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Teil 2: „Versuchen neue Wege zu gehen“

Eichmann trat zum 1. Januar 2014 in den Vorstand des Gothaer Konzerns ein, seit Mitte 2014 ist er dessen Vorsitzender (Foto: PR)

Wie gelingen Digitalisierung und Transformation der Gesellschaft?

Eichmann: Voraussetzung ist, auch künftig ein hohes Qualifikations- und Bildungsniveau zu sichern. Dabei müssen wir uns fragen, wer bei aller Informationsfreiheit die Datenhoheit und den Zugriff auf Daten hat. Ich sehe die Gefahr, dass die Informationsselektion weiter steigt und dadurch Informationen zu sehr gefiltert bei den Menschen landen, was zu Mangel an Informationen und Wissen führt.

Hat die Politk die Zukunft im Griff?

Eichmann: Ich antworte für die Versicherungsindustrie: Die seit Jahren verfolgte EZB-Geldpolitik ist eine gefährliche Fehlentwicklung. Studien belegen: Lang anhaltende Niedrigzinspolitik wirkt sich negativ auf die Produktivität einer Volkswirtschaft aus. Wenn „Schulden“ nichts mehr kosten, halten sich ineffiziente Firmen länger im Markt, defizitäre Staatshaushalte werden nicht reformiert. Hier appelliere ich nachhaltig, diesen Weg zu durchbrechen.

Welche Innovation gilt als größte in Ihrem Unternehmen?

Eichmann: Wir setzen einen großen Schwerpunkt auf die betriebliche Förderung beim Gesundheitsmanagement und der Vorsorge und vermarkten genau das sehr erfolgreich. Im Bereich der erneuerbaren Energien sind wir seit Jahren in Deutschland und vielen Ländern Europas Marktführer bei der Versicherung von Windenergieanlagen. Jetzt sind wir auch – anteilig am Kapitalanlagevolumen – größter Investor in diesem Bereich. Tatsächlich war der Gründer der Gothaer – Ernst Wilhelm Arnoldi – bereits 1820 höchst innovativ: Auf seine Gründungsidee – heute würde man sagen „sharing economy“ – bauen wir immer noch. Wir sind ein Versicherungsverein, in dem sich Unternehmen und Privatpersonen zur gegenseitigen Absicherung zusammenfinden, der langfristige Ziele verfolgt und dementsprechend solide wirtschaftet. Dass wir trotz der anhaltenden Niedrigzinspolitik unsere Unternehmensratings konsequent halten, zeigt das eindrucksvoll.

Wie fördern Sie Innovationen in Ihrem Hause?

Eichmann: Beispielsweise werden Geschäfts­ideen von Mitarbeitern wie ein Start-up gefördert und finanziert. Gerade auf dem Gebiet Digitalisierung sind viele „Schnellboote“ unterwegs.

Was muss sich in Ihrem Unternehmen ändern, um dem Wandel begegnen zu können? Braucht es eine neue Fehlerkultur?

Eichmann: Die Versicherungsbranche ist, denke ich, per se etwas konservativer unterwegs. Umso mehr versuchen meine Vorstandskollegen und ich neue Wege zu gehen. Ich denke, einen Wandel kann man nur von oben gelebt herbeiführen und wir sind auf einem sehr guten Weg, die Fehlerkultur zu verbessern. Mitarbeiter werden ermutigt, unternehmerisch zu denken und sich mehr zuzutrauen. Wir haben ein Vorstandsforum, wo jeder Mitarbeiter seine Fragen platzieren kann und der Vorstand antwortet. Es gibt ein Vorstandslunch, zu dem sich Mitarbeiter anmelden können, um bei einem gemeinsamen Mittagessen auch mal kritische Fragestellungen zu diskutieren und einiges mehr.

Teil 1: Schnellboote fördern

Teil 2: „Versuchen neue Wege zu gehen“

Teil 3: „Mich treibt eine ständige Neugierde“

 

 

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