Nah ist mehr als virtuell

Universalbanken setzen auf digitale Standardisierung, Spezialbanken auf individuellen Service

Mit rund 80 Beratern an 15 Standorten verwaltet die Privatbank Merck Finck ein Vermögen von zehn Milliarden Euro

Warum setzen dann so viele Ihrer Konkurrenten auf die Industrialisierung der Beratung?

Schellenberg: Lange galt in der Finanzbranche der Spruch von der „biggest gun“. Wer also die „größte Kanone“ hatte, beziehungsweise die größte Maschinerie auffahren konnte, der hatte einen Wettbewerbsvorteil. Für die Universalbanken war also gerade ihre Größe auch ihr Vorteil. Nun passiert das Gegenteil: Die Größe ist ihre größte Herausforderung. Dem Kostendruck können sie fast nur mit Standardisierung begegnen. Wir sehen jedoch bei den Kunden einen ganz klaren Trend zur Individualisierung, also einen entgegengesetzten Bedarf. Mir wird die Diskussion um Digitalisierung auch viel zu einseitig geführt: Natürlich ist es wichtig, kosteneffizient zu arbeiten. Das ist eine wichtige Arbeitsgrundlage, aber noch lange kein Plan für die Zukunft. Es werden ganz neue Möglichkeiten und Modelle der Zusammenarbeit und Kundenbetreuung möglich. Ich sehe das als eine ganz große Chance.

Wie übersetzen Sie das für sich?

Schellenberg: Das oft bemühte Bild vom Super­tanker und dem Schnellboot – jetzt stimmt es. Wir sind das Schnellboot, der Spezialanbieter mit dem individuellen Service. Die Digitalisierung ermöglicht es uns, persönlich und flexibel zu bleiben und dabei profitabel zu sein. Hier besteht auch eine Verbindung zu den Kosten: in einer digitalisierten Umgebung ist es möglich, kostengünstiger zu produzieren. Auch für ein Haus überschaubarer Größe ist es also künftig darstellbar, ein breites Leistungsangebot vorzuhalten und es auf die individuellen Anforderungen seiner Kunden zuzuschneiden.

Wie sehen Sie die Zukunft der Privatbanken in Zeiten digitaler Disruption?

Schellenberg: Das Modell Privatbank ist in meinen Augen aktueller denn je. Und die Digitalisierung macht das in einem ganz neuen Umgang möglich. Sie bietet nämlich den kleineren Häusern eine historische Chance und verändert gerade die Kräfteverhältnisse im Markt. Wir erleben gerade eine sehr spannende Zeit und ich sehe ja fast täglich, an welchen Lösungen meine Kollegen hinter den Kulissen arbeiten. Und da nehme ich zum Beispiel wahr, dass uns die digitale Disruption auch an ganz andere Handlungsgeschwindigkeiten heranführt. Auch in der Art und Weise, Projekte durchzuführen. Ich sehe jedenfalls die Chancen, die sich uns eröffnen, und freue mich auf das, was kommt.

Teil 1: Digitales Banking schafft Freiraum für mehr Beratung

Teil 2: Universalbanken setzen auf digitale Standardisierung, Spezialbanken auf individuellen Service

 

 

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