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Hamburg, 19.05.2017

Teil 2: „Deutschland hat nach wie vor keine Start-up-Kultur“

 

Dr. Ingeborg Hochmair: Zusammen mit ihrem Ehemann Erwin Hochmair entwickelte sie das weltweit erste elektronische Mehrkanal-Cochlea-Implantat. 1990 gündeten sie das Medizintechnik-Unternehmen MED-EL (Foto: MEDL-EL)

Inwieweit bringen deutsche Hochschulen in ausreichendem Maß Top-Nachwuchskräfte hervor, die eine Transformation von Unternehmen vorantreiben oder über Start-ups digitale Impulse setzen können?
Hochmair: Deutschland hat nach wie vor keine Start-up-Kultur, die man zum Beispiel mit der, des Silicon Valley vergleichen kann. Dabei sieht es im Bereich Nachwuchskräfte recht positiv aus. Zum einen gibt es eine hohe Anzahl an Studierenden, die sich für MINT-Fächer interessieren, und auch die Qualität der Ausbildung ist sehr gut. Da Innovationen vor allem im Bereich der Digitalisierung häufig eben nicht in großen Konzernen stattfinden, sondern in aufstrebenden Start-ups, sollte Deutschland Hemmnisse und Hürden für Gründer nach Möglichkeit abbauen.  

Welche digitale Innovation wird Ihr Unternehmen am stärksten verändern?
Hochmair:
In der Medizintechnik herrscht eine extrem hohe Entwicklungsintensität, und der Bereich profitiert oft stark von den Entwicklungen auf dem IT-Sektor. Derzeit beschäftigen wir uns stark mit den Themen Mobility und Internet of Things – es ist zu erwarten, dass sich hier auch für MED-EL ein neues Spektrum an Möglichkeiten eröffnen wird. Unser Ziel ist es, die Technologie unserer Hörimplantate künftig so nutzbar zu machen, dass sich unsere Kunden selbst am besten helfen können.

Welches sind die größten Triebfedern der Transformation in Ihrem Unternehmen?
Hochmair: Uns hat schon immer die Leidenschaft angetrieben, die besten Lösungen für unsere Kunden zu finden. Das menschliche Gehör wieder herzustellen, ist auch nach so vielen Jahren ein überaus faszinierendes und spannendes Gebiet. Der Drang, die Lebensqualität tauber Menschen zu verbessern, lässt mich persönlich und auch meine Mitarbeiter nicht los. In vielerlei Hinsicht hat unsere Arbeit gerade erst begonnen. Der technologische Fortschritt hat unsere Forschung unglaublich beschleunigt und so stehen wir kurz vor Durchbrüchen, von denen wir vor wenigen Jahren nicht einmal zu träumen gewagt hätten.

Wie begegnet Ihr Unternehmen zweifelnden Mitarbeitern, um diese für die Digitalisierung zu befähigen und zu motivieren? Welche systemischen Widerstände gilt es zu überwinden?
Hochmair: Hier kann ich aus einer sehr komfortablen Position heraus antworten, denn wir sind ein großes Team aus innovativen und kreativen Köpfen – die Neugier treibt uns an, und es gibt keinen grundsätzlichen Widerstand gegen die Digitalisierung. In einer so offenen Atmosphäre ist es natürlich leichter, neue Technologien einzuführen. Gelegentlich geht es also nur noch darum, aufzuklären und Mitarbeiter gezielt zu befähigen, mit einer neuen Technologie umzugehen.

Welchen digitalen Fußabdruck möchten Sie setzen – welches Digitalprojekt schieben Sie persönlich an?
Hochmair: Das Internet of Things verschafft uns Zugang zu immer neuen Räumen, in denen wir agieren können. Unser Ziel ist es, die Technologie unserer Hörimplantate künftig so nutzbar zu machen, dass sich unsere Kunden selbst am besten helfen können.

Teil 1: Motor der Medizin

Teil 2: „Deutschland hat nach wie vor keine Start-up-Kultur“

Teil 3: „Die zahlreichen Facetten des menschlichen Hörsinns“

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