"Einen ‚Lucky Punch’ gibt es nicht"

Im Boxsport ist Wladimir Klitschko unumstritten Weltspitze. Was aber nur wenige wissen: Einer der erfolgreichsten Schwergewichtler aller Zeiten ist gleichzeitig erfolgreicher Unternehmer.

Die Weichen für seine Karriere nach der Sportlerkarriere hat er längst gestellt. Mit DUB.de spricht er über sein unternehmerisches Denken, seinen persönlichen wie beruflichen Antrieb und die Parallelen zwischen der Box- und Businesswelt.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Sie sind jetzt 39 und auf dem Zenit Ihrer Boxkarriere. Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Karriereende? Und wie wichtig wäre es Ihnen, als Weltmeister abzutreten?

Klitschko: Ich weiß, dass meine sportliche Karriere irgendwann zu Ende ist. Darauf bereite ich mich vor, indem ich mich schon jetzt um meine Karriere nach der Karriere kümmere. Schon seit längerem. Und natürlich möchte ich meine Karriere als Champion beenden.Wladimir Klitschko im Gespräch mit dem DUB UNTERNEHMER-MagazinBild: ©Frank Egel

Mein stärkster Gegner und härtester Herausforderer dabei bin ich selbst. Nur ich selbst kann mich schlagen. Immer dann, wenn ich über mich selbst hinauswachse, feiere ich einen Sieg. Es gibt viele starke Herausforderer, die einen auch schlagen können – aber nur, wenn ich mental nicht gut eingestellt bin, meine Hausaufgaben nicht zu 100 Prozent gemacht und nicht Plan A, B und C in der Tasche habe. Entsprechend vorbereitet kann es keinen „lucky punch“ geben. Hinzu kommt – und das ist für mich ganz wichtig – dass ich in meinen 30ern dieses große Selbstbewusstsein entwickelt habe, zudem meine Stärken und Schwächen kenne. Meine Stärken versuche ich so zu nutzen, dass meine Schwächen nicht zu Tage treten.

Was aber kommt nach der Sportlerkarriere? Welche Pläne haben Sie?

Klitschko: “Wer nicht träumt, der nicht lebt.“ Ich glaube, das passt gut zu mir. Ich bewundere Menschen wie den sehr erfolgreichen US-Unternehmer Warren Buffett und Virgin-Gründer Richard Branson, gehe aber meinen eigenen Weg. Ich habe Pläne und Träume und bin zum Beispiel ein Freund von Universitäten. Ich spüre, dass ich etwas zurückgeben kann – meine Erfahrungen und Methoden. Das ist meine Motivation.

Ich habe selbst bereits in den USA doziert, etwa als es um die rechtlichen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA am Beispiel meines Prozesses gegen US-Box-Promoter Don King ging. Nun habe ich gemeinsam mit der Forschungsstelle für Customer Insight der Universität St. Gallen den Weiterbildungsstudiengang CAS Change and Innovation ins Leben gerufen, der Grundlagen des Challenge Managements vermittelt. Ab Februar werden dort Führungskräfte und Manager optimal auf die beruflichen und persönlichen Herausforderungen einer immer komplexeren und schnelleren Welt vorbereitet. Ich freue mich schon sehr auf die Vorlesungen, die ich dort halten werde. Aber auch auf diejenigen, die ich selbst hören und von denen ich lernen kann. Schließlich haben wir dort Top-Referenten aus unseren Netzwerken gewonnen. Der Studiengang bildet jedoch nur eine Möglichkeit von vielen, mit denen ich meine Erfahrungen und Methoden weitergebe.

Worauf konkret will der Studiengang vorbereiten?

Klitschko: Die Welt wird immer komplexer, immer schneller. Innovationen, die alles verändern – beispielsweise die Digitalisierung, durchdringen aktuell alle Lebensbereiche. Wir stehen dadurch tagtäglich vor einer Vielzahl von Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt – ob als Sportler, Unternehmer oder auch Privatmensch. Wer sich diesen Herausforderungen nicht stellt, nicht mit der Zeit geht, nicht 360 Grad denkt und keinen konkreten Plan hat, geht langfristig unter. Wir wollen Führungskräften und Managern Möglichkeiten und Wege aufzeigen, wie sie den 12 Herausforderungen, die ich sowohl im Sport als auch in der Wirtschaft ausgemacht habe, erfolgreich begegnen.

Die Kombination von unternehmerischem Wissen und Fähigkeiten von Sportlern führt zum besten Team, das man haben kann. Ein Beispiel: Bei der Handelsblatt-Veranstaltung Pathfinder waren fünf CEOs von Top-Unternehmen anwesend und jeder hat sein wirtschaftliches Know-how eingebracht. Meine Rolle dabei war es, die Sicht des Leistungssportlers einzubringen, meine Erfahrungen aus Olympiasieg, Weltmeistertitel und Niederlagen. So eine Mischung braucht die Wirtschaft. Dann entsteht etwas gutes Neues. Und der Studiengang Challenge Management tut genau das.

Sind Sie bei in St. Gallen vor allem der Namenspate oder nehmen Sie auch eine aktive Rolle ein?

Klitschko: Mein Name spielt definitiv eine Rolle – erst einmal um die Aufmerksamkeit auf das Projekt zu ziehen. Ich denke jedoch auch da sehr langfristig: Wenn die Reaktion auf den Studiengang nicht positiv ausfällt, weil die Leute merken würden, dass ich keine aktive Rolle spiele, spräche sich so etwas wahnsinnig schnell rum. Und das wäre nicht gut für mich und meine Marke. Es sind ja meine Inhalte rund um das Thema Challenge Management, die dort vermittelt werden. Meine Experten - Weggefährten und Sparrings-Partner meiner Karriere, Außenstehende, die meine Methode erkannt haben und anwenden und Praktiker des Challenge Managements - werden die Theorie, die die Uni St.Gallen liefert, mit der Praxis untermauern. Ich versichere, dass ich, so oft es geht, dabei sein werde. Von manchen Dozenten kann auch ich noch vieles lernen. Ich bin schon heute gespannt auf die Vorlesungen, an denen ich selber teilnehmen werde. Ich garantiere, dass dieser Studiengang eine super spannende Geschichte ist. Alles ist so ausgestaltet, dass es für die Studenten nach der ersten Vorlesung quasi ein Muss ist, auch bei der zweiten dabei zu sein. Langfristig gesehen soll der Studiengang nur der erste Schritt sein. Er darf keine Eintagsfliege bleiben, sondern muss sich bewähren.

Teil 1: "Einen Lucky Punch gibt es nicht."
Teil 2: "Boxen ist der einzige Sport, der mit dem Leben vergleichbar ist."
Teil 3: "Erst durch den Misserfolg bin ich in die Balance gekommen."
Teil 4: "Manchmal steht mir mein großes Ego im Weg"

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