Inklusivität statt Diversity

Was raten Sie ambitionierten Frauen, die eine Führungsposition anstreben?

Guillaume-Grabisch: Das erste, was ich allen Frauen rate, ist: Glaube an dich selbst. Es gibt viele Frauen, die viele Kompetenzen haben. Das sieht man daran, wie sie in der Schule, an der Universität und beim Examen abschneiden. Aber aus verschiedenen Gründen treten sie nicht mit dem gleichen gesunden Selbstbewusstsein auf. Deshalb ist es am wichtigsten, an sich selbst zu glauben. Als zweites sollten Frauen sich nicht scheuen zu kommunizieren, wie sie das auch privat machen, und entsprechend Netzwerke zu bilden. Frauen sind Weltmeister im Netzwerken. Aber aus irgendwelchen Gründen unterscheiden sie sehr stark die Welt des Privaten und die Welt des Beruflichen. Und drittens ist Erfolg immer ein Geben und Nehmen. Es kommt darauf an, wonach man fragt, was man gern bekommen möchte und wo man zeigt, dass man der jeweiligen Aufgabe gewachsen ist.

Welche neuen digitalen Vertriebswege können Sie sich für Wasser, Schokoriegel, Tütensuppen oder Pizzen vorstellen?

Guillaume-Grabisch: Da sprechen wir eher von Inklusivität. Früher hat man Diversity immer unter dem Geschlechtergesichtspunkt betrachtet, aber das Thema ist breiter: Es geht um unterschiedliche Religionen, unterschiedliche Philosophien im Leben. Inklusivität heißt, die reichhaltige Vielfältigkeit aller Mitarbeiter in Einklang zu bringen und zu aller Vorteil für unser Unternehmen einzubeziehen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Guillaume-Grabisch: Ja, das sind zum Beispiel Trainings für Frauen, oder ein Training, um die eigenen Vorurteile besser zu erkennen. Viele Teilnehmer haben sich schon ertappt bei Fehleinschätzungen, sie haben falsch reagiert, weil sie einer Person bestimmte Eigenschaften zugeschrieben haben. Das ging weit darüber hinaus, ob eine Person eine Frau oder ein Mann ist. Das hat uns gezeigt: Diese Vorurteile sind Hürden, die man überwinden muss, um die Reichhaltigkeit in jeder Person zu erkennen.

Haben Sie ein weibliches Vorbild?

Guillaume-Grabisch: Ja, das ist eine Französin, die weltweit agiert: Christine Lagarde. Ich finde es bewundernswert, wie sie die verschiedenen Phasen ihres Lebens durchlaufen hat und mit welcher Natürlichkeit sie auftritt, trotz dieser immensen Verantwortung. Wie sie nach wie vor mit Charme sehr klare Entscheidungen trifft und kommuniziert. Man sieht, dass sie eine große Balance in sich trägt. Und wie sie verschiedene Stakeholder für sich gewonnen hat, um überhaupt gewählt zu werden, obwohl es viele Wettbewerber gab. Sie hat das meisterlich geschafft.

Teil 1: ”Der Genuss bleibt“

Teil 2: „Dank Digitalisierung viele Leute gleichzeitig unterstützen”

Teil 3: „Eine Organisation, die fit für die Zukunft ist”

Teil 4: Inklusivität statt Diversity

 

 

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Interview

Béatrice Guillaume-Grabisch
CEO Deutschland Nestlé

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