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Auf großer Mission

Alex Vieux, Urgestein des US-Verlags Red Herring verrät, wie sein Online-Wirtschaftsmagazin die besten Start-ups entdeckt.


Alex Vieux, Aufsichtsratsvorsitzender von Red Herring Inc. (Foto: PR)

Als eine der ersten, hatte die Redaktion das heute renommierte Sicherheitssoftware-Unternehmen Checkpoint auf dem Radar. Bereits 2002 berichtete sie über den Cloudspezialisten Salesforce, schon 2003 über Alibaba. Das US-Wirtschaftsmagazin „Red Herring“ hat in Sachen Start-ups oft den richtigen Riecher bewiesen. Bekannt ist das Medium auch für die „Red Herring Top 100“, ein Ranking, bei dem jedes Jahr die vielversprechendsten Start-ups prämiert werden. Aufsichtsratsvorsitzender Alex Vieux sucht nach Newcomern mit Disruptionspotenzial.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was zeichnet ein gutes Start-up aus?
Alex Vieux:
Erstens: Disruptionspotenzial. Zweitens: Proof of Concept und Marktdurchdringung. Drittens: Der Unternehmer selbst. Bei diesem Punkt gibt es etwas, das wir wahrnehmen, aber nicht beschreiben können. Etwas in der Stimme und den Augen der Menschen, eine gewisse Leidenschaft. Etwas in ihrem Verhalten und ihrer Hartnäckigkeit. In ihrem Potenzial Dinge zu tun, die andere nicht können. Solche Kandidaten suchen wir.

Was sind die aktuellen Trends auf dem Start-up-Markt?
Vieux:
Gestern waren die kommenden Stars Technologie-Unternehmen. Die Stars von Morgen werden keine reinen Techfirmen mehr sein. Egal ob Bauwesen, Landwirtschaft oder Lebensmittelindustrie – 30 Prozent der Gelder, die Wagniskapitalgeber heute investieren, fließen in Sektoren, die sie vor vier, fünf Jahren nicht angefasst hätten. Die fundamentalen Herausforderungen, vor der alle Unternehmen in den letzten Jahren standen, waren folgende: Datensicherheit, Datennutzung, Kundenverständnis, Produktivitätssteigerung – all diese Dinge sind nicht auf bestimmte Branchen beschränkt. Aber jede Branche löst sie auf unterschiedliche Weise. Und dann gibt es die verschiedensten Verknüpfungsmöglichkeiten dieser Aspekte. Daher sehen wir heute Unternehmen, welche die Welt radikal verändern. Zum Beispiel gibt es Bauunternehmen, die auf eine Weise bauen, wie nie zuvor jemand gebaut hat. Früher setzte man einen Ziegel auf den nächsten, bis man ein Gebäude zusammen hatte. Weil ein Ziegelstein dumm ist, war auch eine Mauer dumm. Nun ändert sich das, denn wir haben das Internet der Dinge. Hatte man früher irgendwo in der Wand ein Wasserleck, musste man sie einreißen, denn man wusste nicht, an welcher Stelle das Problem lag. Mit dem Internet der Dinge weiß man ganz genau, wo das Leck ist. Dieses Vernetzungsprinzip gilt auch für alle anderen Branchen. Airbnb ist ein gutes Beispiel wie man durch Vernetzung eine ganze Branche revolutioniert. Dies gibt uns die Möglichkeit ein anderes, völlig verändertes Leben zu leben. Bisher hatte Technologie einen Einfluss auf Kunden, Gewinne, Kundenverständnis – man war produktiver und wettbewerbsfähiger. Es gab aber wenig soziale Auswirkungen. Heute sehen wir Unternehmen, die auch große soziale Umwälzungen verursachen und die Kunden selbst verändern. An diesem Punkt wird Technologie zu einem gesellschaftlichen Faktor.

Sehen Sie Gefahren?
Vieux: Eine Sache haben wir in den letzten 35 Jahren in der Tech-Branche gelernt: Jedes Mal, wenn es Fortschritte gab, meldeten Kritiker Bedenken an. Aber fragen Sie einmal die Frau, die in den Wehen liegt. Dank dem Mobiltelefon kann sie heute schneller im Krankenhaus sein als früher. Für alle Probleme, die Technologie in den letzten Jahren gelöst hat, sehen wir heute eine Mehrheit von Befürwortern. Ebay etwa startete vor weniger als 20 Jahren. Die Leute waren damals aufgebracht und hatten Angst, dass man dort Waffen oder andere verbotene Dinge handeln könnte. Heute wissen wir: Ebay hat jeder Privatperson die Möglichkeit verschafft, Dinge übers Internet zu verkaufen. Technologie schafft Zugang. Zugang kann negativ oder positiv sein, aber in neunzig Prozent der Fälle ist er positiv.

Teil 1: Auf großer Mission

Teil 2: „Die Welt da draußen ist eine andere”

Teil 3: „Wenn sich die Menschen nicht verändern, wird es die Welt für sie tun”

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