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Handbuch: Unternehmer, die sich für Wachstum entscheiden, finden in „Scaling up“ einen Ratgeber mit praktischen Anleitungen. Die Idee: Mitarbeiter, Strategie, Praxis und Finanzen hängen zusammen und müssen gemeinsam wachsen. Seit 2016 auch auf Deutsch von Nikolay Ladanyi, 306 S., 29,95 Euro, ScaleUp Institut (Bild: PR)

Interview Teil 3

Unterscheidet sich die Art des Wachstums in verschiedenen Teilen der Welt?

Harnish: Nein, das Internet ist der große Gleichmacher. Heute kann man jeden mit jedem vergleichen, die Konkurrenz ist viel größer. Ein Unternehmen kann zerstört werden von einem zwölf Zeitzonen entfernten Start-up, man kann schneller scheitern. Unternehmer müssen global denken, das haben deutsche Mittelständler übrigens den amerikanischen voraus, die bleiben vielfach gedanklich auf ihrem eigenen Kontinent. In den USA finden 20 Prozent der Weltwirtschaft statt, die übrigen 80 Prozent überlassen wir den Niederländern, Deutschen, Chinesen. Wir sind ein Land voller Start-ups, besser wäre ein Land voller Scale-ups.

Stößt unternehmerisches Wachstum nicht irgendwann an seine Grenze?

Harnish: Schauen Sie mal auf das Cover von „Scaling up“: Dort ist eine S-Kurve abgebildet, die zeigt die drei Wachstumsphasen, die Unternehmen genau wie Lebewesen durchlaufen: Erst geht es flach voran, dann immer steiler und ab einem gewissen Punkt wieder flach und am Schluss sogar etwas bergab. Für Unternehmen heißt das: Erst muss das Produkt entwickelt werden, dann erreicht das Unternehmen eine Art Reife, wächst enorm und wird zur Cashcow. Mit dem Geld, das in dieser Zeit verdient wird, muss der nächste Zyklus, die nächste Generation einer Software zum Beispiel, finanziert werden. Die ist dann reif, wenn die aktuelle Version ihren Zenit erreicht hat. Übrigens ist der beste Zeitpunkt für den Verkauf eines Unternehmens, wenn es in der S-Kurve steil bergauf geht und der Unternehmer richtig viel Geld verdient. Dann kann er Kaufinteressenten am besten von seiner Firma überzeugen. Wenn das Wachstum sich wieder verlangsamt, ist es dafür zu spät.

In Ihrem Buch „Scale up“ bieten Sie Arbeitsblätter an, mit denen man skalieren kann. Machen Sie damit nicht Gazellen überflüssig?

Harnish: Ja, man kann viel allein erreichen. Aber man skaliert schneller und es ist einfacher, wenn man einen Coach hat. Außerdem spielt der Austausch eine große Rolle und die gegenseitige Anregung. Der amerikanische Geschäftsmann Bill Campbell zum Beispiel, der vergangenes Jahr gestorben ist, hat Google-Chefs Eric Schmidt und Larry Page sowie Apple-Gründer Jobs gecoacht. Der hatte eine Stimme wie ein Wrestler, sodass alle auf ihn gehört haben. So ein Coach ist durch kein Buch zu ersetzen.

Was passiert mit Unternehmen, die nicht skalieren, sondern mit ihrer aktuellen Größe zufrieden sind?

Harnish: Der Unternehmer darf dann keinesfalls zu viel in seine Firma investieren. Es ist möglich, einen Betrieb so zu führen, dass einfach alles niedrig bleibt. Aber den meisten Unternehmern ist das zu langweilig, das entspricht ihnen einfach nicht.

  

Verne Harnish Teil 1

Verne Harnish Teil 2

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