Zurück zur Hauptseite

Stresstest Digitalisierung

Heute steht jedes Geschäftsmodell auf dem Prüfstand, sagt Ulrich Leitermann, Chef der Signal Iduna. Transformation ist Pflicht, doch dürfe man den Menschen nicht vergessen.

Datenflut: Bis 2020 wird es 34 Milliarden vernetzte Geräte auf der Welt geben (Bild: Niklas Hughes)

Das ist nichts für Raser alter Prägung: Mit der AppDrive sparen Autofahrer bei der Kfz-Versicherung, wenn sie den Fuß vom Gas nehmen und sich an die Regeln halten. Die Signal Iduna Gruppe war hierzulande der erste Anbieter einer solchen Lösung. Der Versicherer will weiter Treiber sein – und nicht Getriebener – der Digitalisierung.

DUB UNTERNEHMER Magazin: Smartphones haben unser Leben verändert. Was kommt als Nächstes?

Ulrich Leitermann: Ich sehe derzeit zwei technologische Megatrends: das Internet der Dinge und die Datenanalyse. Beides ist eng miteinander verknüpft. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts wird es Studien zufolge 34 Milliarden vernetzte Geräte auf der Welt geben – viermal mehr als Menschen. Damit wird auch die Datenmenge enorm wachsen. Für Unternehmen – und natürlich auch für uns Versicherer – lautet deshalb eine der entscheidenden Fragen, ob wir in der Lage sind, diese Daten intelligent auszuwerten und für unsere Kunden zu nutzen. Für neue Produkte, für bessere Dienstleistungen, um Unfällen vorzubeugen oder um Krankheiten zu bekämpfen. Dafür müssen wir als Gesellschaft natürlich definieren, ob und welche Daten wir nutzen wollen.

Alphabet/Google, Apple, Amazon, Facebook: Vergleichsweise junge, amerikanische IT-Unternehmen geben weltweit Takt und Ton an, sind an der Börse mehr wert als die DAX-Unternehmen zusammen. Warum schaffen wir es nicht, in diese Liga vorzustoßen?

Leitermann: Es stimmt, dass in der ersten Phase der digitalen Revolution amerikanische und zum Teil auch asiatische Unternehmen die Nase vorn hatten. Denn bisher standen vor allem Produkte für den Endkunden im Mittelpunkt – wie Smartphones, Tablets und Smart Watches. Die nächste Phase der Digitalisierung dreht sich jedoch um die Vernetzung von Maschinen und Prozessen – Stichwort Industrie 4.0 – und das ist eine traditionelle Stärke deutscher Unternehmen. Es geht jetzt darum, größere Systeme wie ganze Fabriken und Produktionsprozesse zu vernetzen. Etwa um den Verkehr intelligent zu steuern oder Smart Cities aufzubauen. Ich bin deshalb optimistisch, dass deutsche Unternehmen künftig eine weitaus größere Rolle in der Digitalisierung spielen werden, denn bei Industrie 4.0 haben wir auch im Mittelstand enorme Stärken.

Orientieren Sie sich an Google oder Apple?

Leitermann: Es gibt viele beeindruckende Unternehmen, die sich vorbildlich auf die Zukunft einstellen und aus der intelligenten Analyse von Daten neue Produkte und Services schaffen – nicht nur im Silicon Valley. Zum Beispiel den bargeldlosen Bezahldienst M-Pesa aus Kenia, den mehr als 19 Millionen Menschen in dem Land nutzen.

Hat das digitale Zeitalter für Sie auch Schattenseiten?

Leitermann: Man darf sich von der digitalen Welt nicht blenden lassen. Bei einigen extrem auf die Digitalisierung ausgerichteten Geschäftsmodellen, beispielsweise bei der Vermittlung von Dienstleistungen, gibt es auch Nachteile. Etwa wenn es um die Mitsprache und die Bezahlung der Menschen geht, die diese Leistungen erbringen.

Was setzen Sie dem entgegen?

Leitermann: Das Leitbild unseres Unternehmens lautet: „Von Menschen für Menschen“. Mein persönliches Lebensmotto heißt: „Behandle andere immer so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“ Das passt gut zusammen. Bei aller Digitalisierung dürfen wir nie aus den Augen verlieren, für wen wir das machen: für unsere Kunden, Mitarbeiter und unsere Vertriebspartner. Also für Menschen, die von einer digitaleren Welt profitieren und nicht Getriebene neuer Technologien werden sollen.

Teil 1: Stresstest Digitalisierung

Teil 2: „Digitale Transformation ist eine enorme Chance“

Teil 3: „Kurskorrekturen sind wichtig“

 

Das interessiert andere Leser

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis

Was Unternehmer wissen müssen

DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis

Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick

Das interessiert andere Leser
  • 14.-16.11.2019 | FRANCHISE EXPO19 | Frankfurt

    Die erfolgreiche Messe geht in die zweite Runde. Der neue Szene-Treff für Menschen mit Lust auf Selbständigkeit, Interesse an Franchising und für Unternehmen, die über Franchising expandieren wollen.

  • Verbesserte Suchfunktion und erweiterter Support auf DUB.de
    Neue Funktionen auf DUB.de

    Verbesserte Suchfunktion und erweiterter Support - lesen Sie in der folgendeen Meldung mehr zu den Neuerungen auf DUB.de.

  • Franchise: Deutschland ist attraktivster Franchising-Standort
    Franchise: Traumstandort Deutschland?

    Franchising in Deutschland ist laut dem International Franchise Attractiveness Index die beste Wahl wenn es um den idealen Standort geht.

  • Zielabgleichung - Wollen Verkäufer und Käufer tatsächlich das Gleiche?
    Zielabgleichung - Wollen Verkäufer und Käufer tatsächlich das Gleiche?

    Damit die Unternehmensnachfolge gelingt, ist Klarheit über die eigenen Ziele und Bedürfnisse sowie auch der anderen Seite von Vorteil. Worauf sollten beide Seiten achten damit das Geschäft gelingt?

  • Unternehmensbewertung: Was Firmeninhaber wissen müssen
    Das Gelbe vom Ei?

    Was ist mein Unternehmen wert? Das Ertragswertverfahren und die Discounted-Cashflow-Methode werden oft zur Ermittlung genutzt. Kleine Firmen sollten eine andere Methode nutzen.

  • Videointerview zur Unternehmensnachfolge
    Videointerview: Herausforderung Unternehmensnachfolge

    Dr. Daniel Mundhenke und Andreas Grandt (BRL) im Interview: Die Experten berichten von Herausforderungen aus der Praxis, den unterschiedlichen Formen der Nachfolge, über Fallstricke dabei und vieles mehr.

  • „Die Party zieht vom Haus in den Garten“

    Droht ein Ende des Immobilienbooms? Die Experten Andreas Schütz, Ottmar Heinen, Daniel Hoffmann und Malte Thies diskutieren über mögliche Lösungen des Wohnraummangels und die Rolle der Politik.

  • DUB-Video: Die fünf häufigsten Fehler beim Unternehmensverkauf
    DUB-Video: Die fünf häufigsten Fehler beim Unternehmensverkauf

    Dem Verkauf eines Unternehmens wird oft nicht der richtige Stellenwert eingeräumt. Oft scheitert er aus ebenso profanen wie vermeidbaren Fehlern. Das sind die fünf häufigsten.

  • Nachfolge und Digitalisierung
    Unternehmensnachfolger von morgen

    Unternehmensnachfolge ist für viele Betriebe herausfordernd. Nun erschwert die Digitalisierung noch den Prozess. Sind vor allem die mittelständischen Unternehmen auf den bevorstehenden Wandel vorbereitet?

  • Künstliche Intelligenz: Die Führungskraft von Morgen?
    Künstliche Intelligenz: Die Führungskraft von Morgen?

    Zukunftsforscher Kai Gondlach attestiert der KI schon heute die Fähigkeit bessere Führungsentscheidungen zu treffen. Bis 2050 wird die vierte industrielle Revolution die Politik erreichen.

  • Dienstleistung oder Einzehlandel: Wo finde ich das passende Franchise Unternehmen?
    Zwei Franchise Konzepte – eine Entscheidung

    Ladengeschäft oder Dienstleistungsunternehmen aufmachen? Das sollte man als Franchise-Interessierter am Anfang klären - über die Vor- und Nachteile der Konzepte.

  • Unternehmensübernahme der besonderen Art: Haikutter Alexa hat nach langer Suche einen neuen Kapitän gefunden
    Immer ´ne Handbreit Wasser unterm Kiel

    Auch der Betrieb von Traditionsschiffen kennt Nachfolgeprobleme. Manchmal klappt es aber auch. Das zeigt das Beispiel des Traditionsschiffs Alexa.