Hamburg, 28.06.2017

Teil 2: „Zero Accident“

Inwieweit bringen deutsche Hochschulen in ausreichendem Maß Top-Nachwuchskräfte hervor, die eine Transformation von Unternehmen vorantreiben oder über Start-ups digitale Impulse setzen können?
Krinninger: Die technische und fachliche Ausbildung ist in Deutschland sehr fundiert, aber bei Management- und Transformationsfähigkeiten gibt es im internationalen Vergleich noch Luft nach oben. Im Gespräch mit Start-ups bin ich häufig verblüfft, mit welchem Tempo dort kreative Ideen entstehen. Die besten davon übernehmen wir durch Kooperationen oder Akquisitionen in unser Unternehmen – davon profitieren beide Seiten.

Welche digitale Innovation wird Ihr Unternehmen am stärksten verändern?
Krinninger: Digital vernetzte Fahrzeuge werden unsere Branche noch einmal radikal verändern. Unternehmen werden genau wissen wollen, welche Aufgaben anstehen, welches Gerät sich gerade mit welcher Ladung und welchem Akkustand wo befindet. Software wird die Flotte so steuern, dass alle Aufträge in optimaler Reihenfolge mit idealer Geschwindigkeit, höchster Effizienz und maximaler Sicherheit ausgeführt werden.

Welches sind die größten Widerstände gegen die Transformation in Ihrem Unternehmen?
Krinninger: Hier ist unsere größte Stärke auch unsere größte Herausforderung. Linde Material Handling hat ein gewachsenes Netzwerk bestehend aus vielen Ländergesellschaften und Händlern. Dadurch sind wir überall in der Nähe unserer Kunden. Aber Veränderung kann bei uns nicht einfach von oben vorgegeben werden, sondern wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten. Das gelingt zum Glück sehr gut – nicht zuletzt, weil wir aus dem Netzwerk viele Impulse zu neuen Kundenbedürfnissen bekommen.

Wie begegnet Ihr Unternehmen zweifelnden Mitarbeitern, um diese für die Digitalisierung zu befähigen und zu motivieren?
Krinninger: Veränderung gelingt nur, wenn man seine Mitarbeiter und ihre Sorgen ernst nimmt. Das heißt zuhören, Perspektiven aufzeigen, Unterstützung und Weiterbildung anbieten sowie strategische Entscheidungen ausführlich erklären. Unsere Führungsmannschaft investiert daher viel Zeit in die Kommunikation. Bei Bedarf stehe ich jedem Mitarbeiter auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Welchen digitalen Fußabdruck möchten Sie setzen – welches Digitalprojekt schieben Sie persönlich an?
Krinninger: Meine Mission heißt: Zero Accident – selbst bei menschlichen Fehlern. Unsere Fahrzeuge sind heute schon die sichersten in der Branche. Aber jeder Unfall ist einer zu viel. Wir arbeiten kontinuierlich an digitalen Assistenzsystemen, die Unfälle in Zukunft fast unmöglich machen. Ich hoffe sehr, dass uns dieser Durchbruch gelingt.

Wie wichtig sind Wahrnehmung und Bedeutung Ihres Hauses und Ihrer Person in sozialen Netzwerken?
Krinninger: Als ich vor ein paar Tagen bei Youtube nach unseren Produkten gesucht habe, war ich überrascht, mit welcher Leidenschaft Linde-Videos dort kommentiert werden. Bisher haben wir dieses Potential noch nicht ausreichend genutzt. Hier werden wir uns in den kommenden Monaten deutlich weiterentwickeln.

Teil 1: Wieder neu denken

Teil 2: „Zero Accident“

Teil 3: „Was zählt, ist die Wirklichkeit“

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