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Teil 2: „Wir sind heute viel flexibler und schneller“

Der promovierte Elektrotechniker Karl-Thomas Neumann war unter anderem bei Volkswagen und Continental tätig. Seit 2014 ist der gebürtige Niedersachse Vorsitzender der Geschäftsführung der Opel Group GmbH (Foto: PR)

Alphabet/Google, Apple, Amazon, Facebook: Vergleichsweise junge, amerikanische IT-Unternehmen geben weltweit Takt und Ton an, sind an der Börse mehr wert als die DAX-Unternehmen zusammen. Warum schaffen wir es nicht, in diese Liga vorzustoßen?

Neumann: Ich würde den Erfolg eines Unternehmens nicht nur anhand seines Börsenwerts beurteilen. Abgesehen davon ist der unserer Muttergesellschaft General Motors auch nicht gerade zu verachten. Aber es stimmt schon, die Entwicklung der genannten Firmen ist natürlich sehr beeindruckend. Aus meiner Sicht gibt es für den Siegeszug von Google und Co sehr viele verschiedene Gründe. Eine zentrale Rolle spielt sicherlich die Anziehungskraft des Silicon Valley, in dem sich über Jahrzehnte eine sehr fruchtbare Gründerkultur entwickelt hat. Hier treffen Genies auf Visionäre, um sich auszutauschen und neuartige Ideen mit viel Mut auf den Weg zu bringen. Außerdem glaube ich, dass der große Erfolg der genannten Firmen auch darauf zurückzuführen ist, dass die Menschen mit Optimismus vorangehen und eher Chancen als Risiken sehen. Daran könnten wir uns manchmal ein Stück weit ein Beispiel nehmen. Und an der höheren Geschwindigkeit. Das gilt gerade für die Automobilindustrie, die von sehr langen Zyklen geprägt ist.

Der digitale Wandel trifft auch die Gesellschaft. Welche sozialen und politischen Herausforderungen sehen Sie in den nächsten Jahren?

Neumann: Auch ich habe keine Glaskugel. Wer hat vor fünf Jahren die Flüchtlingsproblematik in Europa vorhergesagt? Oder den Brexit? Die Taktung, in der es zu umbruchartigen Veränderungen kommt, ist sehr hoch geworden. Ich wage mal die alles andere als kühne Prognose, dass uns diese Veränderungsgeschwindigkeit erhalten bleiben wird. Und keine Frage, die politischen und sozialen Herausforderungen werden in den kommenden Jahren eher größer werden.

Was tun Sie in Ihrem Unternehmen, um das Innovationsklima zu fördern?

Neumann: Wir haben eine konzernweite Initiative namens „Operational Excellence“, mit der wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermuntern, Verbesserungsvorschläge einzubringen. Ideen können von überall her kommen – von der Fertigung, aus dem Design, der IT oder aus dem Entwicklungszentrum. Ich bin überzeugt, dass man ambitionierte Ziele nur erreichen kann, wenn alle Mitarbeiter an der ständigen Verbesserung der Organisation arbeiten. Deshalb setzen wir bei Opel nicht auf einen einzigen Chief Innovation Officer, sondern auf mehr als 35.000 Ideengeber. Außerdem kommen unsere Mitarbeiter regelmäßig auf unseren internen „Innovation Fridays“ und in Innovationsworkshops zusammen – hier werden neue Ideen präsentiert, diskutiert und gemeinsam weiterentwickelt. Nicht zuletzt laden wir regelmäßig Mitarbeiter zu Treffen mit den Mitgliedern der Geschäftsleitung ein. So geben wir ihnen die Chance, hierarchieübergreifend Ideen einzubringen und direkt mit der Geschäftsführung über aktuelle Projekte und Herausforderungen zu diskutieren. Denn jeder Mitarbeiter sieht die Arbeit anders. Jede Perspektive kann von unschätzbarem Wert sein.

Was muss sich in Ihrem Unternehmen ändern, um dem Wandel begegnen zu können? Braucht es eine neue Fehlerkultur?

Neumann: Opel hat in den vergangenen Jahren „umgeparkt“. Das gilt nicht nur fürs Marketing, sondern für die gesamte Organisation. Wir sind heute viel flexibler und schneller. Außerdem denken unsere Mitarbeiter viel unternehmerischer, übernehmen mehr Verantwortung. Zu einem solchen Prozess gehört es natürlich auch, dass einmal Fehler passieren. Wichtig ist, sich diese einzugestehen und es das nächste Mal besser zu machen. Ich sehe unsere Organisation gut gerüstet für die Zukunft.

Teil 1: Bleib auf der Überholspur

Teil 2: „Wir sind heute viel flexibler und schneller“

Teil 3: „Wir Automobilhersteller müssen schneller und beweglicher werden“

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