Hamburg, 19.05.2017

Smarte Lösungen finden

Christoph Schmallenbach, CEO der AachenMünchener, will über digitale Prozesse Risiken minimieren und Produkte wie Services auf Kunden zuschneidern.

 

Sicher im Smart Home: Versicherungslösungen für das vernetzte Heim (Bild: Niklas Hughes)

 

Branchenintern wird gerne diskutiert, ob die deutschen Versicherer nicht arg spät auf den Digitalisierungszug aufspringen. Christoph Schmallenbach, CEO der zur Generali in Deutschland gehörenden AachenMünchener, hält dagegen. Er sieht seine Gruppe als Vorreiter im digitalen Transformationsprozess. Im Bildungssystem hingegen macht er Nachholbedarf aus und fordert, dass dieses möglichst rasch die Menschen besser auf die Nutzung digitaler Medien vorbereiten muss.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: In Deutschland findet technologischer Wandel oft evolutionär und nicht revolutionär statt. Ist das der deutsche Weg, oder sind wir zu wenig disruptiv für die Zukunft?
Christoph Schmallenbach:
Disruptive Innovation bedeutet ja, dass bestehende Marktstrukturen nicht erhalten, sondern zerstört werden sollen. Das passt nur schwer zu unserer Mentalität. Die einheimische Industrie ist bekannt dafür, dass sie Bestehendes immer weiter perfektioniert. Auf der einen Seite sind wir Weltmeister in der Produktion hoch technisierter und erstklassiger Maschinen. Andererseits hat man das Gefühl, dass die nächsten Entwicklungsstufen immer nur ein „noch besser“ zum Ziel haben. Und: Die wesentlichen Entwicklungen werden von den großen, etablierten Unternehmen geführt. Schaut man sich die internationalen Märkte an, dann sitzen die Innovationskerne für Disruption vor allem in der Start-up-Industrie. Und die scheint mir – anders als zum Beispiel in Großbritannien, in den USA oder in Südostasien – in Deutschland noch nicht vollends ausgeprägt zu sein. Hinzu kommt: Zwischen traditionellen Unternehmen und Start-ups wird in Deutschland noch zu wenig zusammengearbeitet. Wenn es gelingt, diese Lücke im internationalen Vergleich noch weiter zu schließen, dann werden wir auch in Deutschland unsere Zukunft noch entschlossener und erfolgreicher gestalten können.

Welche Strategien sind erforderlich, um die gesamte oder zumindest das Gros der Gesellschaft an den Vorteilen der Digitalisierung partizipieren zu lassen und niemanden auszuschließen?
Schmallenbach:
Laptops in der Grundschule oder Smartboards an den Klassenwänden reichen nicht aus. Unser Bildungssystem muss die Menschen möglichst schnell noch besser auf die Nutzung der Potenziale digitaler Medien vorbereiten. Das klingt einfach, ist aber nicht banal. Digitale Medien und deren Nutzung sollten fester und integrativer Bestandteil der Schul- und Berufsausbildung sein. Und dazu kommt dann noch, dass wirklich jeder die Möglichkeit haben muss, an der digitalen Entwicklung teilhaben zu können. Das bedeutet auch, dass überall schnelle, leistungsstarke und auch bezahlbare Internetzugänge zu schaffen sind.

 

Teil 1: Smarte Lösungen finden

Teil 2: Smart-Insurance-Offensive

Teil 3: Der Mensch im Mittelpunkt

 

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