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Hamburg, 13.03.2017

Teil 2: Big Data mit Mehrwert

 

Dr. Robert Mayr: Seit dem 1. April 2016 ist Robert Mayr Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Datev, im Vorstand war er seit 2011 tätig. Mayr ist erst der dritte Vorstandsvorsitzende in der 50-jährigen Geschichte des Unternehmens

Welche Wege und Strategien sind erforderlich, um das Gros der Gesellschaft an den Vorteilen der Digitalisierung partizipieren zu lassen und niemanden auszuschließen?

Mayr: Bis unsere Gesellschaft umfassend von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren kann, bedarf es noch gehöriger technischer und auch gesellschaftspolitischer Anstrengungen. Auf technischer Seite ist die Verfügbarkeit von schnellem Internet noch nicht ausreichend. Zudem müssen Konzepte und Lösungen her, wie sich zwar eine Vielzahl an Daten erheben und zum übergeordneten Wohl auswerten lässt, dabei aber sichergestellt ist, dass die Privatsphäre des Einzelnen gewahrt bleibt. Gesellschaftspolitisch sind die Förderung der Digitalkompetenz sowie die Unterstützung von Unternehmen bei der Finanzierung ihrer Investitionen in die Digitalisierung maßgebliche Stellschrauben. Denn nur wenn die Unternehmen digitale Angebote schaffen, können diese der Gesellschaft auch Nutzen bringen. Außerdem müssen eindeutige rechtliche Rahmenbedingungen zu Haftungsfragen geschaffen werden, wenn es um Themen wie das autonome Fahren geht.

Inwieweit bringen deutsche Hochschulen in ausreichendem Maß Top-Nachwuchskräfte hervor, die eine Transformation von Unternehmen vorantreiben oder über Start-ups digitale Impulse setzen können?

Mayr: Ob sich aus einem jungen Talent auch eine Top-Nachwuchskraft entwickelt, dafür spielen viele persönliche Faktoren eine Rolle. Wichtig ist, dass Hochschulen bereits während des Studiums praktische Kenntnisse vermitteln und Fähigkeiten trainieren. Das ist sicher noch ausbaufähig. Die Wirtschaft kann den Bildungseinrichtungen aber auch gut dabei helfen. Wir als DATEV zum Beispiel unterstützen Hochschulen im Rahmen unserer umfangreichen Bildungspartnerschaft. So werden die Studierenden schon während der Ausbildung an die Software herangeführt, mit der sie später im Job arbeiten. Sie können sogar einen sogenannten DATEV-Führerschein erwerben, der diese Kenntnisse belegt. Die praxisnah ausgebildeten Absolventen können dann später auch in den Unternehmen schneller und konkreter die notwendigen Transformationsprozesse treiben.

Welche digitale Innovation wird Ihr Unternehmen am stärksten verändern?

Mayr: Wir stehen erst am Anfang der digitalen Revolution. Insbesondere Big Data, Cognitive Computing und „Intelligente Netze“ werden Art, Umfang und Qualität der Aufbereitung und Bereitstellung von Daten noch erheblich verändern. Als Treiber der digitalen Transformation sind wir gefordert, Lösungen bereitzustellen, die in Echtzeit große Datenmengen durchforsten und daraus genau diejenigen Informationen herausfiltern, die der steuerliche Berater und seine Mandanten gerade benötigen. Auf dieser Grundlage können dann geschäftliche Entscheidungen getroffen werden – selbstverständlich immer im Rahmen des Datenschutzrechts.

Welches sind die größten Triebfedern der Transformation in Ihrem Unternehmen?

Mayr: Die Anpassung von Innovationen an die Bedürfnisse unserer Mitglieder und ihrer Mandanten ist die Grundlage für den Erfolg der DATEV. Wir sehen sowohl für uns als auch für unsere Kunden hervorragende Chancen in den neuen Möglichkeiten. Dem stellen wir uns auch intern und nutzen beispielsweise zahlreiche Plattformen für hierarchiefreie und spielerische Ideenentwicklung. Mittlerweile gibt es allein in unserem Entwicklungsbereich über 20 Communities für den informellen Austausch der Mitarbeiter untereinander. Für disruptive strategische Projekte haben wir das DATEV Lab ins Leben gerufen. Dort werden bereichsübergreifend in Start-up-Atmosphäre Ideen schnell und kreativ ausgearbeitet. Um alle diese internen Prozesse am Ende zentral zu koordinieren, haben wir schließlich eine neue Hauptabteilung mit einem Chief Transformation Officer geschaffen.

Wie begegnet Ihr Unternehmen zweifelnden Mitarbeitern, um diese für die Digitalisierung zu befähigen und zu motivieren? Welche systemischen Widerstände gilt es zu überwinden?

Mayr: Für die DATEV war die Digitalisierung von Prozessen und die Anpassung an technische Entwicklungen schon immer Tagesgeschäft. Daher sind wir grundsätzlich gut auf Veränderungen eingestellt. Befähigt werden unsere Mitarbeiter durch ebenso umfassende wie individuelle Weiterbildungsprogramme. Wichtig ist aber, dass wir künftig noch agiler und hierarchiefreier zusammenarbeiten, um mehr Kreativität freizusetzen und Innovation im Unternehmen zu ermöglichen. Schließlich haben wir über 7.000 Experten und kreative Köpfe im Unternehmen, deren Potenzial wir zum Wohle unserer Mitglieder und Kunden soweit wie möglich nutzen wollen.

Teil 1: Big Data mit Mehrwert

Teil 2: Big Data mit Mehrwert

Teil 3: Big Data mit Mehrwert

 

 

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