Disruption tut weh

Gegen den „Common Sense”

Agiles Arbeiten bedeutet anfänglich immensen Stress für eine  Organisation. Der Prozess kostet Geduld und Überzeugungskraft, sagt Haufe Group-CEO Markus Reithwiesner.

Markus Reithwiesner ist als Geschäftsführer der Haufe Group zuständig für die Themen Strategie, Business Development und die strategische Ausrichtung der gruppenweiten Technologie und Architektur
Markus Reithwiesner
ist als Geschäftsführer der Haufe Group zuständig für die Themen Strategie, Business Development und die strategische Ausrichtung der gruppenweiten Technologie und Architektur (Foto: PR)

Weg vom Silodenken und hin zu flexiblen Teams. So arbeitet das digitale Medienunternehmen Haufe Group seit Jahren. Nur auf diesem Weg können in der digitalen Transformation die Anforderungen des Marktes erfüllt werden, sagt Geschäftsführer Markus Reithwiesner. Wichtig im Prozess: Erfolge müssen als gemeinsame Leistungen angesehen und gefeiert werden, ist er überzeugt.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Laut dem „Tech Trends Report 2018“ des US-amerikanischen Future Today Institutes ist China das Land, dass die digitale Transformation der Wirtschaft derzeit besonders vorantreibt. Ein Vorbild? Wenn ja, in welcher Hinsicht? Welche anderen Länder betrachten Sie als Vorreiter in Sachen Transformation und wo steht Deutschland im Vergleich?

Markus Reithwiesner: Ich erlebe auf Geschäftsreisen in China ganz persönlich, wie führend dieses Land in der Anwendung neuer Technologien ist und wie bereitwillig die Menschen mit ihnen umgehen und diese entdecken. Die USA sind das Power-Haus im Erfinden, China im Adaptieren und Nutzen und Europa – und damit Deutschland – im Verhindern. Es geht dabei nicht darum, leichtfertig mit möglichen negativen Auswirkungen neuer Technologien umzugehen. Allerdings ist die europäische Industriepolitik – und in Teilen auch die öffentliche Wahrnehmung – mittlerweile sehr limitierend und begrenzend. So sehr, dass kaum mehr ein kreativer, entdeckerischer und spielerischer Umgang mit neuen technologischen Möglichkeiten stattfindet. Dadurch können wir im internationalen Vergleich kompetitiv nicht mehr mithalten. In Zeiten disruptiver Entwicklungen halte ich es aber für unumgänglich, erst die noch gar nicht absehbaren Möglichkeiten zu entdecken und sich dann mit negativen Konsequenzen auseinanderzusetzen. Ja, jede Innovation birgt Risiken, disruptive Innovationen sogar unvorhersehbare, aber wir müssen diese Risiken eingehen, um weiter innovativ bleiben zu können.

Um im Rennen um die Zukunft zu bleiben, sind Innovationen überlebensnotwendig. Kann man diese „per System“ kreieren? Wie fördern Sie Innovationsgeist? Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Start-ups und anderen äußeren Impulsgebern?

Reithwiesner: Unternehmen – und auf einer größeren Skala Gesellschaften – müssen eine Kultur fördern, in der es möglich ist, Dinge auch gegen den „Common Sense“ und gegen das eigene Geschäft zu entwickeln. Dazu gehören für uns in der Haufe Group sowohl Investitionen in Start-ups als auch interne Start-ups mit eigenständigen Geschäftsführungen. Diese dürfen und sollen anders sein als der Rest der Organisation. Weil wir an die Potenziale unserer Mitarbeiter glauben, geben wir ihnen die Möglichkeit, Ideen zu generieren und diese eigenverantwortlich umzusetzen. Sowohl die Start-ups als auch die Arbeit an internen Ideen werden aus separaten Töpfen finanziert und die beteiligten Mitarbeiter dürfen in Freiräumen arbeiten, welche die Stammgeschäfte in dieser Form nicht haben können. Gleichzeitig muss das Stammgeschäft diese Ideen finanzieren, ohne über sie bestimmen zu können. Diese Diskrepanz ist schwierig, müssen wir als Unternehmen aber aushalten.

Teil 1: Gegen den „Common Sense“

Teil 2: Digitalen Umbau konsequent und wertschätzend gestalten

Teil 3: Agil arbeiten: Chefs werden zum Coach und Enabler

 

 

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