Hamburg, 13.03.2017

Sicher in die Zukunft

SAP zählt zu den ganz großen Playern im Softwaregeschäft. Dr. Daniel Holz, Managing Director SAP Deutschland, über aktuelle und anstehende IT-Meilensteine.

Welt voller Daten: SAPs HANA-Plattform ist ihr gewachsen (Bild: Niklas Hughes)

Nur eine Handvoll deutscher Unternehmen spielt in derselben Liga wie Alphabet, Facebook und Co. SAP ist eines von ihnen. Dr. Daniel Holz, Deutschlandchef von SAP, über IT-Sicherheit, Nachwuchsförderung und die nächste große Entwicklungsstufe.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: In Deutschland haben technologischer Wandel und Innovation in der Regel eher evolutionär und nicht revolutionär stattgefunden: Peu à peu werden Produkte günstiger, effizienter und besser. Ist das der deutsche Weg oder sind wir zu wenig disruptiv für die Zukunft?

Dr. Daniel Holz: Ob die Deutschen generell zu einer eher evolutionären Entwicklung neigen, vermag ich nicht zu beurteilen. Man kann allerdings festhalten, dass es weniger revolutionär ist, wie der digitale Wandel in Deutschland von statten geht. Es gibt eine gewisse Skepsis. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein. Es kann auch dafür stehen, dass Innovationen den Alltag der Menschen behutsam verändern. Für die Unternehmen würde man hier natürlich andere Maßstäbe anlegen. Tatsächlich wäre eine stringentere und konsequentere Förderung von Start-ups mit disruptivem Potenzial insgesamt wünschenswert. Auf der anderen Seite wächst die Zahl der entsprechenden Hubs in deutschen Städten kontinuierlich – und auch die großen Player sollten nicht darin unterschätzt werden, wie sie die Digitalisierung in Deutschland vorantreiben. Es gibt natürlich immer Dinge, die besser gemacht werden können, allerdings wäre ich mit Aussagen wie 'zu wenig disruptiv für die Zukunft' eher vorsichtig.

Wirtschaft und Gesellschaft werden digitaler. Wie ist es dabei um die Sicherheit bestellt?

Holz: Die Risiken werden über die Zeit sicher nicht weniger, mit fortschreitender technischer Entwicklung verändern sie sich aber immer wieder. SAP hat sich die Sicherheit sensibler Informationen ins Stammbuch geschrieben. Unsere Cloud-Software weist modernste Sicherheitsmechanismen auf. Neben Datendiebstahl im Rahmen von Spionage können auch 'Fake News' und Negativkampagnen ernsthaften persönlichen und wirtschaftlichen Schaden anrichten. Wer bereits bei der Entwicklung von IT-Lösungen auch diese Herausforderungen beachtet, kann sich hier deutlich besser aufstellen.

In den USA und Asien werden ohne viele Einschränkungen Benutzerdaten gesammelt und verwertet, in Europa gibt es die 'Charta der digitalen Grundrechte' für Datenschutz und Privatsphäre. Beschreiten wir damit in digitalen Zeiten eher den Holz-­ oder den Königsweg?

Holz: Das ist schwierig zu beurteilen, denn wer will das entscheiden? Die Charta der digitalen Grundrechte hat zweifelsohne ihre ethische und politische Berechtigung. Es wäre ein Fehler, das alles der Geschwindigkeit des Fortschritts zu opfern. Das bedeutet nicht, dass daraus nicht auch Nachteile entstehen können – selbst für diejenigen, um deren Schutz es hier geht. Wie meistens kommt es auf das richtige Augenmaß und die optimale Balance zwischen individueller Integrität und kollektivem Nutzen an. Eine ungehemmte Datensammelei darf es dabei genauso wenig geben wie eine inakzeptable Behinderung der technischen Entwicklung durch ideologisch-fundamentalistische Positionen. Die Gefahr sehe ich in Deutschland aber nicht.

Welche Wege und Strategien sind erforderlich, um die gesamte oder zumindest das Gros der Gesellschaft an den Vorteilen der Digitalisierung partizipieren zu lassen und niemanden auszuschließen?

Holz: Tatsächlich fürchten heute viele Menschen, von der Digitalisierung abgehängt zu werden. Auf keinen Fall darf man darüber hinweggehen und die Ängste nicht erstnehmen. Erstens, weil sie nicht unberechtigt sind. Und zweitens, weil Angst nicht nur ein schlechter Ratgeber ist, sondern auch zur Treibfeder von Verweigerung und Desintegration werden kann. Umso wichtiger ist es, die Vorteile der Digitalisierung in der Breite wirken zu lassen – und das auch entsprechend zu kommunizieren. Es braucht Konzepte, wie alle Menschen in die digitalisierte Wirtschaft integriert werden können. In erster Linie ist das Aufgabe der Politik, aber die Unternehmen können und sollen ihren Teil dazu leisten. Konkret bedeutet das vor allem eines: mehr und noch mehr Aus- und Weiterbildung sowie den echten Willen, möglichst niemanden zurückzulassen. Es gibt genügend Bereiche, in denen der Mensch auf absehbare Zeit nicht ersetzt werden kann. Jetzt muss es darum gehen, die Leute erstens aufmerksam darauf und zweitens fit dafür zu machen.

Teil 1: Sicher in die Zukunft

Teil 2: "Programmieren als selbstverständliche Fähigkeit sehen"

Teil 3: "Soziale Netzwerke keinesfalls unterschätzen"

Teil 4: "Persönliche Beziehungen haben stärkere Bedeutung als digitale Botschaften"

 

 

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