Hamburg, 13.03.2017

Teil 2: Es muss Grenzen geben

 

Andreas Rickmers: Der Agrarwissenschaftler, Jahrgang 1964, war seit 1991 in verschiedenen Führungspositionen bei Cargill aktiv. Neben Stationen in Deutschland war er auch in Südafrika, in der Ukraine und in der Schweiz tätig. Rickmers ist seit 1. September 2016 Mitglied des Vorstands der Agravis Raiffeisen AG und seit Anfang 2017 deren Vorstandsvorsitzender

 

Bringen deutsche Hochschulen genug Top-Nachwuchskräfte hervor, die eine Transformation von Unternehmen vorantreiben oder über Start-ups digitale Impulse setzen können?

Rickmers: Ich will nicht die gesamte deutsche Hochschullandschaft unter diesem Gesichtspunkt scannen. Ich glaube, es gibt Hochschulen, die auf diesem Gebiet ganz weit vorn sind und wichtigen Input für die digitale Transformation geben können. Andere haben sicher noch Nachholbedarf. Es liegt an den Unternehmen selbst, frühzeitig mit den Top-Leuten an den Unis in Kontakt zu treten und sie für sich und ihr Unternehmen zu gewinnen. Auch das macht erfolgreiches Personal-Recruiting aus.

Welche digitale Innovation wird Ihr Unternehmen am stärksten verändern?

Rickmers: Ich würde hier ungern von der einen digitalen Innovation sprechen. Unter dem Strich werden die digitalen Produkte und Prozesse die AGRAVIS am stärksten verändern, die den größten Kundennutzen bringen, und die geeignet sind, für effizientere Abläufe in unserem großen dezentral organisierten Konzern zu sorgen. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass alles, was sich digitalisieren lässt auch digitalisiert wird. Da stecken dann auch die AGRAVIS-Gruppe viele Chancen, hieraus neue Produkte und Dienstleistungen zu kreieren. Aber am Ende entscheidet der Kunde, ob er solche Produkte und Dienstleistungen annimmt. Bieten sie ihm Mehrwert, klappt es. Digitalisierung um der Digitalisierung willen wird uns nicht weiterhelfen.

 

Welches sind die größten Widerstände gegen die Transformation in Ihrem Unternehmen?

Rickmers: Ich bin seit September 2016 im Unternehmen und trage als CEO seit Januar 2017 bei Agravis die Verantwortung im Vorstandsvorsitz. Mein Eindruck aus dieser Zeit ist: Ja, es gibt hier und da Sorgen und Nöte, aber keine fundamentalen Widerstände gegen die digitale Transformation. Im Gegenteil: Ich habe festgestellt, dass es in der Agravis-Mitarbeiterschaft eine große Bereitschaft gibt, die Chancen, die der digitale Changeprozess bietet, beherzt zu ergreifen. In unserem internen Wachstumsprojekt, das vor knapp zwei Jahren gestartet wurde, spielt Digitalisierung eine große Rolle. Hier wird sparten- und hierarchieübergreifend an neuen Ideen mit mehr Kundennutzen gearbeitet. Also, die Mitarbeiterschaft packt das Thema an – und jeder wird mitgenommen.

 

Wie begegnet Agravis zweifelnden Mitarbeitern, um sie für die Digitalisierung zu befähigen und zu motivieren?

Rickmers: Neben dem genannten Wachstumsprojekt bieten wir allen unseren Mitarbeitern – ob nun zweifelnd oder nicht – individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten an, um sie fit zu machen.

 

Mein Motto: Frei nach dem alten friesischen Wahlspruch „Lever duad as Slav“ („Lieber tot als Sklave“), nur weniger kriegerisch: Man soll sich treu bleiben – auch wenn es mal der schwierigere Weg ist.

 

Teil 1: Es muss Grenzen geben

Teil 2: Es muss Grenzen geben

Teil 3: Es muss Grenzen geben

 

 

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