Der Disruptor

Digitale Transformation im Stahlhandel

Angst vor Veränderung? Die kennt Gisbert Rühl nicht. Der CEO von Klöckner & Co treibt die Digitalisierung seiner Branche entschlossen voran.

Gisbert Rühl ist seit November 2009 Vorstandsvorsitzender der Klöckner & Co SE. Aktuell treibt er mit voller Kraft die Digitalisierung von Klöckner & Co und der gesamten Stahlbranche voran.
Gisbert Rühl:
Er ist seit November 2009 Vorstandsvorsitzender der Klöckner & Co SE. Aktuell treibt er mit voller Kraft die Digitalisierung von Klöckner & Co und der gesamten Stahlbranche voran. (Foto: PR)

Die Vorgabe von Gisbert Rühl ist klar: Bis 2022 soll der von ihm geführte Stahl- und Metallhändler Klöckner & Co rund 60 Prozent des Umsatzes über digitale Kanäle erwirtschaften. Damit das gelingt, will Rühl unter anderem die Lieferkette durchgehend digitalisieren. Er verrät, wie er seinen Konzern und die Stahlbranche transformieren will.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Es heißt, wer sich dem Wandel nicht stellt, läuft Gefahr, disruptiert zu werden. Sehen Sie dieses Risiko in der Stahlbranche?

Gisbert Rühl: Die Stahlbranche ist zwar seit Jahren von hoher Wettbewerbsintensität, weltweiten Überkapazitäten und volatilen Ergebnissen aufgrund starker Marktpreisschwankungen gebeutelt. Trotzdem ist der Drang, Veränderungen voranzutreiben, nicht allzu groß. Das ist geradezu eine Einladung für Disruptoren. Wir wollten nicht darauf warten, verändert zu werden. Deshalb bin ich 2014 ins Silicon Valley gereist und habe mit Experten gesprochen. Ich wollte herausfinden, welche Möglichkeiten uns die Digitalisierung eröffnet, und einen Fahrplan für den Wandel entwerfen.

Und wie sieht dieser Fahrplan aus?

Rühl: Für mich ist Digitalisierung mehr als nur die Optimierung unserer Prozesse und Produkte. Das sind die ersten notwendigen Schritte. Aber im Kern geht es darum, digitale Produkte zu entwickeln, die das bestehende Geschäft erweitern oder aufwerten. Ist das geschafft, besteht die Möglichkeit, an digitalem disrup­tivem Neugeschäft zu arbeiten.

Wie haben Sie Ihr Geschäftsmodell verändert?

Rühl: Zunächst haben wir uns auf die Nutzerfreundlichkeit unseres Angebots konzentriert. Wir haben Kontraktportale und Online-Shops entwickelt. Aktuell erweitern wir die proprietären Shops zu Marktplätzen. Darüber hinaus haben wir mit XOM Materials Anfang 2018 ein neues Venture gegründet. Anders als in unseren Shops können auf XOM auch Wettbewerber ihre Produkte anbieten. Auf Sicht werden wir über ­externe Investoren die Mehrheit an der Plattform abgeben. XOM soll eine unabhängige Industrieplattform werden, die sich allein am Markt behaupten muss und bei Erfolg auch disruptiv auf Klöckner & Co wirken kann.

Vor welcher Zukunft steht der Handel mit Stahl?

Rühl: Plattformen wie XOM lösen traditionelle Wertschöpfungsketten auf, indem sie alle Marktteilnehmer über digitale Netzwerke verbinden. Der durchgängige Informationsfluss erhöht die Transparenz; Bedarfe und Kapazitäten sind besser zu planen. Produkte erreichen ohne Umwege und überflüssige Lagerhaltung den Kunden, was die Kosten und den CO2-Ausstoß reduziert.

Teil 1: Digitale Transformation im Stahlhandel

Teil 2: Stahlhandel Klöckner & Co: Digitalisierung als Chance

 

 

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