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Teil 2: „Wer den ausgetretenen Weg verlässt, der wird auch Fehler machen“

 

Der gebürtige Hamburger Dr. Frank Appel ist seit 2000 für die Deutsche Post DHL Group tätig, wurde 2002 Vorstandsmitglied. Seit Februar 2008 führt Appel den Logistikkonzern als Vorstandsvorsitzender (Foto: PR)

Glauben Sie, dass unsere Politiker die Herausforderungen der Zukunft richtig einschätzen?

Appel: Viele Politiker haben die Tragweite der aktuellen Entwicklungen erkannt. Trotzdem bleibt der politische Prozess noch häufig hinter den sprunghaft wachsenden technischen Möglichkeiten zurück – zum Beispiel, wenn es momentan darum geht, die rechtlichen Voraussetzungen für autonomes Fahren oder den Einsatz von Drohnen zu schaffen. Bis zu einem gewissen Grad ist dies sicher unvermeidbar, damit die Regelwerke dauerhaft Bestand haben. Mir persönlich ist ein Gesetz mit Augenmaß lieber als eines, das mit heißer Nadel gestrickt wurde. Doch dürfen wir eines nicht vergessen: Wenn wir mehr Dynamik wollen, brauchen wir einen Rahmen, der offen bleibt und genug Freiräume erlaubt.

Welche Innovation Ihres Hauses ist wegweisend?

Appel: Innovation bedeutet für uns, unser Angebot für die Kunden permanent zu verbessern – aktuell zum Beispiel, indem wir die „letzte Meile“ mit innovativen Lieferservices von Packstationen über Paketkästen bis hin zur Kofferraumzustellung, so individuell und flexibel wie möglich gestalten.

Was tun Sie zur Förderung des Innovationsklimas?

Appel: Wir probieren vieles aus und akzeptieren dabei auch, gelegentlich zu scheitern. Damit sind wir bislang gut gefahren. Zuletzt haben wir sogar ein elektrisches Zustellfahrzeug – den StreetScooter – selbst entwickelt. Er wird jetzt in Serie produziert. In unseren beiden Innovationszentren in Deutschland und Singapur vernetzen wir uns zudem mit Partnern aus Industrie und Forschung, um gemeinsam an Innovationsthemen zu arbeiten.

Was muss sich in Ihrem Unternehmen ändern, um dem Wandel begegnen zu können? Braucht es eine neue Fehlerkultur?

Appel: Der Umgang mit Fehlern ist absolut erfolgskritisch – auch für uns. Denn wer den ausgetretenen Weg verlässt, der wird auch Fehler machen. Das ist unvermeidlich. Entscheidend ist daher nicht, Fehler um jeden Preis zu vermeiden, sondern sie rechtzeitig zu erkennen und sie schnell auszubügeln. Vor allem müssen wir solche Situationen als Lernchance sehen und die richtigen Schlüsse ziehen. Ich finde es übrigens auch für die Innovationskraft unserer Gesellschaft fatal, wenn Fehler zum Stigma werden und zum Beispiel eine gescheiterte Existenzgründung dem Gründer wie ein Mühlstein um den Hals hängt.

Ausblick 2020: Welche Chancen und Risiken erwarten Sie für Ihre Branche? Glauben Sie, dass ein Angreifer mit einem disruptiven Geschäftsmodell Ihre Branche durcheinander wirbeln wird?

Appel: Man weiß das nie. Ich glaube allerdings, dass vieles, was in der Logistik unter dem Stichwort Disruption gehandelt wird, nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde – zumindest momentan. Aber natürlich beobachten wir sehr genau, wohin sich die Märkte entwickeln. So dürfte zum Beispiel das Thema Nachhaltigkeit auch in Zukunft eine konstant wachsende Rolle spielen. Wir wissen, dass wir auf Dauer nur dann im Geschäft bleiben, wenn wir die sich wandelnden Bedürfnisse unserer Kunden weiterhin genau kennen. Wir haben den Anspruch, ihnen die beste Qualität anzubieten und bei Innovationen führend zu bleiben. Daher testen wir vieles – vom 3D-Druck über Datenbrillen und Drohnen bis hin zu Elektromobilität und Robotik. Dies hilft uns, kontinuierlich besser zu werden und die Auswirkungen neuer Technologien umfassend einzuschätzen.

 

 

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