Kulturwandel anpacken

Mobilfunk ermöglicht neue Geschäftsmodelle in Ostafrika

Anfang 2018 beschäftigte die K+S AG weltweit rund 14.900 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 1,17 Milliarden Euro

Wie verändert sich Ihr Geschäft in digitalen Zeiten?

Lohr: Die Digitalisierung verändert nicht nur Geschäftsmodelle, sie ermöglicht auch ganz neue. So sind wir gerade dabei, die Region Subsahara zu erschließen. Mobilfunk ist dort der Schlüssel, denn die Netzabdeckung in Ostafrika ist gut. In Uganda bauen wir mit lokalen Partnern gerade eine digitale Handelsplattform auf. Ein ugandischer Partner bezieht die Düngemittel über uns und stellt den Kleinbauern vor Ort über diese Plattform auch kleinere Mengen zur Verfügung. Der Kreis schließt sich, wenn die Landwirte ihre fertigen Produkte wie Kaffee oder Mais über die Plattform zu fairen Preisen verkaufen können: an einen lokalen Großhändler, der ebenfalls ein Partner von uns ist. Ein anderes Beispiel ist „precision farming“: Mit Hilfe von GPS, Drohnen und Datenanalyse kann Saatgut, Pflanzenschutz und Düngemittel viel zielgenauer eingesetzt werden als bisher. Hier bringen wir unsere Kernkompetenz in der Pflanzenernährung ein, um unsere Kunden in der Landwirtschaft partnerschaftlich zu begleiten.

Welche Veränderungen beobachten Sie im Bergbau?

Lohr: Wo täglich tonnenweise Rohstoffe aus dem Berg gefördert werden, mag Digitalisierung auf den ersten Blick keine große Rolle spielen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Der digitale Bergbau nimmt Fahrt auf. In den Bereichen Produktivität und Sicherheit nutzen wir digitale Lösungen für Prozessverbesserungen. So setzen wir etwa auf mobile Instandhaltung. Dabei werden Anlagen unter Tage und in der Fabrik mit einem Code ausgerüstet, den der Instandhalter per App abscannt. Das erspart viel Zeit, denn Wege entfallen und Notizen werden nicht mehr doppelt erfasst. Die Effizienz steigt, da das Verfahren die Abläufe für die Mitarbeiter erheblich erleichtert. Wir operieren in großen Dimensionen: Unser Kaliwerk in Deutschland an der Werra erstreckt sich unter Tage auf einer Fläche, die so groß ist wie die Stadt München. Digitalisierung bedeutet also, dass wir uns lange Wege durch eine Großstadt sparen.

Künstliche Intelligenz – so der „Tech Trends Report 2018“ – wird schon bald in alles integriert, was Organisationen professionell tun. Wo und wie setzen Sie auf künstliche Intelligenz?

Lohr: Hier legen wir den Fokus auf Entscheidungshilfe. Mit künstlicher Intelligenz werden Massendaten verarbeitet und Informationen abgeleitet, die wiederum Wissen generieren und unsere Mitarbeiter dann dabei unterstützen, noch schneller die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wie schaut es mit autonom agierenden Systemen aus – etwa Spezialfahrzeugen oder anderen Systemen? Welchen Einfluss werden neue Technologien auf die Förderung von Rohstoffen nehmen?

Lohr: Autonom agierende Systeme sind bei uns Stand heute noch Zukunftsmusik. Aber selbstverständlich werden neue Technologien in nicht allzu ferner Zukunft die Förderung von Rohstoffen beeinflussen. Im Hinblick auf die Bereiche Produktivität und Sicherheit kann ich mir das bei uns im Unternehmen sehr gut vorstellen.

Teil 1: Als Rohstofflieferant am Anfang der Wertschöpfungskette innovativ sein

Teil 2: Mobilfunk ermöglicht neue Geschäftsmodelle in Ostafrika

Teil 3: Offener Innovationsprozess und digitaler Bergbau bei K+S

 

 

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