Disruption tut weh

Digitalen Umbau konsequent und wertschätzend gestalten

Die Haufe Group beschäftigte 2017 rund 1900 Mitarbeiter an 19 Standorten in sechs Ländern weltweit. Der Umsatz belief sich auf 343 Millionen Euro.

Mit welchen Herausforderungen wurden Ihr Unternehmen
und Sie persönlich im Zuge der digitalen
Transformation konfrontiert? Wie sind Sie damit
umgegangen?

Reithwiesner: Disruptive Innovationen tun per Definition weh, denn wenn einer gewinnt, verliert in der Regel auch jemand. Und das ist fast immer das bisherige Stammgeschäft. Das bedeutet immensen
Stress für die Organisation. Neue Jobs entstehen, bisherige Jobs fallen weg. Diesen Umbau konsequent,
aber auch wertschätzend zu gestalten ist eine große Herausforderung. Besonders, da die digitale Transformation gerade erst angefangen hat und die Auswirkungen noch kaum zu spüren sind. Persönlich bedeutet das für mich, den Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen, aber auch zunehmend loszulassen. Ich gebe den Kollegen, die auf dem richtigen Weg sind, den notwendigen Freiraum, lasse sie machen und stelle
ihnen auf ihrem Weg die notwendige Befähigung und Förderung zur Seite.

Stichwort Mensch-Maschine-Interaktion: Wie beeinflussen Künstliche Intelligenz und Robotik Ihr Unternehmen und den Arbeitsalltag Ihrer Mitarbeiter?

Reithwiesner: Ich bin überzeugt, dass wir erst am Anfang dieser Entwicklung stehen. Wir in der Haufe Group haben erste Produkte beim Kunden, bei denen die Automation jetzt bis zu 80 Prozent von bisher manuellen Vorgängen automatisiert und selbstständig erarbeitet. Heute sind die Auswirkungen noch minimal, für die nächsten fünf bis zehn Jahre sehe ich aber massive Auswirkungen auf unsere Arbeitswelt zukommen. Das gilt nicht nur für uns in der Haufe Group und für andere Unternehmen, sondern auch für unsere Gesellschaft. Wir müssen uns Fragen nach einer Neudefinition von Arbeit und Arbeitszeitmodellen ebenso widmen wie der Thematik des gesellschaftlichen Ausgleiches, etwa des Grundeinkommens. Die Antworten kenne ich nicht. Die Diskussion muss jetzt aber offen und schnell geführt werden, denn die Änderungen werden in der Gesellschaft schneller und wuchtiger ankommen, als wir uns das vorstellen können. Ohne gesellschaftliche Perspektive sehe ich zunehmend Probleme für den sozialen Frieden und den Wertekonsens in unserer Gemeinschaft.

Teil 1: Gegen den „Common Sense“

Teil 2: Digitalen Umbau konsequent und wertschätzend gestalten

Teil 3: Agil arbeiten: Chefs werden zum Coach und Enabler

 

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