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Den Schritt voraus sein

Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, Deutschlandchef von PwC, über Mut, Erfahrungsschatz und Querdenkertum als Treiber von Innovationen.

Digitale Denke: Innovationen brauchen Raum für Kreativität (Bild: Niklas Hughes)

Erfolg muss im digitalen Zeitalter neu definiert werden, sagt Norbert Winkeljohann, Deutschlandchef und Mitglied des globalen Network-Leadership-Teams der Unternehmensberatung PwC. Was jetzt zählt, sind langfristige Innovationsorientierung und die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg.

DUB UNTERNEHMER Magazin: Blick in die Zukunft: Welche Innovation wird unser Leben in den kommenden Jahren so nachhaltig verändern wie der Siegeszug der Smartphones?

Norbert Winkeljohann: Eine einzelne Innovation ist kaum absehbar - das wäre Kaffeesatzleserei. Blockchain etwa wird das Potenzial gerade zugeschrieben, aber es ist an sich schon viel abstrakter als ein Stück Hardware. Selbst das iPhone ist mehr als das: Es besticht durch die clevere Integration des Alltagsbegleiters in Hosentascheformat mit der zugehörigen Software und den entsprechenden Services. Ziemlich sicher ist: Wir können Moore's Law, die jährliche Verdopplung von Rechenleistung noch eine Weile fortschreiben. Wenn die Regel noch zehn Jahre hält, dann haben wir 1000 Mal mehr Rechenpower zu vernachlässigbaren Preisen bei weitestgehender Miniturisierung der Hardware wie etwa Wearables, Implantate, et cetera. Da geht noch einiges!

Alphabet/Google, Apple, Amazon, Facebook: Vergleichsweise junge, amerikanische IT-Unternehmen geben weltweit Takt und Ton an, sind an der Börse mehr wert als die DAX-Unternehmen zusammen. Warum schaffen wir es nicht, in diese Liga vorzustoßen?

Winkeljohann: Das ist in hohem Maße eine Kulturfrage. Der amerikanischen Can-do-Einstellung und Fehlertoleranz setzen wir in Deutschland gerne eine starke Risikoorientierung und unseren Perfektionsdrang entgegen. Bei uns bedeutet Scheitern immer noch Scheitern. Dabei zeigt uns das amerikanische Modell: Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln, gute Ideen zu erkennen und zu kapitalisieren. Das sollte schnellstmöglich Eingang in Lehre und Lernen finden.

Was unterscheidet erfolgreiche von nicht erfolgreichen Unternehmern im digitalen Zeitalter?

Winkeljohann: Mut. Den Mut, neue Ideen auf das bisherige Kerngeschäft loszulassen – bevor andere es tun.

Tun Sie das auch?

Winkeljohann: Wir arbeiten selbst an der Erneuerung unseres Geschäftsmodells. Nehmen Sie Artificial Intelligence als ein Beispiel. Unser Erfahrungsschatz aus fast 170 Jahren Wirtschaftsprüfung ist schwer zu toppen. Darauf bauen wir mit modernsten Analysemethoden auf: Zurückschauende Wirtschaftsprüfung wird so zur Echtzeit-Gegenwartsanalyse und liefert validere Zukunftsprognosen in der Beratung.

Digitalisierung und Transformation: Erwarten Sie, dass auf uns soziale und politische Herausforderungen zukommen, etwa frappierend steigende Arbeitslosigkeit oder radikale gesellschaftliche Umbrüche?

Winkeljohann: Erst einmal wird die Digitalisierung per se nicht zu mehr Arbeitslosigkeit führen - das zeigt die aktuelle Demographiestudie von PwC in Zusammenarbeit mit dem Darmstädter Wirtschaftsinstitut wifor. Denn um herauszufinden, ob in der Arbeitswelt der Zukunft noch Platz für den Menschen sein wird, muss man den demographischen Wandel unbedingt berücksichtigen. Dem Arbeitsmarkt werden 2030 rund 3,5 Millionen Menschen weniger zur Verfügung stehen als heute. Der digitale Wandel und die damit verbundenen Produktivitätssteigerungen reichen nicht aus, um die Lücke zwischen Arbeitskräftenachfrage und -angebot zu schließen: Nur zwei von potentiell vier Millionen fehlenden Arbeitskräften könnten so kompensiert werden. Aber die Kenntnisse, die am Markt nachgefragt werden, sind dann schwerpunktmäßig im Bereich der Naturwisschenschaften zu finden. Diese Entwicklung müssen wir antizipieren und attraktive Ausbildungsangebote schaffen – das sehe ich durchaus als eine Aufgabe der Wirtschaft und der Politik in den kommenden Jahren. Gesellschaftlich relevant ist im Zuge der Digitalisierung vor allem die wachsende Transparenz. Einer Einschränkung universeller Rechte und Freiheiten müssen demokratisch verfasste Gesellschaften entschlossen entgegen treten – sie müssen lernen, verantwortungsbewusst mit neuen Möglichkeiten umzugehen. Die Medien- und Digitalkompetenz bleiben dabei Schlüsselfähigkeiten, die vom Elternhaus über Schule und Studium bis in den beruflichen Alltag hinein vermittelt und immer wieder aktualisiert werden müssen. Die Digitalisierung kann einen transparenten gesellschaftlichen Diskurs zu großen Herausforderungen ermöglichen – diese Chance sollten wir nutzen.

Teil 1: Den Schritt voraus sein

Teil 2: „Basis aller Innovation ist eine Kultur, die Querdenker und Kreativität fördert“

Teil 3: „Spannend ist der Wandel des Wandels“

 

 

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