Hamburg, 19.05.2017

Teil 5: „Banker aus Leidenschaft“

Arno Walter: Vorstands­vorsitzender der comdirect bank AG (Foto: PR/comdirect bank AG)

Wie sind Sie für den War for Talents aufgestellt?
Walter:
Gerade wenn Sie ein sehr digitales und innovatives Unternehmen sind, stehen Sie gar nicht mehr so sehr im Wettbewerb mit anderen Banken. Wir stehen dafür aber in Konkurrenz mit Technologiefirmen. Gerade im Hamburger Raum ist das eine Herausforderung. Da ist es für manchen eben attraktiver, bei Facebook oder Google zu arbeiten als bei einer Bank. Wie gehen wir dem entgegen? Wir bieten extrem viel an Informationen und Innovationen und auch Möglichkeiten, sich bei uns auszuleben. Sei es zum Beispiel grundsätzlich über die Möglichkeit des mobilen Arbeitens, um private und berufliche Interessen besser zu vereinbaren oder aber in der IT, wo Kollegen sich eine Forschungsauszeit nehmen können, wenn sie etwas programmieren wollen. Unsere Mitarbeiter lernen bei uns Scrumban, also die Kombination der zwei populären agilen Methoden Scrum und Kanban zu einem starken Werkzeug. Unser Vorteil: Als Bank stammen wir aus einem sehr stabilen Umfeld. Im Gegensatz zu manchem Fintech wird es uns in ein paar Jahren vermutlich also immer noch geben. Wir bieten aber auch Input. Über Innovation-Days und Barcamps, wo sich auch die Mitarbeiter engagieren können. Und vergangenes Jahr wurden die Gewinner unseres Ideen-Wettbewerbs nicht mit einem Hundert-Euro-Gutschein prämiert, sondern wir haben sie auf ein Innovation Boot Camp nach London geschickt.

Hat der Wandel um Sie herum Sie persönlich verändert?
Walter:
Tatsächlich gibt es zwei Bereiche, in denen ich mich verändert habe. Das eine ist die Arbeitsmethodik. Ich bin früher noch am Wochenende ins Büro gefahren, um arbeiten zu können, denn so etwas wie Remote-Access gab es nicht. Der Vorteil im Umkehrschluss: wer zuhause war, war dann auch privat. Heute ist es anders, man ist immer online. Aber: Ich leiste mir als Vorstand den Luxus eines Telefons, das ich auf stumm schalte und im Bedarf zurückrufe. Auf der anderen Seite gibt es auch Whatsapp, Facetime oder Facebook, die mir als Wochenend-Pendler eine gigantische Flexibilität verleihen und es ermöglichen, mit der Familie, aber auch Freunden den Kontakt zu halten und an deren Leben teilzunehmen. Die zweite Veränderung ist das Erleben alternativer Lebensplanungen. Heute sehe ich Leute, die angefangen haben zu arbeiten, und nach zwei Jahren entscheiden, ein Sabbatical zu machen oder noch einmal einen Teil ihres Lebens in den USA zu verbringen. Ich bin Banker aus Leidenschaft und in einem anderen Umfeld groß geworden, wo es deutlich wichtiger war, dem Job auch einiges unterzuordnen. Dieser Typus ist heute seltener geworden. Ich sehe beide Lebensmodelle als gleichrangig an. Wenn man aber in die Position eines CEOs gelangen will, könnte es mit dieser alternativen Form schwierig werden. Auf der anderen Seite beneide ich diese Menschen auch, denn auf diese Weise besteht die Chance, die eigenen Träume zu verwirklichen. Vielleicht würde ich heute auch so leben. In meinem Studium hatte ich dieselbe Belastung wie heute: Das Vollzeitstudium plus eine Halbtagstelle in der Bank. Würde ich das noch einmal so machen? Eher nein. Ich würde auch meinen Kindern nicht raten, diesen Weg zu gehen.

Wie halten Sie sich selbst inhaltlich fit?
Walter:
Ich nehme aktiv teil. Wenn wir ein Finanz-Barcamp machen, halte ich selbst eine Session. Ich bin auf Veranstaltungen nicht nur der Grußonkel, sondern gehe in den Dialog. Anderes Beispiel: Jüngst wollte wieder ein neues Fintech in unsere Start-up-Garage einziehen. Dann steige ich selbst in die Bewertungskommission ein und schaue mir das an. Ich bin darüber hinaus ein regelmäßiger Leser von Blogs – schon aus Gründen der inhaltlichen Aktualität.

Teil 1: Ende der Dummheit

Teil 2: Deutschland – König der Optimierer

Teil 3: „Wir haben den Bankkunden emanzipiert“

Teil 4: „In einigen Jahren werden nicht mehr so viele der heutigen Fintechs existieren.“

Teil 5: „Banker aus Leidenschaft“

 

 

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