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Führung sinnvoll gestalten

Pater Dr. Notker Wolf, Oberhaupt der Benediktiner, sagt, was eine gute Führungskraft ausmacht – im Kloster wie im Unternehmen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Sie haben fast Ihr ganzes bisheriges Leben in der Benediktinischen Konföderation verbracht. Heute sind Sie Abtprimas der Benediktiner. Wie würden Sie das Leben im Benediktinerorden beschreiben?
Dr. Notker Wolf: Wir leben zusammen unter einer Ordensregel und einem Abt. Es ist ein Leben in der Gemeinschaft, es geht bei uns also nicht um die private Beziehung zwischen Gott und dem Einzelnen. Unser Grundsatz ist das Teilen, so wie der heilige Benedikt es beschreibt. Wir haben keinen privaten Besitz, kein privates Vermögen. Das Geld, das ich durch meine Lehrtätigkeit oder als Redner verdiene, fleßt in Stipendien für unsere Studierenden oder in die Renovierung unserer Gebäude. Bei den Benediktinern teilen wir alles, das verleiht unserem Leben einen besonderen Sinn.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach eine gute Führungskraft aus?
Dr. Wolf:
Seit 38 Jahren bin ich nun in einer Führungsposition, und ich muss sagen, man lernt immer noch dazu. Neue Generationen wachsen heran, es gibt große Umwälzungen in der Welt. Man muss sich ständig neuen Herausforderungen stellen. Eine Führungsperson sollte deshalb kontinuierlich reflktieren und diskutieren. Der heilige Benedikt hat uns einige Grundsätze zur Führung hinterlassen. Zuallererst muss ein Abt die Persönlichkeit jedes Einzelnen respektieren und sich in ihn hineinversetzen. Er muss seiner Gemeinschaft eine Identität geben, das ist sein Job. Zweitens: Ein Abt kann nicht alles erledigen und nicht alles wissen. Bei jeder wichtigen und schwierigen Entscheidung muss er deshalb die ganze Gemeinschaft einberufen und mit ihr den Sachverhalt diskutieren. Das bedeutet ernsthafte Gespräche und ernsthaftes Zuhören. Erst wenn dies geschehen ist, sollte er eine Entscheidung treffen. Ich würde sagen, dass unser Führungsstil besonders durch das Zuhören geprägt ist

Denken Sie, dass man mit diesem Führungsstil auch erfolgreich ein Unternehmen führt?
Dr. Wolf:
Ja, auf jeden Fall. Ich kenne einen Personalverantwortlichen eines großen Unternehmens, der von Abteilung zu Abteilung ging, um mit den Leuten zu reden. Er fragte sie, wie es ihnen geht und wie ihre Arbeit läuft. Er kontrollierte nicht, sondern zeigte Interesse. Die Moral der Angestellten war unglaublich. Sie erzählten mir: „Dieser Mann gibt uns das Gefühl, dass wir etwas wert sind. Er lässt uns spüren, dass wir eine eigene Identität haben, eine eigene Persönlichkeit.“ Der Manager investierte dafür 60 bis 70 Prozent seiner Zeit – und es hat sich gelohnt.

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