Kanzlei 2.0

Digitalisierung der Steuerberatung

Dr. Udo Bork, Geschäftsführer bei Dornbach, sieht in der Trennung von Datenprozessierung und Beratung eine wesentliche Veränderung der Branche.

Dr. Udo Bork arbeitete für KPMG und Ruhrgas Indus­tries. 2007 trat er in die Dienste von Dornbach in Koblenz ein. Seit 2011 ist Bork Geschäftsführer und ­Gesellschafter
Dr. Udo Bork
arbeitete für KPMG und Ruhrgas Indus­tries. 2007 trat er in die Dienste von Dornbach in Koblenz ein. Seit 2011 ist Bork Geschäftsführer und ­Gesellschafter (Foto: PR)

Die Digitalisierung der Steuerberatung ist bereits in vollem Gang, konstatiert Dr. Udo Bork, Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dornbach. Ein Thema, das derzeit die Branche umtreibt, ist die Art des Datenaustauschs in Arbeitsprozessen, beispielsweise in der Beleganalyse.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Ist die digitale Steuer­beratung eine bloße Zukunftsvision? Oder ist sie ­bereits heute Realität?

Dr. Udo Bork: Die Dienstleistung Steuerberatung entwickelt sich in zwei Richtungen. Zum einen ist die Prozessierung von Daten zu nennen, etwa in der Buchhaltung und bei Steuererklärungen. Dort wird der Steuer­berater zum qualifizierten Manager von Datenströmen. Zum anderen geht es um die Beratung bei Steuer­gestaltungen und in Sonderfällen, wie beim Unternehmenskauf oder bei der Übertragung von Betriebsvermögen auf Kinder. Diese Trennung ist bereits Realität. Viele Kollegen suchen sich ihr Spezialgebiet, auf dem sie qualitativ hochwertige Beratungsleistungen erbringen können. Andere eignen sich IT-Kompetenz an, um als Datenmanager möglichst effizient zu sein.

Wie weit ist die Automatisierung der Buchführung?

Bork: Buchführung ist bereits heute weitgehend automatisierbar. Papierbelege werden mithilfe Künstlicher Intelligenz ausgelesen und in Datensätze überführt. Zudem werden oft bereits elektronische Rechnungen gestellt – mit eingebettetem Datensatz zur direkten Übernahme in die Buchhaltung. Steuerberater und Mandanten tauschen Daten elektronisch aus. Die Schnittstellen zum Finanzamt sind digital. Die Möglichkeiten sind also vorhanden.

Welche Vorteile bietet die Digitalisierung?

Bork: Effizienz und damit Kostenersparnis in der Kanzlei. Hinzu kommen Zugriffsmöglichkeiten auf ­Daten über Cloud-Lösungen und die Vernetzung mit ande­ren Beteiligten am Beratungsfall, zum Beispiel Anwälten und Notaren.

Steuerberatung profitiert von digitaler Kommunikation

Beeinflusst das alles die Nähe zum Mandanten?

Bork: Wichtig ist, dass sich Steuerberater und Mandant kennen und vertrauen. Wenn dieses Verhältnis besteht, hat die weitgehende digitale Kommunikation keinen Einfluss auf das Nähegefühl des Mandanten. Vom Steuerberater wird letztendlich erwartet, dass er die Themen des Mandanten im Blick hat und immer rechtzeitig handelt. Insoweit sind Steuerberater nach wie vor in erster Linie Dienstleister.

Wie gestaltet sich die digitale Anbindung des Mandanten an den Berater in der Praxis?

Bork: Innovative kleine Kanzleien arbeiten mit Public-Cloud-Lösungen oder Plattformen zum Datentransfer. Wir setzen nach wie vor auf eine lokale server­basierte Lösung anstelle einer Cloud- oder „Software as a Service“-Lösung für den Datenaustausch mit den Mandanten. Der Standardfall scheint mir aber immer noch das Datev-Rechenzentrum mit seiner schwerfälligen Anbindung der Mandanten zu sein.

Ist der Robo-Auditor ein Zukunftsmodell, das Ab­hilfe schaffen kann?

Bork: Ich kann mir den Einsatz einer solchen Maschine etwa bei einer Abschlussprüfung vorstellen. Jedoch können auch im Bereich der Steuererklärung KI-gestützte Prüfungsroutinen zur Anwendung kommen, welche die Beratungsqualität verbessern.

MEIN ZIEL: Das, was wir im Privatleben als Produkterlebnis kennen, müssen wir auch in die Kanzlei bringen.

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