Hamburg, 13.03.2017

Big Data mit Mehrwert

Datev-CEO Dr. Robert Mayr über die Bedeutung von Cloud-Diensten und -Anwendungen, die Echtzeitanalyse von Datenmassen und den digitalen Neustart.

Höchste Priorität: Die Datev will mit Big Data ihre Mitglieder unterstützen (Bild: Niklas Hughes)

 

Die Datev entstand 1966, um Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten die Möglichkeiten der EDV zu erschließen. Seit ihrer Gründung ist die Genossenschaft ein wichtiger Pionier der Digitalisierung betriebswirtschaftlicher Abläufe und gemeinsam mit ihren Mitgliedern ein wesentlicher Partner des Mittelstands.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: In Deutschland findet technologischer Wandel eher evolutionär statt, nicht revolutionär. Wie schätzen Sie dies ein?

Dr. Robert Mayr: Unsere Gesellschaft und die Unternehmenslandschaft sind zu vielschichtig, um das pauschal zu bewerten. Ein Imbissbetreiber wird sich in einem anderen Tempo entwickeln müssen als ein international agierendes Handelsunternehmen. Die Digitalisierung bringt aber definitiv überall disruptive Veränderungen mit sich. Unternehmen, die diese schnell in Geschäftschancen verwandeln können, werden davon nachhaltig profitieren. Denn durch Digitalisierung und fortschreitende Automatisierung werden zum Beispiel bei administrativen Tätigkeiten die manuellen Arbeitsprozesse zurückgehen, wenn nicht gar ganz verschwinden.

Und das bedeutet?

Mayr: Unternehmen, deren Wertschöpfung viele manuelle Prozesse beinhaltet, müssen nicht nur ihre Arbeitsabläufe anpassen. Es dürfte unabdingbar sein, sich auch neue Geschäftsfelder zu erschließen. Diese Unternehmen haben eher einen koordinierten Reset als eine Kurskorrektur vor sich, wenn sie erfolgreich am Markt bestehen wollen.

Wie können wir unsere Systeme stärken, um die steigenden IT-Risiken in einer digitalisierten Gesellschaft, etwa durch Betriebsspionage, Hacker-Attacken oder Negativkampagnen, abzuwehren? Inwieweit können deutsche Unternehmen in diesem Umfeld eine führende Rolle einnehmen?

Mayr: Die Sicherheit der IT-Infrastruktur sowie der Daten zählt zu den entscheidenden Grundlagen für die erfolgreiche Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. In Deutschland haben wir bereits eine hohe Sensibilität sowie enge rechtliche Vorgaben für den Schutz von Daten. Bei der IT-Sicherheit müssen wir uns aber immer vor Augen halten, dass es absolute Sicherheit – wie in der analogen Welt – auch digital nicht gibt. Dies gilt insbesondere angesichts zunehmender und auch professionell organisierter Kriminalität im Netz. Technologien für Zugriffskontrolle, Anonymisierung, Pseudonymisierung und Verschlüsselung können einen wirksamen Schutz gewährleisten, wenn sie regelmäßig aktualisiert und angepasst werden. Auch die zunehmende Nutzung von Cloud-Services ist aus dem Blickwinkel der IT-Sicherheit sogar positiv zu bewerten. Schließlich kann ein Dienstleister mit seiner zentral betriebenen, professionellen Rechenzentrums-Infrastruktur ein viel höheres Schutzniveau bieten, als es ein mittelständisches Unternehmen normalerweise selbst erreichen kann. Und es muss auch der Faktor Mensch berücksichtigt werden: Unternehmen sollten die wachsende Gefahr des Social Engineering kennen und ihre Mitarbeiter dafür sensibilisieren. Leider haben Kriminelle mit gut vorbereiteten Anrufen oder E-Mails in der Vergangenheit immer wieder Schaden anrichten beziehungsweise sich sensible Informationen oder Geld ergaunern können.

In den USA und Asien werden ohne viele Einschränkungen Benutzerdaten gesammelt und verwertet, in Europa gibt es die „Charta der digitalen Grundrechte” für Datenschutz und Privatsphäre. Wie lassen sich die hiesigen Rahmenbedingungen als Vorteil nutzen?

Mayr: Die vergleichsweise strengen deutschen und europarechtlichen Regelungen sind auf jeden Fall ein Pluspunkt, wenn es darum geht, das Vertrauen in digitale Prozesse zu stärken. Insofern können sie dabei helfen, die Digitalisierung voranzutreiben. Nicht zuletzt die Spionageskandale rund um Prism und Co. haben dazu geführt, dass auch globale Unternehmen beispielsweise bei der Nutzung von Cloud-Diensten sehr genau darauf achten, wo sich die Server befinden, auf denen sie ihre Daten und Anwendungen betreiben sollen. Für Anbieter deutscher Clouds ist dies eine klare Marktchance und sie sollten diesen Vorteil auch selbstbewusst noch stärker herausstellen.

Teil 1: Big Data mit Mehrwert

Teil 2: Big Data mit Mehrwert

Teil 3: Big Data mit Mehrwert

 

 

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