Hamburg, 13.03.2017

Die Standards setzen

Dr. Dirk Stenkamp, Vorstandsvorsitzender der TÜV NORD GROUP, appelliert an die Eigenverantwortung von Unternehmen, „IT-ready“ zu werden.

IT- und Datensicherheit: Die TÜV NORD GROUP will Sicherheitsstandards weltweit forcieren (Bild: Niklas Hughes)

Die Digitalisierung wird zu einer Erweiterung der Dienstleistungen des TÜV NORD führen, dessen ist sich CEO Dirk Stenkamp sicher. Sein Motto lautet daher: Immer vorwärts für die Sicherheit.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Teilen Sie die Einschätzung, Deutschland habe in puncto Digitalisierung noch einiges Aufholpotenzial?

Dirk Stenkamp: Viele reden vom Silicon Valley und sind dorthin gepilgert, um sich inspirieren zu lassen. Ich habe Zweifel, ob das wirklich hilft. Ich selbst jedenfalls bin begeisterter Anhänger von 'Made in Germany'. Wir verstehen die Basistechnologien der Industrie 4.0 und sind Exportweltmeister für Automatisierungsprodukte. Wir haben mit Fraunhofer, Max-Planck, Helmholtz, Leibniz und unseren Universitäten eine der besten Forschungslandschaften weltweit. Wir kennen und können Sicherheit und Qualitätssicherung. Und wir beherrschen die entsprechenden Standardisierungen und Normungen.

Was bringt die Zukunft in Sachen IT-Sicherheit?

Stenkamp: Deutschland hat einen hervorragenden Ruf für Sicherheit und Qualität. Deshalb sollten wir weltweit führend sein im Setzen der Standards für Datenschutz und sichere IT-Infrastrukturen. Das deutsche IT-Sicherheitsgesetz mit den darin verankerten Sicherheitsanforderungen an kritische Infrastrukturen wie zum Beispiel Energieversorger, Banken, Telekommunikation und Transport bildet eine hervorragende Grundlage. Viele Unternehmen investieren bereits in ihre Daten- und IT-Sicherheit und schulen ihre Beschäftigten.

In den USA und Asien werden ohne viele Einschränkungen Benutzerdaten gesammelt und verwertet, in Europa gibt es die „Charta der digitalen Grundrechte“ für Datenschutz und Privatsphäre. Wie lassen sich die hiesigen Rahmenbedingungen als Vorteil nutzen?

Stenkamp: Ein hohes Bewusstsein für Datenschutz und Privatsphäre wird sich am Ende als Wettbewerbsvorteil erweisen. Die gesellschaftliche Akzeptanz für die Digitalisierung wird nur über Vertrauen wachsen. Das gilt besonders in Deutschland, dem Land der Datensparsamkeit. Die Sicherheit der generierten Daten muss bereits bei deren Entwicklung eine Rolle spielen. Zugleich muss Technik von vornherein so angelegt werden, dass die Privatsphäre geschützt wird und Anwender die Kontrolle über die eigenen Informationen behalten. Für all das braucht es mehr denn je unabhängige Drittprüfungen durch den TÜV.

Welche Wege und Strategien sind erforderlich, um das Gros der Gesellschaft an den Vorteilen der Digitalisierung partizipieren zu lassen und niemanden auszuschließen?

Stenkamp: Bildung ist der Schlüssel, um die großen Chancen der Digitalisierung nutzen zu können. Das beginnt in der Schule, wo der Umgang mit Computern oder Programmierkurse noch längst nicht die Regel sind. Für die Realisierung des Internets der Dinge sind schnelle und mobile Internetverbindungen auch außerhalb der großen Städte unabdingbar. Autonomes Fahren, Industrie 4.0 oder E-Health generieren große Datenmengen, die in Echtzeit verarbeitet werden müssen. Dafür benötigen wir schnellstmöglich den neuen Mobilfunkstandard 5G.

Teil 1: Die Standards setzen

Teil 2: Mitarbeiter als Triebfedern der Transformation

Teil 3: Digitale Kommunikation ist Topthema

 

 

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