Hamburg, 13.03.2017

Endlich Zugriff

Windows-Betriebssysteme dominieren den Desktopmarkt. Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland, will als Nächstes mit dem Cloud-Computing siegen.

Cloud-Datentransfer: Microsoft will das Cloud-Geschäft vorantreiben (Bild: Niklas Hughes)

Der Marktanteil ist überwältigend: Laut Netmarketshare werden 89 Prozent aller Desktops weltweit mit Windows von Microsoft betrieben. Sabine Bendiek, Geschäftsführerin Microsoft Deutschland, will nun auch das Cloud-Geschäft erobern.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: In Deutschland haben technologischer Wandel und Innovation in der Regel eher evolutionär und nicht revolutionär stattgefunden: peu à peu wurden und werden Produkte günstiger, effizienter und besser. Ist ein solch deutscher Weg der Digitalisierung zukunftsfähig oder sind wir zu wenig disruptiv?

Sabine Bendiek: Schlüssel des digitalen Zeitalters sind Geschwindigkeit und der Mut Dinge einfach mal auszuprobieren, auch ohne die Erfolgsaussichten schon vorher in jedem Detail 'vermessen' zu haben. Bildhaft gesprochen geht es darum, deutsche Ingenieurskunst digital zu erweitern und mit der Suche nach neuen digitalen Geschäftsmodellen zu verbinden. Was Mut macht: Wir haben bereits heute eine Reihe von 'Digitalen Wirtschaftswundermachern', denen das gelingt. Beispielweise 'Predictive-Maintenance-Lösungen' im deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Thyssen-Krupp Elevator mit seiner Lösung 'Max' ist hier ein spannendes Beispiel.

Wie können wir unsere Systeme stärken, um die steigenden IT-Risiken in einer digitalisierten Gesellschaft, etwa durch Betriebsspionage, Hacker-Attacken oder Negativkampagnen, abzuwehren? Inwieweit können deutsche Unternehmen in diesem Umfeld eine führende Rolle einnehmen?

Bendiek: Wie Unternehmen mit Datenschutz und Datensicherheit umgehen, entscheidet künftig ebenso über Markterfolg und Reputation wie die Qualität der eigentlichen Produkte. Jedes Unternehmen muss entscheiden, ob es den Schutz seiner Daten und die Kommunikation mit vernetzten Partnern und Kunden durch die eigene IT-Infrastruktur sicherstellen kann, oder besser auf Services – und Cloudlösungen von spezialisierten IT-Anbietern zurückgreift. Deutschland kann hier mit seinem hohen Datenschutzniveau sogar einen Standortvorteil ausspielen. Mittlerweile betreiben einige internationale und nationale IT-Anbieter Cloudservices aus technisch und physikalisch hochgesicherten lokalen Rechenzentren. Diese deutschen Cloud-Angebote werden auch verstärkt aus dem Ausland nachgefragt.

In Deutschland wird Datenschutz sehr ernst genommen. Wirkt sich das auf Geschäftsmöglichkeiten aus?

Bendiek: Wir müssen die Rahmenbedingungen in Deutschland als Chance auf eine Art Gütesiegel verstehen. Microsoft hat dies 2016 mit dem Launch der Microsoft Cloud Deutschland in zwei Rechenzentren nahe Frankfurt und Magdeburg realisiert und um ein weltweit einzigartiges Datentreuhändermodell erweitert. Das Konzept ist besonders interessant für Unternehmen und Behörden, die sehr strengen Compliance-Auflagen folgen müssen. Als Datentreuhänder überwacht unser Partner T-Systems jeden physischen und technischen Zugriff auf die Kundendaten, mit Ausnahme des Zugriffs durch den Kunden selbst. Die Datenherausgabe an Drittparteien erfolgt nur, wenn der Kunde oder das deutsche Recht es verlangen. Microsoft hat grundsätzlich keinen Zugriff auf die Daten.

Wie schaffen wir es, das Gros der Gesellschaft von der Digitalisierung profitieren zu lassen?

Bendiek: Ein Schlüssel liegt in der Förderung von digitaler Qualifizierung, die sich über alle Altersklassen hinweg erstrecken muss. Die Digitalisierung verändert Berufsbilder, manche werden wegfallen. Es gilt, möglichst früh Menschen neue Wege und Qualifikationen anzubieten. Das bleibt eine der dringendsten Aufgabe für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt. Eine naive Fortschrittgläubigkeit wäre hier ebenso falsch wie eine lähmende Angst vor einem digitalen Dämon. Deshalb haben wir gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlichem Sektor und Zivilgesellschaft den Digitalen Bildungspakt ins Leben gerufen. Dabei geht es vor allem um die Förderung und Vermittlung digitaler Kompetenzen sowie die Erhöhung von Bildungschancen und Bildungserfolgen in Deutschland.

Teil 1: Endlich Zugriff

Teil 2: "Digitale Kenntnisse sind das Rüstzeug für den Top-Nachwuchs"

Teil 3: "Soziale Netzwerke? Ich beziehe Position!"

Teil 4: "Mich inspiriert die individuelle Leistung"

 

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