Hamburg, 13.03.2017

Digital steuern

Rüdiger Gottschalk, CEO von Postcon, will die Transformation mit den Sozialpartnern bewältigen.

 Routenplanung: Die physische Post profitiert von der Digitalisierung (Bild: Niklas Hughes)

 

Postcon ist der größte alternative Briefdienstleister Deutschlands. Die Digitalisierung soll dabei helfen, Routen zu optimieren und Mitarbeiter zu entlasten. 

DUB UNTERNEHMER-Magazin: In Deutschland haben technologischer Wandel und Innovation in der Regel eher evolutionär und nicht revolutionär stattgefunden: peu à peu wurden und werden Produkte günstiger, effizienter und besser. Ist ein solch deutscher Weg der Digitalisierung zukunftsfähig oder sind wir zu wenig disruptiv?

Dr. Rüdiger Gottschalk: Deutschland war schon immer ein Land der guten Ideen. Was hierzulande erschaffen wird, gilt meist als Qualitätsprodukt – selbst wenn die Erfindung und Entdeckung in anderen Ländern gemacht wurde. Grund ist, dass deutsche Handwerker und Ingenieure das Ursprüngliche weiterentwickelt und so verbessert haben. Das Ergebnis genießt nicht selten Weltruf. Bestes Beispiel: Bier. Seine Ursprünge liegen im alten Ägypten vor rund 6.000 Jahren. Weltweit ist es jedoch mit dem Siegel „Made in Germany“ gefragt. Oder auch Zeitmesser: Schattenuhren kannte man schon im Altertum, die erste Räderuhr stammt aus dem 14. Jahrhundert. Doch ein Massenprodukt wurden sie erst mit Erfindung der Taschenuhr durch den Nürnberger Peter Henlein. Kurzum: Der Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass wir ein Volk der Bastler und Entwickler sind. Wir sind vielleicht nicht disruptiv. Aber wir entwickeln uns unaufhaltsam weiter.

Wie können wir unser System stärken, um die steigenden IT-Risiken in einer digitalisierten Gesellschaft, etwa durch Betriebsspionage, Hacker-Attacken oder Negativkampagnen, abzuwehren? Inwieweit können deutsche Unternehmen in diesem Umfeld eine führende Rolle spielen?

Gottschalk: Technische Möglichkeiten helfen bei der Absicherung IT-gestützter Systeme gegen Angriffe Dritter – wobei es keine hundertprozentige Sicherheit gibt, wie der Cyberangriff auf das Netz des Deutsche Bundestages gezeigt hat. Eine entscheidende Rolle spielt daher die Sorgfaltspflicht jedes Einzelnen, wenn es um die Bewahrung sensibler Daten geht. Ebenso wichtig ist es, dass wir Negativmeldungen über Personen oder Unternehmer zunächst kritisch hinterfragen: Basiert die Nachricht auf nachvollziehbaren Fakten? Ist die Meldung ausgewogen? Oder eine gezielte Kampagne? Wie wurde sie verbreitet? Und von wem – einem seriösen Medium, einem interessengesteuerten Absender, einem Social Bot? In dieser Gemengelage werden Journalisten als Gatekeeper eine Stärkung ihres Berufsstandes erleben.

MEIN LEBENSMOTTO: Wir sollten alle gesunden Respekt voreinander haben und im Umgang miteinander pflegen. 

 

Teil 1: Digital steuern

Teil 2: Digital steuern

Teil 3: Digital steuern

 

 

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