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Hamburg, 19.05.2017

Motor der Medizin 

Dr. Ingeborg Hochmair, Gründerin und CEO des Hörimplantate-Herstellers MED-EL, verrät, warum der digitale Fortschritt die Medizintechnik revolutionieren wird.


Besser hören: Das Synchrony-Cochlea-Implantat von MED-EL (Bild: Niklas Hughes)

Sie ist Gewinnerin des renommierten Lasker-Awards, des amerikanischen Medizin-Nobelpreises. Ihre Forschung hat das Leben Hunderttausender Menschen verändert. Dr. Ingeborg Hochmair, Gründerin von MED-EL, dem weltweit führenden Anbieter implantierbarer Hörsysteme, treibt Innovationen in der Medizintechnik global voran.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Im deutschsprachigen Raum findet technologischer Wandel eher evolutionär als revolutionär statt. Ist das im Vergleich zur US-Dynamik zukunftsfähig?
Ingeborg Hochmair:
Ich bin davon überzeugt, dass beide Aspekte wichtig sind. Der technologische Wandel ist derzeit häufig auf Optimierung und Wachstum ausgelegt. Es ist aber essenziell, immer wieder neue Impulse zu setzen. Sie können Branchen nachhaltig verändern – wer nicht ständig am Ball bleibt, wird schnell abgehängt.

Wie können wir unsere Systeme stärken, um die steigenden IT- Risiken in einer digitalisierten Gesellschaft, etwa durch Betriebsspionage, Hacker-Attacken oder Negativkampagnen, abzuwehren? Inwieweit können deutsche Unternehmen in diesem Umfeld eine führende Rolle einnehmen?
Hochmair: IT-Sicherheit darf nicht nur auf dem Papier existieren. Die Rolle der CIOs in den Unternehmen hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Sie kennen die aktuellsten Entwicklungen, Gefahren und Lösungen und machen Unternehmen mit ihrer Expertise sicherer. Es gibt bereits viele sehr gute Technologien, die aber noch zu wenig eingesetzt werden. Dabei müssen diese Schutzmaßnahmen nicht einmal teuer sein. Aber es geht auch über reine Sicherheitsprodukte und Firewalls hinaus: In einer modernen Unternehmenskultur werden die Mitarbeiter Teil des Sicherheitskonzepts und fühlen sich mitverantwortlich. Neben ihrem Handeln im Namen des Unternehmens betrifft das zum Beispiel auch den Umgang mit Social Media im privaten Bereich.

Wie nehmen wir das Gros der Gesellschaft in die digitale Welt mit?
Hochmair:
Digitalisierung darf kein Eliteprojekt sein, sondern sollte als etwas verstanden werden, von dem die gesamte Gesellschaft profitiert. Wird hier konsequent auf Transparenz und Sinnhaftigkeit geachtet, fördert das eine breite Akzeptanz. Im Fokus sollten Kinder und Jugendliche stehen, denn sie werden ihr Wissen mit in die Zukunft tragen.

Bieten uns die strengen europäischen Rahmenbedingungen für den Datenschutz einen Vorteil? Hochmair: Die Daten bieten Unternehmen eine Chance, noch näher am Kunden zu sein. Doch gleichzeitig ist in der Kundenbeziehung das Vertrauen absolut essenziell – vor allem wenn sie den eigenen Gesundheitszustand betreffen.

Teil 1: Motor der Medizin

Teil 2: „Deutschland hat nach wie vor keine Start-up-Kultur“

Teil 3: „Die zahlreichen Facetten des menschlichen Hörsinns“

 

 

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