Vertrauen ist die härteste Währung

Teil 4: Change und Risiko Management 

Gab es Transformationswiderstände im Haus?

Freytag: Für uns war immer klar, dass wir unsere wirtschaftliche Stärke nutzen, um in die Zukunft zu investieren und nicht erst agieren, wenn es irgendwann zu spät ist. Wir sind in der erfreulichen Situation, dass wir alle unsere Investitionen – und das sind jährlich zweistellige Millionenbeträge allein für die IT – ausschließlich aus dem Cash-Flow generieren. Ich bin sicher, dass auch unsere Kunden gern Partner eines erfolgreichen und stabilen Unternehmens sind. Risikomanagement sollte man selbst gut beherrschen, um es anderen erfolgreich anbieten zu können. Entsprechend steht Change-Management bei uns auf der Tagesordnung. Und das Ergebnis unserer letzten anonymen Mitarbeiterbefragung war hervorragend: Unseren Mitarbeitern ist die Anstrengung, die mit der Transformation einhergeht, bewusst, doch der Wandel sichert die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze. Natürlich muss der Einsatz von KI-Systemen kommuniziert werden. Wir haben klar gemacht, dass es nicht um die Reduktion von Arbeitsplätzen geht, sondern um die Weiterentwicklung unserer Leistungen. Sonst wäre der Nutzen, den wir heute erzielen, auch gar nicht zu heben gewesen. Deutlich wird dies an einem Satz, der mir aus einem Gespräch mit Mitarbeitern im Kopf geblieben ist, die mit dem neuen „Kollegen KI“ arbeiten: „Ja, damit bin ich zufriedener als vorher, das hätte ich so gut nicht hinbekommen – aber ohne mich hätte es die Maschine auch nicht so gut hinbekommen“. Es macht Freude, diese Dynamik zu erleben, bei der unsere Leute mitmachen und mitgenommen werden. Kunden wissen, dass sie bei uns Top-Qualität erhalten. Es geht insbesondere auch um Prozesse, gemeinsam Lösungen zu finden und hierfür die richtigen Experten zusammenzubringen.

Stichwort Experten: Wie begegnen Sie dem War for Talents?

Freytag: Wir investieren viel in die Attraktivität als Arbeitgeber und rekrutieren weltweit. Inzwischen sind 40 Nationalitäten in unserem Unternehmen vertreten. Sehr gut ausgebildete IT-Kräfte gibt es nicht nur auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Durch unsere enge Verzahnung mit der Wirtschaft und unsere vielfältigen Aufgabenfelder sind wir ein interessanter Arbeitgeber. Mit unseren neuen Technologien sind wir auch auf internationalen Veranstaltungen vertreten. Auch tauschen wir uns im Silicon Valley regelmäßig mit der Start-up- und FinTech-Szene aus. In Deutschland sind wir im High-Tech Gründerfonds 3 investiert. Wir geben jedoch nicht nur Geld, sondern sind im Vergabe-Board aktiv, um möglichst viele Start-ups und FinTechs in der Entstehungsphase kennenzulernen. Wir schauen, welche Entwicklungen sich abzeichnen und ob es Möglichkeiten zur Kooperation oder Investition gibt. Wir müssen ja nicht jede Komponente selbst entwickeln, um zur besten Lösung zu kommen.

Teil 1: Vollautomatisierung bei Kreditanfragen

Teil 2: Lösungen zur Identitätsprüfung

Teil 3: Kooperation von Mensch und Maschine

Teil 4: Change und Risiko Management

Teil 5: Das Image der Schufa

 

 

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