Kulturwandel anpacken

Als Rohstofflieferant am Anfang der Wertschöpfungskette innovativ sein

Vorstandschef Dr. Burkhard Lohr bringt die K+S Gruppe mit neuen Strategien auf Kurs. Ein Kulturwandel soll die Basis für künftiges Wachstum schaffen.

Burkhard Lohr wurde im Jahr 2012 in den Vorstand der K+S Aktiengesellschaft berufen, dessen Vorsitz er im Mai 2017 übernahm
Burkhard Lohr
wurde im Jahr 2012 in den Vorstand der K+S Aktiengesellschaft berufen, dessen Vorsitz er im Mai 2017 übernahm (Foto: PR)

Der digitale Bergbau nimmt Fahrt auf, sagt Dr. Burkhard Lohr, Vorstandsvorsitzender der auf mineralische Produkte spezialisierten K+S Aktiengesellschaft – und setzt auf digitale Wachstumstreiber.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Die Weltbevölkerung steigt und damit auch der Lebensmittelbedarf. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten: Goldene Zeiten für Kali und Salz?

Burkhard Lohr: Wer sich mit dem Agrarmarkt beschäftigt, landet schnell bei dieser Gleichung. Die Weltbevölkerung nimmt zu, Essgewohnheiten ändern sich, der Nahrungsmittelbedarf steigt – die Nachfrage nach Düngemitteln zieht an und damit der Bedarf an Kali. Goldene Zeiten klingt nach Entspannen im Schlaraffenland. Das Bild passt aber nicht. Angesichts schwankender Rohstoffpreise und ständigem Kostendruck arbeiten wir permanent an der Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit. Da kommt die Digitalisierung ins Spiel, die neue Chancen eröffnet. Big Data, Internet of Things und Künstliche Intelligenz werden auf unserem Wachstumspfad entscheidende Beiträge leisten.

Wie disruptiv ist K+S?

Lohr: Als Rohstoffproduzent stehen wir am Anfang der Wertschöpfungskette, und neue Player können uns nicht so leicht verdrängen. Wir wollen jedoch vorne mitspielen, haben Wachstumschancen identifiziert und ein „Gesicht des Konzerns“ für das Jahr 2030 entworfen. Das ist in gewisser Weise disruptiv, da wir K+S mit der neuen Strategie „Shaping 2030“ grundlegend umbauen und an einem tiefgreifenden Kulturwandel arbeiten – für mich der einzige Weg für langfristigen Erfolg.

„Shaping 2030“ klingt vielversprechend – aber was bedeutet es konkret und woran werden Ihre Kunden und Aktionäre den tiefgreifenden Wandel erkennen?

Lohr: Wir sind gerade dabei, „Shaping 2030“ mit Leben zu füllen. Seit vergangenem Jahr läuft die Transformationsphase, in der wir die Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen und unsere Bilanz stärken wollen. Wir heben Synergien, halbieren den Verschuldungsgrad und richten das Unternehmen auf die vier neuen Kundensegmente Landwirtschaft, Industrie, Verbraucher und Gemeinden aus. Ab 2021 starten wir dann die Wachstumsphase, unter anderem mit dem Ausbau unseres Spezialitätengeschäfts sowie angrenzender Geschäftsfelder. Auch regional wollen wir in wachstumsstarken Regionen wie Asien und Afrika zulegen. Unsere Ambition ist es, im Jahr 2030 unser operatives Ergebnis EBITDA auf drei Milliarden Euro zu steigern. Woran das erkennbar wird: Unsere Kunden erleben uns als Lösungspartner und unsere Aktionäre profitieren von Vermögenszuwachs. Wir wollen den Kurs nachhaltig steigern. Und das werden wir auch. 

Mobilfunk ermöglicht neue Geschäftsmodelle in Ostafrika

Wie verändert sich Ihr Geschäft in digitalen Zeiten?

Lohr: Die Digitalisierung verändert nicht nur Geschäftsmodelle, sie ermöglicht auch ganz neue. So sind wir gerade dabei, die Region Subsahara zu erschließen. Mobilfunk ist dort der Schlüssel, denn die Netzabdeckung in Ostafrika ist gut. In Uganda bauen wir mit lokalen Partnern gerade eine digitale Handelsplattform auf. Ein ugandischer Partner bezieht die Düngemittel über uns und stellt den Kleinbauern vor Ort über diese Plattform auch kleinere Mengen zur Verfügung. Der Kreis schließt sich, wenn die Landwirte ihre fertigen Produkte wie Kaffee oder Mais über die Plattform zu fairen Preisen verkaufen können: an einen lokalen Großhändler, der ebenfalls ein Partner von uns ist. Ein anderes Beispiel ist „precision farming“: Mit Hilfe von GPS, Drohnen und Datenanalyse kann Saatgut, Pflanzenschutz und Düngemittel viel zielgenauer eingesetzt werden als bisher. Hier bringen wir unsere Kernkompetenz in der Pflanzenernährung ein, um unsere Kunden in der Landwirtschaft partnerschaftlich zu begleiten.
 

Welche Veränderungen beobachten Sie im Bergbau?

Lohr: Wo täglich tonnenweise Rohstoffe aus dem Berg gefördert werden, mag Digitalisierung auf den ersten Blick keine große Rolle spielen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Der digitale Bergbau nimmt Fahrt auf. In den Bereichen Produktivität und Sicherheit nutzen wir digitale Lösungen für Prozessverbesserungen. So setzen wir etwa auf mobile Instandhaltung. Dabei werden Anlagen unter Tage und in der Fabrik mit einem Code ausgerüstet, den der Instandhalter per App abscannt. Das erspart viel Zeit, denn Wege entfallen und Notizen werden nicht mehr doppelt erfasst. Die Effizienz steigt, da das Verfahren die Abläufe für die Mitarbeiter erheblich erleichtert. Wir operieren in großen Dimensionen: Unser Kaliwerk in Deutschland an der Werra erstreckt sich unter Tage auf einer Fläche, die so groß ist wie die Stadt München. Digitalisierung bedeutet also, dass wir uns lange Wege durch eine Großstadt sparen.

Künstliche Intelligenz – so der „Tech Trends Report 2018“ – wird schon bald in alles integriert, was Organisationen professionell tun. Wo und wie setzen Sie auf künstliche Intelligenz?

Lohr: Hier legen wir den Fokus auf Entscheidungshilfe. Mit künstlicher Intelligenz werden Massendaten verarbeitet und Informationen abgeleitet, die wiederum Wissen generieren und unsere Mitarbeiter dann dabei unterstützen, noch schneller die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wie schaut es mit autonom agierenden Systemen aus – etwa Spezialfahrzeugen oder anderen Systemen? Welchen Einfluss werden neue Technologien auf die Förderung von Rohstoffen nehmen?

Lohr: Autonom agierende Systeme sind bei uns Stand heute noch Zukunftsmusik. Aber selbstverständlich werden neue Technologien in nicht allzu ferner Zukunft die Förderung von Rohstoffen beeinflussen. Im Hinblick auf die Bereiche Produktivität und Sicherheit kann ich mir das bei uns im Unternehmen sehr gut vorstellen.

Offener Innovationsprozess und digitaler Bergbau bei K+S

Um im Rennen um die Zukunft zu bleiben, sind Innovationen überlebensnotwendig. Kann man diese „per System“ kreieren? Wie fördern Sie Innovationsgeist?

Lohr: Bei K+S beschäftigen wir uns auch abseits unserer bestehenden Produkte mit neuen Ideen. Dafür haben wir eigens eine interne Ideenschmiede, unsere InnovationLabs, eingerichtet. Die Kollegen dort schauen sich ohne Denkverbote in der Welt um, prüfen gesellschaftliche Trends oder analysieren neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie gehen dabei der Frage nach, wie die gewonnenen Erkenntnisse in neue Geschäftsmodelle überführt und implementiert werden können, also welchen Nutzen sie K+S bringen. Dieser Innovationsprozess steht übrigens all unseren Mitarbeitern offen. Es ist mir wichtig, im Unternehmen eine Kultur der Experimentierfreude zu schaffen. Auch Fehler beziehungsweise Scheitern sind dabei erlaubt, sonst werden Innovationen behindert.
 

Dürfen die Führungskräfte jetzt keine Krawatten mehr tragen für eine Kulturveränderung mit offenem Innovationsgeist ohne Denkverbote? Wie verändern Sie traditionelle Muster in Ihrem Unternehmen?

Lohr: Nein, solche Vorschriften mag ich nicht, man muss den Leuten nicht alles diktieren. Ich war noch nie ein Freund von Managementattitüden. In meiner Rolle sehe ich mich als Spielertrainer, der dem Team im intensiven Austausch auf dem Spielfeld Richtung und Impulse gibt. Ein Grund, warum meine Kollegen und ich so viel in den Standorten unterwegs sind statt agile Kultur von einer Kanzel zu predigen. Wir fördern Mut zur Veränderung, auch mit der neuen Unternehmensstrategie: Weg von historisch gewachsenen Strukturen, hin zu einem global aufgestellten und handelnden Unternehmen, in dessen Zentrum der Kunde steht. Wir werden nicht alles anders machen. Aber wir werden auch neue Pfade gehen und neue Ansätze ausprobieren. So entwickelt sich auch unsere Kultur weiter.

Was ist Ihre Vision vom Bergbau der Zukunft?

Lohr: Die Digitalisierung bietet unserer Branche eindeutig mehr Chancen als Risiken. Digitale Lösungen werden unsere Arbeit an vielen Stellen erleichtern und unseren Mitarbeitern vor Ort helfen, Entscheidungen besser und schneller zu treffen. Mit Blick auf die Gesellschaft profitieren wir, da der digitale Bergbau sicherer, produktiver und vor allem nachhaltiger sein wird. Letzteres bedeutet Zukunftsfähigkeit und liegt mir besonders am Herzen – als integraler Bestandteil unserer neuen Strategie mit klar definierten Zielen.

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