„Keine Kompromisse“

Michael Bolle bringt bei Bosch Theorie und Praxis zusammen. Ziel: das Leben der Menschen sicherer und komfortabler machen. Der Forschungs-Chef über Wege zu und Zeiten für Innovationen. Für uns wirft er zudem einen Blick in die Zukunft der Mobilität.

Am Bosch-Campus Renningen arbeiten 1.700 Mitarbeiter an Zukunftsthemen
Angewandte Industrieforschung:
Am Campus Renningen befassen sich 1.700 Bosch-Mitarbeiter mit Zukunftsthemen (Foto: PR)

Technik fürs Leben. Michael Bolle hat eine Mission: Diesen Unternehmensanspruch mit der nötigen Geschwindigkeit zu vereinen, um einen Vorsprung im Technologierennen einzufahren. Der Forschungs-Chef von Bosch verrät, wie das gelingen soll, welche Rolle die Vernetzung dabei spielt, wann das automatisiert fahrende Auto kommen, wie lange der Diesel bleiben und welche Rolle Künstliche Intelligenz (KI) in Zukunft spielen wird.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Wie sehen Sie Bosch im Rennen um das autonome Fahren positioniert?

Bolle: Unsere Ausgangsposition im Wettbewerb ist extrem gut. Wir verfügen in diesem Bereich über ein umfangreiches Sensorportfolio – vom Ultraschall über Radar bis hin zu Videokameras. Hinzu kommt unsere große Erfahrung im Automotive-Bereich mit dem dazugehörigen Portfolio an Bremsregelsystemen, elektrischen Servolenkungen, Anzeige- und Bedieninstrumenten, um nur einige Beispiele zu nennen. Das Gesamtwissen und Systemverständnis ist Voraussetzung dafür, automatisiertes Fahren überhaupt möglich machen zu können. Ich gehe davon aus, dass wir spätestens zu Beginn der nächsten Dekade die ersten hochautomatisierten Serienfahrzeuge mit Bosch-Technik auf der Straße sehen werden. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist unser Staupilot, der 2019 serienreif sein soll.

Wie gehen Sie den Wettbewerb an?

Bolle: Die Bosch-Unfallforschung zeigt, dass – Stand heute – die meisten Unfälle auf den Fahrer zurückgehen. Unser erklärtes Ziel ist es, den Straßenverkehr sicherer zu machen. Damit wir dieses Ziel erreichen, wollen wir eine führende Rolle im Bereich des automatisierten Fahrens spielen.

Auf dem Weg zur Unfallfreiheit sind allerdings noch einige Herausforderungen zu bewältigen.

Bolle: Ja, grundsätzlich gilt für uns: Erst wenn ein System komplett durchgeprüft und freigegeben ist, darf es auf der Straße zum Einsatz kommen. Daher haben wir sogenannte Corner-Cases oder Ecksituationen entwickelt, die selten vorkommende, aber kritische Szenarien aufzeigen, die ein System zusätzlich zu den Standardsituationen beherrschen muss und anhand deren wir unsere Lösungen auslegen.

Geht es in diesem Wettlauf am Ende nicht auch um Schnelligkeit?

Bolle: Klar, dem stellen wir uns auch. Aber noch wichtiger ist die Sicherheit unserer Lösungen. Wir werden selbst unter Zeitdruck keine Kompromisse eingehen, sondern gute und technisch ausgereifte Lösungen auf den Markt bringen. MEINE THESE: Künstliche Intelligenz ist für uns eine Schlüsseltechnologie der Zukunft. Wir arbeiten an der Robustheit und Erklärbarkeit von KI.

Teil 1: „Keine Kompromisse”

Teil 2: „Strahlkraft über Deutschland hinaus”

 

 

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