ist nicht nur die Mobileye Technologie wichtig, sondern auch unsere gesamte Central-Processing-Unit-Landschaft vom absoluten High End bis zum Low End.

MEIN TIPP: Kein Unternehmen kann das autonome Fahrzeug allein entwickeln. Dafür braucht es Kooperationen mit Partnern aus unterschiedlichen Branchen.

Bisher hat sich „Moore’s Law“ – die Annahme, dass sich die Leistungsfähigkeit von Computern alle zwei Jahre verdoppelt – immer bewahrheitet. Ist irgendwann Schluss mit dem Wachstum der Rechenleistung?
Lamprechter:
Dass wir uns irgendwann Gedanken über eine neue Struktur des Computers machen müssen, ist unbenommen. Das Moore’sche Gesetz hat aber genügend Potenzial für die nächsten zwei, drei Chip-Generationen. Auch wenn es zunehmend härter wird, bleibt die Verdoppelung der Rechenleistung der Herzschlag unseres Unternehmens. Das Spannende daran ist, dass wir jedes Mal Antworten auf Fragen brauchen, die zuvor noch nie ein Mensch gestellt hat. Bislang haben wir das immer wieder geschafft.

Neben KI gelten Quantencomputer als das nächste „große Ding“ in der IT. Auch Intel forscht daran. Wie weit sind die Entwicklungen auf diesem Gebiet vorangeschritten?
Lamprechter:
An sich ist der Quantencomputer nichts Neues. Wir haben eine Kooperation mit einer Forschungseinrichtung in Delft in den Niederlanden im Bereich der Grundlagenforschung. Quantencomputer stecken noch sehr stark in den Kinderschuhen. Aber sie sind eine von vielen Möglichkeiten, die unter Umständen in der Lage sind, die nächste Generation von Computern zu ermöglichen.

Welches digitale Start-up hat Sie zuletzt am stärksten beeindruckt und warum?
Lamprechter:
Ein Unternehmen namens Kinexon mit Sitz in München. Kinexon entwickelt High-Precision-Positioning-Technologie. Mich beeindruckt die Technologie, die Vision und die Idee dahinter. Zum Beispiel können Drohnen damit bestückt werden, die dann in einem Lager autonom fliegen, navigieren und in Echtzeit reagieren. Insgesamt sehe ich in der deutschen Start-up-Kultur unfassbar viel Potenzial.

Teil 1: Die Welt retten

Teil 2: Die Ökonomie der Cloud

Teil 3: Augmented Reality kommt definitiv

Teil 4: „Der Herzschlag unseres Unternehmens”

 

 

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