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Teil 3: „Vielleicht auch selbst kannibalisieren”

Was sind die größten Triebfedern der Transformation in Ihrem Unternehmen?
Busemann:
Kundenbindung und Ausrichtung des Angebots an den Kundenanforderungen ist oberste Maxime unseres Geschäftsmodells. Bahnstrecken zu bauen, zu betreiben und zu warten erfordert sehr hohe Investitionsbudgets. Unsere Kunden haben das Bedürfnis, aus der bestehenden Infrastruktur einen wesentlich höheren Nutzen zu ziehen als bisher. Dies ist folgerichtig auch die Triebfeder für die anstehenden Entwicklungen bei Vossloh. Der Schlüssel dazu: Den Zustand der Gleise digital zu überwachen, die erhobenen Daten intelligent zu analysieren und Instandhaltung sowie Instandsetzung präzise zu managen.

Wie sieht ein solches Management konkret aus?
Busemann:
Die bisherige zyklische Instandhaltung muss verstärkt einer zustandsorientierten weichen. Dafür muss zunächst der Zustand der einzelnen Gleiskomponenten erfasst und ausgewertet werden. Darauf aufbauend kann dann gezielt präventiv und korrektiv gewartet und instand gehalten werden. Diese Prozesse erfordern Technologien wie innovative Sensorik und intelligente und vernetzte Analyse mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. Dazu kommen digitale Übertragungs- und Datenplattformtechnik. Dies wird das Gesicht der Bahninfrastruktur – und damit auch von Vossloh – in den nächsten Jahren maßgeblich verändern. 

Welchen digitalen Fußabdruck möchten Sie setzen? Welches Digitalprojekt schieben Sie persönlich an?
Busemann: Für Vossloh und damit für mich persönlich steht angesichts des greifbaren Kundennutzens die präventive Instandhaltung ganz vorne auf der Agenda. Wir wollen weg von der „guten alten Eisenbahn“ und hin zu den Möglichkeiten, die eine sogenannte „smarte Fahrbahn“ für unsere Kunden bietet: schnell, flexibel, zuverlässig und vorausschauend. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Digitalisierung von Weichensystemen sowie weiteren Produkten und Services. Für beide Bereiche hat Vossloh eine sehr gute Basis, die auch globalen Anforderungen standhält. Für den Erfolg der digitalen Transformationen wird aber entscheidend sein, dass wir uns nicht auf unserer Stärke und auf der führenden Position, die wir haben, ausruhen. Vielmehr werden wir es wagen, uns mit Neuem, Innovativem vielleicht auch selbst zu kannibalisieren. Wir werden uns mit digitaler Expertise vernetzen, und wir werden auf diese Art und Weise die Stärke, die wir bisher als mechanischer Produzent und Entwickler hatten, mit neuen, digitalen Stärken kombinieren. Es ist enorm wichtig, unternehmensinterne Prozesse und Strukturen zeitnah zu modernisieren. Wir haben bereits begonnen, uns mit dem Nutzen möglicher neuer Anwendungen, Lieferketten und Prozesse in allen unseren Produktbereichen, also auch bei den Befestigungssystemen und Schwellen, auseinanderzusetzen. Der Startpunkt, die Analyse und das Halten eines hohen Tempos sowie die Bereitschaft, auch komplett Neues zu implementieren, das ist das Entscheidende.

Welches Start-up hat Sie zuletzt beeindruckt und warum?
Busemann:
Das Start-up Inspirient. Es bietet eine Datenbank, die dem Nutzer ermöglicht, Daten automatisch zu erheben, in wenigen Minuten umfangreiche Analysen durchzuführen und die Ergebnisse in kürzester Zeit anschaulich abzubilden. Durch die automatisierte Datenanalyse können Unternehmen immens Zeit sparen, die sie ansonsten aufwenden müssten, um potenzielle interne und externe Gefahrenquellen zu identifizieren. 

Teil 1: Vorausschauen

Teil 2: Einstellungen überdenken

Teil 3: „Vielleicht auch selbst kannibalisieren”

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